Vorbildlich: Die Schüler an dieser Schule haben ihre Stühle nach dem Unterricht im Klassenzimmer hochgestellt. Das macht die Arbeit für die Reinigungskräfte leichter, betont Elisabeth Schönwiese. Sie ist gelernte Meisterin der Gebäudereinigung sowie als Sachverständige und Gutachterin tätig – auch in der Region.
Vorbildlich: Die Schüler an dieser Schule haben ihre Stühle nach dem Unterricht im Klassenzimmer hochgestellt. Das macht die Arbeit für die Reinigungskräfte leichter, betont Elisabeth Schönwiese. Sie ist gelernte Meisterin der Gebäudereinigung sowie als Sachverständige und Gutachterin tätig – auch in der Region. | Foto: Kamleitner

Reinigung von Gebäuden

Ohne die Putzfee geht es nicht

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In Schulen, Büros oder Bädern scheint es sie noch zu geben: Feen. Genauer gesagt: Putzfeen. Mit Fabelwesen haben diese Figuren aber nichts zu tun. Sie existieren leibhaftig, doch Schüler, Angestellte oder Badbesucher bekommen sie nie oder nur selten zu sehen, dafür aber das Ergebnis ihrer Arbeit. Die „Meister Propper“ erfüllen ihre Aufgabe zu einer Zeit, wenn der Unterricht beendet, die Arbeit verrichtet oder das Bad geschlossen ist. Wenn alles so sauber ist, dass man sich darin spiegeln kann, ist ihr Auftrag erfüllt – und keiner oder kaum einer spricht darüber. „Die Putzfee wird meistens nur bemerkt, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Elisabeth Schönwiese.

Die Pforzheimerin weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur gelernte Meisterin der Gebäudereinigung, sondern auch von der Handwerkskammer Karlsruhe bestellte Sachverständige für Fragen rund ums Reinemachen etwa in Schulen oder Behörden – auch in der Region. In vielen Kommunen und beim Landkreis Rastatt ist sie ein bekanntes Gesicht und Ansprechpartnerin, wenn es um die Ausschreibungen oder die Optimierung von Reinigungsleistungen in öffentlichen Gebäuden geht.

Wenig Wertschätzung

Was sie aus der Sicht der Reinigungskräfte bisweilen vermisst, ist die Wertschätzung für deren Arbeit. „Die erbringen eine wichtige Leistung, die für das Wohlbefinden derer sorgt, die die Räume nutzen.“ Will heißen: Wenn alle Beteiligten wie Schüler oder Mitarbeiter etwas mithelfen, haben es die Reinigungstrupps leichter.

10.000 Stühle an 184 Schultagen

Ein beliebtes Beispiel von Schönwiese kommt aus dem Schulalltag:Wenn eine Reinigungskraft pro Schicht zehn Klassenräume säubert und in jedem fünf Schüler ihren Stuhl nicht auf den Tisch stellen, muss die Putzfee in einem Jahr bei durchschnittlich 184 Schultagen fast 10.000 Stühle hochstellen, genau sind es 9 250. Dass das keine Freude aufkommen lässt, liegt auf der Hand. Ähnlich ist die Ausgangslage im Büro, wenn auf dem Boden, der gewischt oder gesaugt werden soll, unzählige Blumentöpfe stehen oder sonstige Gegenstände mehr oder weniger wild deponiert sind.

Es gibt weniger Kabelsalat.

In den Büros hat sich laut der Reinigungsexpertin eines auf jeden Fall gebessert: „Es gibt weniger Kabelsalat“, freut sich Schönwiese. Frühere Zustände diesbezüglich beschreibt sie in einem Wort: „Grauselig!“

Eine DIN für Reinigung

Was eine Reinigungstruppe in einer Schule zu putzen hat, ist nicht dem Zufall überlassen. Die Mindestanforderungen gibt – das überrascht in Deutschland nicht – eine DIN vor: 77 400. Sie umfasst fasst 50 Seiten. Umfangreich und gefüllt mit vielen Zahlen und Berechnungen sind zudem die Ausschreibungen für Reinigungsleistungen in öffentlichen Gebäuden. Natürlich ebenfalls klar geregelt: in der „Unterlage für Ausschreibung und Bewertung“ (UfAB III). Was wann und wie gereinigt werden soll, ist pro Gebäude in einem Raumbuch und in Reinigungsplänen festgehalten. „Das günstigste Angebot muss nicht das wirtschaftlichste sein“, betont Schönwiese in diesem Zusammenhang.

Sanierungsstau an Schulen

Deshalb lohne sich für Auftraggeber eine differenzierte Betrachtung etwa bei möglichen Folgekosten oder bei der Verwendung von Dosiersystemen für Reinigungsmittel. Dass Firmen die Putzaktionen um bis zu 30 Prozent günstiger erbringen können als eigene Putztrupps der Kommunen, ist für sie unbestritten. Das habe viele Gründe. Etwa die zentrale Warenbeschaffung oder der leichtere Ersatz für Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen aufgrund größerer Personalressourcen in den Unternehmen. An vielen Schulen sieht Schönwiese übrigens vor allem im Sanitärbereich einen Sanierungsstau. Das schlage sich in den Reinigungsanforderungen nieder: So sei etwa neuere und spülrandlose WC-Keramik leichter sauber zu halten als deren Vorläufer.

Sauber soll es sein: Reinigungskräfte erbringen eine wichtige Dienstleistung.
Sauber soll es sein: Reinigungskräfte erbringen eine wichtige Dienstleistung. | Foto: Bernd Kamleitner

Schon der Verzicht auf Kreide oder zumindest die Verwendung so genannter Champagnerkreide, die weniger Staub hinterlässt, führe zu Einspareffekten. Eine digitale Tafel (Wideboard), die die Herkömmliche ersetzt, würde Kreide ganz überflüssig machen – und damit das Handwaschbecken im Klassenzimmer. Ein Stadt wie Ettlingen könnte dadurch nur bei der Waschbeckenreinigung an Schulen jährlich rund 15 000 Euro einsparen. Apropos Sanierungsstau: „Wenn Sachen an Schulen in Ordnung sind, wird weniger kaputt gemacht“, hat Schönwiese beobachtet. Das beschreibt auch die „Zerbrochene-Fenster-Theorie“ (Broken-Windows-Effekt). Sie besagt, dass Beschädigtes schnell repariert werden sollte, um weiterer Zerstörung vorzubeugen.

Reinigungsalltag an Schulen

Zurück zum Reinigungsalltag an Schulen: Schönwiese stellt fest, dass das Müllaufkommen nicht zuletzt wegen leidiger Lebensmittelverpackungen zugenommen hat. Ein Thema, das in vielen Haushalten ebenfalls ein Problem darstellt. Dort, wo etwa über den Klassendienst klare Regeln getroffen und Reinigungspläne transparent nachvollziehbar sind, seien Schulräume sauberer. Weniger gut funktioniere das an weiterführenden Schulen, wenn Klassen Räume wechseln müssten.