Braumeister Martin Schnaitter und Franz-Brauerei-Chef Lionel Berger prüfen die Biermaische
Braumeister Martin Schnaitter und Franz-Brauerei-Chef Lionel Berger prüfen die Biermaische | Foto: Collet

Geringer Umsatz

Rastatter Brauereien leiden unter Corona: Auflagen überschatten den Neuanfang

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Es sind Bilder, die durch die Region gingen: 1.500 Liter Bier eines Wiernsheimer Brauers landeten vom Fass direkt in einer Biogasanlage. Weil der Unternehmer nach eigenen Worten wegen der Corona-Krise keine Abnehmer fand. Ganz so dramatisch sieht die Lage in Rastatt nicht aus. „Wir mussten nichts wegschütten, weil wir keine großen Vorräte anlegen“, sagt Lionel Berger, Geschäftsführer der Franz-Brauerei. Von deutlichen Einbußen sprechen er und Braumeister Rüdiger Fröhle von der Hausbrauerei „Hopfenschlingel“ allerdings auch.

Abgesagte Großveranstaltungen und geschlossene Gasthäuser machen den Meistern von Hopfen und Malz zu schaffen. So sitzt die Franz-Brauerei auf ihrem Bier, weil die Stammkundschaft derzeit keine Fässer abnimmt. Im Hopfenschlingel hat seit Wochen niemand die Gaststube von innen gesehen und als Ort für Feste und Feiern ist die „Hopfenscheuer“ der Hausbrauerei ebenso lange völlig verwaist.

Der einzige Lichtblick ist der Außer-Haus-Verkauf an treue Stammkunden. „Dieser ist ein bisschen gestiegen. Aber das ist trotzdem nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Fröhle.

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Außer-Haus-Verkauf läuft besser als vor Corona

Von gestiegenen Erlösen im Handel berichtet auch Berger. „Das läuft wirklich sehr gut. Es gibt viele Hardcore-Franz-Fans, die mit ihrem Kauf bewusst die Regionalität unterstützen.“ Insgesamt sei dennoch „sicherlich ein Drittel“ des gesamten Umsatzes weggebrochen. Bitter für beide Betriebe ist, dass die Saison für Biergarten und Vereinsfeste gerade richtig hätte anlaufen sollen.

„Unsere Erfahrung zeigt, umso mehr die Sonne scheint, desto mehr Bier wird getrunken“, sagt Braumeister Rüdiger Fröhle. Und Berger ergänzt: „Der Sommer ist schnell rum. Fassanstich mit Bürgermeistern, feiernde Leute, das ganze Tolle unseres Berufes fällt weg.“

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Jetzt aber stehen beide Betriebe in den Startlöchern, ab dem 18. Mai darf die Gastronomie wieder loslegen. Die Franz-Brauerei versucht, ihren Kunden beim Neustart auf die Beine zu helfen: Nach Angaben von Brauerei-Chef Lionel Berger reinigt sie gratis deren Leitungen, tauscht kostenlos abgelaufene Ware aus und stundet ihren Wirten die Pacht. Im Hopfenschlingel hat der Braumeister ebenfalls sämtliche Getränkeleitungen gesäubert und Tische und Stühle sind, mit ausreichend Abstand zueinander, gerichtet und warten auf die Gäste.

Unser Umsatz wird gering sein.

Rüdiger Fröhle, Braumeister im Hopfenschlingel

Das Möbliliar glänzte bereits vor sechs Wochen. Nur stand es damals noch enger beisammen. Die nun geltende Abstandsregel überschattet die Wiedereröffnung am 18. Mai. Denn weitere Abstände bedeuten weniger Tische und damit weniger mögliche Gäste. „Unser Umsatz wird gering sein und die Arbeit haben wir trotzdem“, prophezeit Fröhle. Verhalten ist auch Bergers Freude.

„Ich freue mich, dass die Gaststätten öffnen dürfen. Aber man muss realistisch bleiben. Unseren Umsatz wird das nicht nach oben treiben und die Gastwirte vielleicht gerade so vor dem Bankrott retten.“