Nur an der Wintersdorfer Brücke ist die Bahnstrecke ins Elsass unterbrochen.
Nur an der Wintersdorfer Brücke ist die Bahnstrecke ins Elsass unterbrochen. | Foto: Collet

Bahnstrecke ins Elsass

Region bringt Brückenschlag voran

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Der erste konkrete Schritt für eine Bahnstrecke von Saarbrücken über Roppenheim in Richtung Rastatt steht Mitte September an. Wie Dezernent Claus Haberecht vom Rastatter Landratsamt im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten erklärt, werden sich Vertreter des Landes, der mittelbadischen Region sowie der Région Bas-Rhin zu einer B02esprechung treffen, bei der Interreg-Mittel für eine Machbarkeitsstudie beantragt werden. Diese könnte bis 2020 fertig sein, der Bau der Strecke wäre nach Haberechts Einschätzung in einem Zeithorizont von zehn Jahren zu sehen.

Strecke über das Elsass nach Saarbrücken

Bei dem Projekt geht es zunächst nicht um den Schienenfernverkehr, sondern um den Regionalverkehr. Die Strecke würde von Saarbrücken über Weißenburg, Hagenau und Roppenheim über die Wintersdorfer Rheinbrücke führen, um dann schließlich über Rastatt in Karlsruhe anzukommen. Roppenheim wäre dann die Drehscheibe zu der bestehenden, aber maroden Strecke von Straßburg nach Lauterburg und Wörth.
Der Eurodistrikt Pamina hat derweil eine Mobilitätsstrategie entwickelt, die sowohl die Modernisierung der linksrheinischen Strecke, als auch den Neubau der Querachse nach Saarbrücken beinhaltet. Darauf soll die Machbarkeitsstudie aufgebaut werden.

Erkenntnisse aus Tunnelhavarie

„Das geschieht auch vor dem Hintergrund der Tunnelhavarie in Rastatt“, erklärt Claus Haberecht, „damals hat sich gezeigt, dass die Infrastruktur im Nordelsass nicht ausreicht.“ Die Chancen, dass die Interreg-Stelle den Zuschuss für die Machbarkeitsstudie gewährt, sind nach Haberechts Einschätzung gut, da für diese Region bisher wenig von dem bereitstehenden Geld abgerufen worden sei. Wenn es um den Bau geht, müsse außerdem der europäische Fonds einspringen, vielleicht auch der Bund. Haberecht: „Da muss dann richtig geklotzt werden, es geht dabei um sehr viele Millionen Euro.“

Trasse teilweise noch erhalten

Die Bahntrasse ist in Teilen übrigens noch erhalten. Zwischen Rastatt und Roppenheim liegen die Gleise mit Ausnahme der Rheinbrücke, die für Straßenverkehr genutzt wird. Von Roppenheim in Richtung Hagenau gab es eine Strecke, die allerdings zugewachsen ist. „Die Studie wird zeigen, ob man auf bestehenden oder neuen Trassen planen muss“, so Haberecht.

Taugt Brücke auch für Fernverkehr?

Die schnellste Fahrmöglichkeit auf der Schiene von Karlsruhe nach Paris führt über die Wintersdorfer Rheinbrücke: Bahnexperte Sven Andersen ist sich sicher, dass bei einem Ausbau dieser Trasse mit einem Gleisdreieck nordwestlich von Straßburg die Fahrzeit von der Fächerstadt an die Seine von derzeit zweieinhalb auf dann knapp unter zwei Stunden gedrückt werden könnte.

Schnellste Verbindung nach Paris

Andersen führt in einem Beitrag für das Fachmagazin Bahn-Report aus, dass der Ausbau der linksrheinischen Strecke im Elsass und die Anbindung an die badische Rheintalstrecke über die Wintersdorfer Brücke eine große Rolle für den internationalen Fernverkehr spielen würde. Sowohl der Güterverkehr, als auch der Personenverkehr mit ICE/TGV könnten diese Trasse nutzen.
Auffallend sei die mit Abstand stärkste Zunahme an Reisenden in Richtung Paris aus dem Raum Stuttgart und München. Andersens Folgerung: Die Ost-West-Achse müsse stärker ausgebaut werden und dürfe sich nicht nur auf die Rheinbrücke bei Kehl konzentrieren.

Kreis-Dezernent Claus Haberecht eher skeptisch

Der Rastatter Landkreis-Dezernent Claus Haberecht sieht ein solches Vorhaben allerdings eher kritisch. Zunächst sei der Bau des Rastatter Tunnels auf eine solche Abzweigung in Richtung Wintersdorf gar nicht vorbereitet. Um vom Tunnelausgang bei Niederbühl in Richtung Rhein abzubiegen bräuchte man einen derart großen Bogen, „dass man vielleicht bei der Staustufe Iffezheim herauskäme“. Würde man die Züge andererseits auf der alten Bahnstrecke von Karlsruhe nach Rastatt fahren lassen, um sie von dort aus auf die bestehende Strecke nach Wintersdorf abbiegen zu lassen, gebe es große Probleme mit dem Lärmschutz. „Die Fernzüge müssten dann mitten durch ein Wohngebiet fahren, das würde man nicht durchbekommen“, so Haberecht.
Als Regionalstrecke mit nicht allzu dichtem Takt und vor allem nicht so hohen Geschwindigkeiten sei das gerade noch darstellbar, erklärt der Dezernent.