„Umweltschutz statt Kohleschmutz“: Am Freitag demonstrierte die Fridays-For-Future-Bewegung vor dem Siemens-Standort in Rastatt. Deutlich weniger als die erwarteten 100 Jugendlichen nahmen an der Veranstaltung teil.
„Umweltschutz statt Kohleschmutz“: Am Freitag demonstrierte die Fridays-For-Future-Bewegung vor dem Siemens-Standort in Rastatt. Deutlich weniger als die erwarteten 100 Jugendlichen nahmen an der Veranstaltung teil. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Demonstration

Wegen australischer Kohlemine: „Fridays for Future“-Aktivisten protestieren vor Siemens-Werk in Rastatt

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Jugendliche Aktivisten der lokalen Fridays-for-Future-Bewegung haben am Freitagmittag vor dem Siemens-Standort in Rastatt protestiert. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben bis zum Jahr 2030 das Ziel der Klimaneutralität erreichen, beteiligt sich aber trotzdem am höchst umstrittenen Bau einer Kohle-Mine in Australien.

Etwas verloren wirkten die acht Teilnehmer der Demonstration mit ihren Schildern und Bannern vor den Toren des Unternehmens im Rastatter Industriegebiet.

100 Personen habe er bei den Behörden für die Veranstaltung angemeldet, sagte der 14-jährige Organisator Sebastian Wald wenige Minuten vor Beginn der Demonstration, „das werden wir heute aber nicht schaffen“.

Einerseits sei die Vorlaufzeit recht kurz gewesen, um noch genügend Werbung zu machen. Andererseits sei die Lage des Siemens-Standortes für Schüler auch schwer zu erreichen, so Wald.

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Bei vielen Jugendlichen ist die Luft raus

Er bemerke, dass bei vielen mittlerweile die Luft raus sei. Es kämen weniger Teilnehmer zu den Protesten. Aber die, die kämen, meinten es auch ernst. „Jetzt kommt man nicht mehr aus Spaß, sondern aus Verantwortungsgefühl der Zukunft gegenüber“, erklärte der 14-Jährige ernst.

Ihre geringe Größe minderte jedoch nicht die Entschlossenheit der Gruppe. „Allein in Rastatt wird jede Woche die Energie einer Hiroshima-Bombe in der Atmosphäre gespeichert“, zog Wald in seiner Rede vor dem Siemens-Standort einen Vergleich.

„Diese Energie sorgt für eine Erderwärmung, die katastrophale Folgen haben könnte. Warum also haben wir vor einer Bombe Angst, nicht aber vor dem Klimawandel?“

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„Umweltschutz statt Kohleschmutz“

Die Jugendlichen wollten mit Sprüchen wie „Umweltschutz statt Kohleschmutz“ die Aufmerksamkeit nach Australien lenken. Nicht auf die verheerenden Brände, über die alle Welt spricht, sondern auf den Bau einer Kohle-Mine, an dem Siemens sich beteiligen will.

Der indische Konzern Adani plant eine Mine, die nach ihrer Fertigstellung eines der größten Kohle-Bergwerke der Welt wäre. Siemens soll die Signalanlage für die Bahn liefern, die die Kohle abtransportiert „Ausgerechnet in Australien, wo die Klimakrise für katastrophale Brände und enormes Leid sorgt“, sagte Wald.

Bau der Mine bringt massive Umweltverschmutzungen

Die 17-jährige Theresa Gottwald sagte: „Zu Beginn wird diese Mine das Achtfache der bisherigen jährlichen Treibhausgase Australiens emittieren. Sie soll auch noch erweitert werden, dann werden die Emissionen noch steigen.“

705 Millionen Tonnen zusätzlichen CO²-Ausstoß pro Jahr würde das bedeuten. Jährlich würden 500 Kohletanker durch das berühmte Great Barrier Reef fahren, um die Kohle nach Asien zu transportieren.

61 andere Unternehmen hätten aufgrund der hohen Umweltverschmutzung eine Beteiligung an der Mine abgelehnt, erklärte Gottwald weiter.

Reaktion von Siemens bleibt aus

„Siemens rühmt sich damit, bis 2030 klimaneutral werden zu wollen und unterstützt im selben Atemzug den Bau einer Kohle-Mine, deren Betrieb die Einhaltung der Klimaziele quasi unmöglich macht“, sagte Wald vor den Toren von Siemens in Rastatt.

„Wir fordern den Siemens-Chef Joe Kaeser auf, die Beteiligung von Siemens am Bau der Mine zu beenden. Denn er unterstützt die Weiterentwicklung der Klima-Bombe.“

Während eine Reaktion aus dem Rastatter Werk ausblieb, traf sich Kaeser  in Berlin mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer zum Gespräch. Dabei bot er ihr einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy an.

Angesichts der Proteste will Siemens nun bis Montag über den Bergwerk-Auftrag entscheiden.