Das Haus in der Rastatter Innenstadt ist nach dem Brand unbewohnbar. | Foto: Collet

Eine Person wird noch vermisst

Rastatter Brandopfer fühlen sich im Stich gelassen

Anzeige

Die Kleider, die er am Leib trägt, sind geliehen. Nur der Geldbeutel und das Telefon, die Hermann Graf aus der Tasche zieht, gehören noch ihm. „Ich hab’ gar nichts mehr“, erzählt der Mann, der bis Montagabend noch im ehemaligen Gasthaus „Zum Rappen“ wohnte. Dann zerstörten die Flammen seine Existenz.

Doch damit nicht genug: Graf gehört zu jenen Bewohnern, die nicht bei Familie oder Freunden untergekommen sind, sondern auf die Hilfe der Stadt angewiesen waren. Anders als in einer Mitteilung der Polizei beschreiben, sind es aber keine „städtischen Wohnungen“, in denen die sieben Ausgebrannten nun sitzen, sondern in Zimmern in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kehler Straße. „Das ist untragbar“, klagt Hermann Graf und berichtet von einer Betroffenen, die sich erst gar nicht getraut hat, dort einzuziehen. Die Stimmung sei miserabel, man fühle sich alleingelassen.

Alternativen fehlen

Auf Nachfrage der Badischen Neuesten Nachrichten bestätigt die Stadt die Form der Unterbringung. Sie betont aber auch: „Uns ist sehr klar, dass wir den obdachlosen Personen neben dem Verlust der Wohnung sowie der persönlichen Gegenstände nun noch zumuten, in eine neue Bleibe zu ziehen, die mit weitgehenden Einschränkungen verbunden ist. Allerdings fehlen uns die Alternativen.“ Eigentlich sei nämlich gar nicht die Stadt zuständig, sondern der Vermieter – der dies allerdings abgelehnt habe. „Da die Personen keine anderweitige Unterbringung gefunden haben, sind wir als Polizeibehörde eingesprungen.“

Hotels nicht angemessen

Zuerst seien die Pension Anna und das Hotel Brückenhof angefragt worden, die jedoch keine freien Zimmer gehabt hätten. Hotels seien „nicht angemessen“ gewesen, da die Dauer der Unterbringung nicht absehbar sei, so die Stadt. Da aber möblierte Unterkünfte benötigt wurden, die die Stadt nicht hätte stellen können, sei die Verwaltung ihrerseits an den Landkreis herangetreten, um die Genehmigung zu erhalten, die Opfer des Brandes in der Gemeinschaftsunterkunft unterzubringen.

Keine glückliche Lösung

Dem Vorwurf, die Menschen allein gelassen zu haben, widerspricht die Stadt: „Bei der Unterbringung vor Ort erhielten die Bewohner/innen auch den Hinweis, zeitnah mit dem Jobcenter Kontakt aufzunehmen, um dort finanzielle Nothilfen zu beantragen. Des Weiteren haben wir sie gebeten, sich bei Fragen entweder an den Hausmeister vor Ort oder städtische Mitarbeiter zu wenden, die namentlich genannt wurden.“ Mit der gefundenen Lösung ist die Stadtverwaltung dennoch nicht glücklich. Sie hofft darauf, dass sich Rastatter finden, die den Opfern des Brandes in der Rappenstraße – außer Hermann Graf sind dies vier weitere Einzelpersonen sowie ein Paar – freie Wohnungen anbieten. „Selbstverständlich behalten wir die Situation im Blick und das Wohlergehen der betroffenen Personen.“

Vermisster fehlt noch immer

Unterdessen musste die Feuerwehr in den frühen Morgenstunden des Mittwochs noch einmal in die Rappenstraße ausrücken, da sich zwei Glutnester erneut entzündet hatten. Diese konnten aber nach Polizeiangaben schnell wieder gelöscht werden. In der zweiten Tageshälfte haben dann Beamte der Kriminalpolizei die Brandruine genauer unter die Lupe genommen. Am Dienstag war das wegen schwelender Trümmerreste noch nicht möglich gewesen. Dabei hatte die Suche nach dem Vermissten neben der Suche nach der Brandursache oberste Priorität. Gerüchte, das Feuer sei in seinem Zimmer entstanden, kommentierte die Polizei nicht. Bei Redaktionsschluss gab es noch keine Neuigkeiten zum Schicksal des Mannes.