Künftiger Standort: Die Kirche St. Josef in Gaggenau hat große Chancen, trotz Veränderungen Sitz der Pfarrei zu werden.
Künftiger Standort: Die Kirche St. Josef in Gaggenau hat große Chancen, trotz Veränderungen Sitz der Pfarrei zu werden. | Foto: Kocher

Beschluss des Erzbistums

Künftig wohl weniger Pfarreien im Dekanat Rastatt

Anzeige

Künftig wird es gemäß Beschluss des Erzbistums Freiburg nur noch etwa 40 Pfarreien geben. Wie die Pfarreigrenzen aussehen werden, damit beschäftigen sich aktuell die Dekane der Region, der Dekanatsrat, die Dekanatskonferenz sowie der Priesterrat. Wie Pfarrer Josef Rösch, Leiter der Seelsorgeeinheit Gernsbach bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Kirchenentwicklung 2030“ am Mittwochabend im Marienhaus in Gernsbach betonte, liegen für das Dekanat Rastatt aktuell zwei Vorschläge für die künftigen Pfarreien auf dem Tisch.

Von unserem Mitarbeiter Joachim Kocher

So sieht der Vorschlag eins zwei Pfarreien vor. Eine im Bereich der Rheinschiene mit Rastatt zwischen Iffezheim und Durmersheim sowie eine weitere zwischen Kuppenheim und Forbach. Der Vorschlag zwei sieht im Bereich des jetzigen Dekanats Rastatt lediglich eine Pfarrei vor. Eine Entscheidung zu der Thematik soll durch Erzbischof Stephan Burger bis Ende 2020 erfolgen.

Lösung sieht nur eine oder zwei Pfarreien vor

Sofern sich der Erzbischof für zwei Pfarreien im Dekanat Rastatt aussprechen wird, so Pfarrer Josef Rösch, werde St. Josef Gaggenau wohl den Sitz der Pfarrei zwischen Kuppenheim und Forbach erhalten. Aber auch wenn es nur eine Pfarrei im jetzigen Dekanat gibt, habe Gaggenau durchaus Chancen hierbei den Standort der Pfarrei zu stellen.

Als Grund hierfür nannte Pfarrer Rösch, der auch Dekan des Dekanats Rastatt ist, die gute Lage der kirchlichen Einrichtungen sowie die verkehrliche Anbindung. Pfarrer Josef Rösch betonte, dass alle Pfarrgemeinderäte aufgefordert seien Argumente zu der Thematik zu sammeln, die dann in die Entscheidung des Erzbischofs einbezogen würden.

Radikale Einschnitte

Pfarrer Josef Rösch zitierte zu Beginn der Versammlung Erzbischof Stephan Burger, der in einem Vorwort zu „Pastoral 2030“ auf die Gründe, die zu den geplanten Einschnitten führen werden, einging. Ein Blick auf die Entwicklungen, die auf die Erzdiözese zukommen mache deutlich, dass es weder ein „Weiter so“ geben kann noch, dass es genügt, „an einigen Stellschrauben zu drehen“.

Die Erzdiözese stehe vor Richtungsentscheidungen, die eine echte Auseinandersetzung, ein Abwägen zwischen konträren Lösungsmöglichkeiten sowie die Bereitschaft zu radikalen Einschnitten erfordern.

Zahl der Katholiken verringert sich weiter

Rösch betonte auch, dass die Zahl der Katholiken von 2006 bis 2017 von über zwei Millionen auf 1,87 Millionen zurückgegangen sei. Die Seelsorgeeinheit Gernsbach habe aktuell noch 6 500 Gläubige. Dreimal so viel verliere das Erzbistum Freiburg jährlich.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher sei noch deutlicher zurückgegangen. Die Kirche, so Pfarrer Rösch, spreche heute hauptsächlich noch Ältere an: „Die Volkskirche ist am Ende beziehungsweise prägt das Leben nicht mehr“.

Personal fehlt

Auch die Veränderung am Personal war ein Thema. Der Nachwuchs an Priestern ist seit Jahrzehnten niedrig, viele scheitern an Überforderung und Zölibat. Viele Mitarbeiter verliere die katholische Kirche zudem in die Schweiz. Hier könne die Leitung der Gemeinden durch hauptamtliche Laien übernommen werden. In Deutschland sei dies kaum möglich, Bischof Stephan Burger lehnt dies ab.

Rösch betonte auch, dass 75 Prozent des Kirchensteueraufkommens von 14 Prozent der Mitglieder aufgebracht werde. Die meisten davon sind in einem Jahrzehnt im Ruhestand, sagte der Ortsgeistliche. Viele der unter 50-jährigen, die gut verdienen, sind aus der Kirche ausgetreten.

Es wird Gemeinden geben, in denen kein katholisches Leben mehr stattfindet.

Weitere Themen der Veranstaltung waren die künftige Leitung der Pfarreien sowie das Gemeindeleben, das sich künftig nach Aussage von Rösch deutlich verändern wird. So werde es künftig keine flächendeckende Versorgung mehr geben. „Es wird Gemeinden geben, in denen kein katholisches Leben mehr stattfindet“. Deutlich wurde während der Diskussion auch, dass künftig Laien und somit Ehrenamtliche noch mehr gefordert sind. „Wir haben heute schon zu wenig Leute“, war jedoch von einem Gemeindemitglied zu hören.