Auszeit beendet: Mit dem Jumping-Fitness-Training startete die erste Gruppe nach wochenlanger Pause das Übungsprogramm im Stadion des Rastatter TV. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Seit März keine Neuanmeldungen

Rastatter TV befürchtet ausblutende Vereinslandschaft wegen des Coronavirus

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Die Zeit, in der die schmucken Sportanlagen des Rastatter Turnvereins gleichsam im Dornröschenschlaf verweilten, ist mittlerweile vorbei. Seit einigen Tagen gibt es zumindest wieder einen eingeschränkten Sportbetrieb. Nicht nur dessen Organisation bringt Geschäftsführer Matthias Reiche und seine Mitstreiter allerdings gehörig ins Schwitzen.

Die Corona-Krise hat auch beim größten Rastatter Sportverein seine Spuren hinterlassen. Von den 2.000 Mitgliedern seien seit Anfang dieses Jahres 65 ausgetreten – „und nach dem 6. März haben wir keine Neuanmeldung mehr verbucht“, klagt Reiche. „Die Vereinslandschaft droht auszubluten und viele soziale Netzwerke könnten kaputtgehen“, betont der Geschäftsführer.

Verluste im fünfstelligen Bereich

Die finanziellen Verluste für den RTV bewegen sich nach seiner Aussage im fünfstelligen Bereich. Im Blick auf die schon zu konstatierenden Rückforderungen von Vereinsbeiträgen lässt der RTV wissen, dass eine Rückzahlung der Beiträge dem Gesetz und der Satzung widerspreche und die Gemeinnützigkeit gefährden könne.

Der Verein verstehe sich als Solidargemeinschaft, „die füreinander einsteht“.
Die Beiträge seien eine entscheidende finanzielle Säule für das Funktionieren des Vereinslebens auch über die Zeit der Corona-Krise hinweg.

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Sportgelände ist  in zwölf Trainingsflächen unterteilt

Im sportlichen Bereich verdeutlicht Reiche, dass „wir nun langsam wieder hochfahren“. Dabei ist bei den Verantwortlichen gleichsam das strategische Denken von Schachspielern gefragt, um den Anforderungen gerecht zu werden.

„Wir haben 78 Übungsgruppen mit im Schnitt 15 Teilnehmern“, sagt Reiche. Gemäß den geltenden Regeln ist das Sportgelände in zwölf einzelne Trainingsflächen unterteilt. Maximal fünf Personen pro 1.000 Quadratmeter seien zulässig, verdeutlicht er die Situation.

Sie verlangt auch von den Übungsleitern hohe Flexibilität, wenn zu den einzelnen Trainingszeiten nur wenige Sportler im Einsatz sind. Dabei werden die Interessenten zuvor abgefragt, welches Zeitfenster für sie passend ist.

Mannschaftsspiele sind noch untersagt

Mannschaftsspiele sind indessen noch untersagt: Leichtathleten, Schwimmer könnten aber zumindest Kraft und Ausdauer trainieren und auch die Fechter und Karatekämpfer Koordination und Konzentration schulen. Einige Videos zu Bewegungs- und Spielformen seien zudem in den vergangenen Wochen ins Netz gestellt worden, verdeutlicht Reiche die Bemühungen, während der Corona-Krise das Sportangebot zumindest online ein wenig aufrechtzuerhalten.

„Wir bekommen auch viele Anrufe von Eltern, die wissen wollen, wann die Schwimmkurse wieder starten“, sagt er – in der Hoffnung, dass es von den Behörden alsbald grünes Licht für die Freigabe des kontrollierten Schwimmsports auf entsprechenden Bahnen gibt.

Corona-Beauftragter überwacht die Regeln

Ein Corona-Beauftragter des Vereins achtet derweil darauf, dass die Regeln auf dem RTV-Gelände eingehalten werden und auch vonseiten der Stadtverwaltung wird auf die Beachtung der Auflagen geachtet.

Ein Abstand von anderthalb Metern zwischen den Sporttreibenden gehört dazu, auch müssen die Sportler gleich in entsprechender Kleidung auf dem Platz sein, da die Umkleidekabinen und Duschen noch geschlossen sind. „Zwei Drittel unserer Zeit befassen wir uns momentan nur mit Corona“, betont Reiche.

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Dennoch laufen im Hintergrund die Planungen für das große Jubiläum zum 175-jährigen Bestehen des RTV im kommenden Jahr weiter. Wie die vorgesehenen Veranstaltungen allerdings konkret realisiert werden, vermag Reiche noch nicht zu prognostizieren: „Wir lassen mal den Sommer kommen und sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt.“

Beim RSC/DJK liegt Trainingsbetrieb  noch brach

Vollkommen brach liegt derweil noch der Trainingsbetrieb beim Rastatter SC/DJK. Das gilt sowohl für die Fußballer, als auch für die Breitensportabteilungen. „Die Stadt hat uns zwar freigestellt, das Gelände wieder nutzen zu dürfen, aber bei uns in der Vorstandschaft will niemand die Verantwortung dafür übernehmen, dass alle Regeln eingehalten werden“, erklärt Vorstandsmitglied Matthias Dorsner.

Wie lange dieser Zustand andauern wird, kann er nicht abschätzen. Abgeklärt werden soll aber, ob der Platz einer kommerziellen Fußballschule zur Verfügung gestellt wird – die dann aber auch für die Einhaltung der Corona-Vorgaben voll verantwortlich sei.

Die sportfreie Zeit werde laut Dorsner für einige Verschönerungsarbeiten auf dem Gelände genutzt. Geplant sei zudem eine Erweiterung der Kabinen – gerade im Blick darauf, dass künftig nur noch eines der beiden Clubhäuser weiter betrieben werden soll.

Auch  der  FC 04 pausiert weiter

Auch beim FC Rastatt 04 ruht der Trainingsbetrieb weiter. „Wenn sich mal zwei Spieler zum Torschusstraining treffen oder durch den Wald joggen haben wir nichts dagegen, aber ansonsten läuft nichts“, sagt 04-Vorsitzender Mathias Berner und versichert: „Wir machen keine voreiligen Alleingänge“. Wenn in den nächsten Wochen keine weiteren Lockerungen verkündet werden, soll sich zumindest bis zum Verbandstag am 21. Juni, wo über eine mögliche Fortsetzung der Saison entschieden wird, an der Situation nichts ändern.

Im Stadion des FC 04 selbst werde derzeit nur das nötigste getan, „um die Grünflächen in Ordnung zu halten“, wie Berner erklärt. Die geplanten Verschönerungsarbeiten auf dem Gelände seien auch erst einmal verschoben: „Durch die PFC-Belastung und die wegfallenden Pachteinnahmen aus dem Clubhaus sind wir auch finanziell ziemlich gebeutelt“, sagt er.