Zur farbenfrohen Kulisse wird das Schloss besonders am Abend durch die Beleuchtung zur Schlossweihnacht im Ehrenhof.
Zur farbenfrohen Kulisse wird das Schloss besonders am Abend durch die Beleuchtung zur Schlossweihnacht im Ehrenhof. | Foto: Collet

Weihnachten in Rastatt

Rastatter Schlossweihnacht mit Schlechtwetter-Nischen

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Ein Potpourri aus Düften – von Holz über ätherische Öle bis hin zu deftigen Kartoffeln – strömt über den Ehrenhof. Es ist wieder Schlossweihnacht. Seit Donnerstag sind die kleinen weißen Zelte zehn Tage lang von 12 bis 20 Uhr für Besucher geöffnet.

Bei der dritten Ausgabe der Veranstaltung am Residenzschloss ist jedoch nicht alles gleich geblieben. „Es gibt zum ersten Mal ein Mitmach-Zelt für Kinder“, erzählt Organisatorin Sabine Franzreb. „Außerdem haben wir überdachte Nischen geschaffen, in die sich die Besucher bei Regen zurückziehen können.“

Bekannte Aussteller

Nach der wetterbedingt eher schlechten Bilanz des Vorjahres kamen die meisten Aussteller doch wieder, sagt Franzreb, die die Schlossweihnacht unterstützt von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg sowie der Stadt Rastatt koordiniert. Insgesamt 21 Kunsthandwerker und fünf Gastronomen beleben den Platz bis zum 16. Dezember. Lediglich drei sind zum ersten Mal dabei.

Ergänzend zu den Auslagen in den Ständen sorgt die Weihnachtsbeleuchtung an der Schlossfassade bei Dunkelheit für festliche Stimmung: 13 Motive wechseln sich im Fünf-Minuten-Takt ab.

Weitere Finanzierung unklar

Zu Beginn der Schlossweihnacht hatte der Rastatter Gemeinderat eine finanzielle Unterstützung bis vorerst 2018 festgelegt – mit je 40 000 Euro pro Jahr. „Wir sind bestrebt, die Schlossweihnacht so lange wie möglich zu erhalten“, sagt Heike Dießelberg, Sprecherin der Stadt, mit Blick auf die Zukunft. Der offizielle Beschluss vom Gemeinderat, ob weiter Mittel fließen oder nicht, fehlt jedoch noch. Auf das Geld der Stadt ist Organisatorin Franzreb angewiesen, wie sie selbst betont.

Tannen der Schlossweihnacht

Eine Art „Dankeschön“ vergibt sie dennoch an die Besucher: Rund 250 Nordmanntannen, die für nur 20 Euro reserviert, gekauft und am Ende der Schlossweihnacht abgeholt werden können, erklärt Franzreb. Daneben gibt es Bürsten, die in jahrelanger Familientradition hergestellt werden, Holz, das von einem Ehepaar nach Feierabend in dekorative Einzelstücke verwandelt wird, oder Seifen, die aus spanischem Olivenöl gemacht sind.

Kunsthandwerker führen Arbeit vor.

Eine Neuheit sei in diesem Jahr vor allem das Mitmach-Angebot. Von 14 bis 17 Uhr können Kinder etwa in die Backstube, unter Anleitung Basteln und Singen oder Filzen. Doch auch in den Ständen ist Programm. „Viele Kunsthandwerker haben ihre Materialien und Arbeitsgeräte mitgebracht und führen vor, wie ihre Produkte entstehen.“ Dann wird vor den Augen der Besuchern Holz in feine Herzen gesägt, Opale geschliffen oder sogar live gekocht.

Nebeneffekt auf Schloss

Doch die Schlossweihnacht sei nicht nur ein schönes Ausflugsziel, ergänzt Magda Ritter, Leiterin der Schlossverwaltung. „Sie ist auch ein Gewinn für das Schloss.“ Alleine schon, dass der Ehrenhof in dieser Zeit so belebt sei, freue sie. „Aber wir haben dadurch auch mehr Besucher im Schloss“, so Ritter. Deshalb biete man etwa Sonderführungen an, bei denen man das barocke Gebäude wie an diesem Freitag mit der Taschenlampe erkunden darf. „Das ist etwas besonderes und sehr selten erlaubt.“

Kommentar: Stilfrage

Normalerweise kennt man Weihnachtsmärkte so: Mitten in der Stadt, überfüllt und mit den immer gleichen Holzbuden. Stilvoll und besinnlich ist das selten. Trotzdem gehören die Märkte in der Adventszeit einfach dazu. Umso schöner ist es da doch, wenn die Kulisse eine andere ist. Zum Beispiel eben ein Schloss, das von Natur aus schon mehr Festlichkeit ausstrahlt. Da ist es nur konsequent, diese Option zu nutzen.
Weihnachtsmärkte tragen zu mehr bei als nur zu vollen Bäuchen, einem Zuckerschock oder Kopfweh am nächsten Morgen. Sie geben etwa Kunsthandwerkern eine Plattform: Dort der Stand des Vertrauens für selbstproduzierte Kosmetika, auf der anderen Seite für handgefertigten Schmuck oder Puschen aus Wolle. Hinter den oft einsam verharrenden Verkäufern verstecken sich einzigartige Familientraditionen: Zum Beispiel ein Bürstenmacher, der das Handwerk von seinem über 80-jährigen Vater lernt, solange dieser sein Wissen, das er selbst wiederum von seinem Vater erlernt hat, noch weitergeben kann. Treffpunkte, um zu essen und zu trinken, gibt es heutzutage genug. Dazu braucht es keine Weihnachtsmärkte – zum Entdecken von Handarbeiten gerade von der jüngeren Generation schon eher. Wenn die Stadt dazu die Kulisse des Schlosses zur Verfügung hat, wäre es Verschwendung, diese nicht zu beleben.