Kleines Rohr mit großer Wirkung: Das Filtersystem „Sportfix Clean“ der Rastatter Firma Hauraton fängt Mikroplastik von Kunstrasenplätzen auf. Ideengeber Fabian Reuter (rechts) und Geschäftsführer Marcus Reuter zeigen wie.
Kleines Rohr mit großer Wirkung: Das Filtersystem „Sportfix Clean“ der Rastatter Firma Hauraton fängt Mikroplastik von Kunstrasenplätzen auf. Ideengeber Fabian Reuter (rechts) und Geschäftsführer Marcus Reuter zeigen wie. | Foto: Collet

Filtersystem von Hauraton

Rastatter Firma erhält Umwelttechnikpreis

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Von Weitem liegt zu den Füßen zahlreicher Fußballspieler lediglich ein weiches, grünes Feld aus Gras. Doch zwischen den einzelnen Halmen eines Kunstrasenplatzes verstecken sich unzählige Mikroplastik-Teilchen, die von dort ihren Weg in die Umwelt fortsetzen. Um genau das zu verhindern, hat die Firma Hauraton in Rastatt ein Filtersystem entwickelt.

Das Land Baden-Württemberg verleiht ihr für „Sportfix Clean“ nun den Umwelttechnikpreis in der Kategorie „Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung“. Es sei ein guter Beitrag zur Lösung eines drängenden Problems, betont Umweltminister Franz Untersteller. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft vergibt den Preis alle zwei Jahre an Produkte, die Ressourceneffizienz und Umweltschutz fördern.

Kunstrasen wird aufgefüllt

Die Idee zu dem Mikroplastik-Filtersystem ist bereits vor einigen Jahren entstanden, erklärt Fabian Reuter, Senior-Consultant und ehemaliger Geschäftsführer von Hauraton. „Ich habe mich intensiv mit unserem Sportprogramm beschäftigt und mir seit 2015 auch verstärkt Gedanken um Mikroplastik gemacht“, erklärt er. Damit die Verletzungsgefahr der Sportler sinkt, wird auf Kunstrasenplätzen sogenanntes Infill-Material gestreut, dass sich zwischen die Halme legt. Das wiederum sei auch gut für das Ballverhalten, fügt Reuter hinzu.

Filter für Mikroplastik

„Neben diesen Vorteilen gibt es eben auch Nachteile“, sagt er. Durch Einwirkung der Spieler selbst, Wind und Regen werden die schwarz-grünen Kunststoffpartikel ausgetragen. „Wenn man diese nicht auffängt, gelangen sie zunächst in unser Wassersystem und von dort aus anschließend in die Meere und letztlich wieder in unserem Körper“, erläutert er die Problematik. Laut Angaben des Unternehmens gebe es bundesweit rund 5000 Kunstrasenplätze. Von diesen lösen sich jährlich pro Platz zwischen 250 und 300 Kilogramm Mikroplastik, schreibt das Land.

So gelangt lediglich sauberes Wasser in das Filterrohr.

Das Rinnenfiltersystem von Hauraton entlang des Feldes verhindert, dass abgebrochene Grashalme oder Infill-Material in die Entwässerung gelangen. Die kleinen Partikel fallen durch die Rinnen und lagern sich auf dem darin befindlichen Geotextil ab. Flüssigkeit wiederum sickere durch das Material. „So gelangt lediglich sauberes Wasser in das darunterliegende Filterrohr“, erläutert Ideengeber Reuter. Das könne entweder zur Bewässerung der Anlage oder als Trinkwasser wiederverwendet werden. Die Rinne müsse alle drei bis fünf Jahre gesäubert werden, selbst das aufgefangene Infill-Material könne danach erneut benutzt werden, betont er.

Hauraton entwickelt Lösung

„Sportfix Clean“ habe eine Filterfläche von mehr als 20 Quadratmetern und könne nicht nur bei neuen Plätzen, sondern auch bei bestehenden nachgerüstet werden. Der Zusatzaufwand sei gering, sagt Reuter. „Mit Einbau kostet unsere Lösung lediglich fünf bis zehn Prozent des Kunstrasenpreises, abhängig von dessen Größe.“ Das sei kein großer Betrag. Bereits 2017 stellte das Unternehmen ihr System auf einer Messe in Köln vor – die Resonanz der Besucher sei schwach gewesen, erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer. „Das Thema war nicht ernst genug.“

Umweltbehörden sind aufmerksam

Seit vergangenen Jahr stehe Mikroplastik jedoch im Fokus der Öffentlichkeit und damit finde nun auch der Filter, der seit 2018 in seiner jetzigen Version auf dem Markt ist, Anklang. „Besonders die Nachfrage nach der Technik, Austrag bei Kunstrasenplätzen aufzusammeln, ist gestiegen“, so Reuter. Der Druck dazu komme seit Bekanntwerden des Problems auch von den Umweltbehörden.