Hilfe in der Not bietet der DRK-Rettungsdienst – hier ein Bild von der Fahrzeughalle in Rastatt. Zuletzt konnten aber nicht alle Schichten besetzt werden.
Hilfe in der Not bietet der DRK-Rettungsdienst – hier ein Bild von der Fahrzeughalle in Rastatt. Zuletzt konnten aber nicht alle Schichten besetzt werden. | Foto: Archiv/Huse

Landkreis Rastatt

Personalengpass bremst Rettungsdienst

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Der Personalmangel im Rettungsdienst spitzt sich zu. Nach Informationen der BNN sind im Landkreis Rastatt zuletzt mehrere Rettungswagen ausgefallen, da keine Mitarbeiter zur Verfügung standen. Davon betroffen waren unter anderem die Wachen in Rastatt, Gernsbach und Forbach.

Der DRK-Kreisverband räumt die Probleme ein und nimmt die Politik in die Pflicht. Auch nach der Eingliederung des Rettungsdienstes unter das Dach des Kreisverbandes Bühl-Achern rechnet Geschäftsführer Felix Brenneisen vorerst nicht mit einer Entspannung. Eine Kooperation mit anderen Anbietern ist im Gespräch.

14 unbesetzte Rettungswagen

Nach Aussage eines DRK-Mitarbeiters konnten allein im Zeitraum zwischen dem 1. und 24. November insgesamt 14 Rettungswagen nicht besetzt werden. So kam es etwa in Rastatt, Gernsbach und Forbach zu Ausfällen. Dabei handele es sich um ein landesweites Problem, betont Brenneisen: „In ganz Baden-Württemberg leiden Hilfsorganisationen aktuell unter einem Personalengpass.“

Längere Ausbildungszeit

Ursächlich sei die Einführung des neuen Berufsbildes des Notfallsanitäters, das 2014 den Rettungsassistenten abgelöst habe. Die Ausbildungszeit habe sich dadurch von zwei auf drei Jahre verlängert. „Da von der Politik keine Übergangsfristen eingeplant wurden, hat es 2015 und 2016 zwei Jahrgänge gegeben, in denen keine neuen Auszubildenden auf den Arbeitsmarkt gekommen sind“, kritisiert Brenneisen. Auch Mitbewerber wie ASB und Malteser litten seither unter der dünnen Personaldecke.

Wir werden Personalengpass sukzessive schließen können.

Der Kreisverband Bühl-Achern, in den der Rettungsdienst des Landkreises Rastatt zum 1. Januar aufgehen soll (wir berichteten), bildet gegenwärtig 25 Notfallsanitäter aus. „Deshalb werden wir den Personalengpass sukzessive wieder schließen können“, erklärt Brenneisen, derzeit Geschäftsführer beider DRK-Kreisverbände. Durch die verlängerte Ausbildung werde sich die Situation kurzfristig indes nicht entspannen. Hoffnung mache ihm das „große Interesse an Ausbildungsplätzen“, so Brenneisen.

Versorgung ist sichergestellt

Durch die Übertragung des Rastatter Rettungsdienstes auf den Kreisverband Bühl-Achern stelle sich das DRK für die Zukunft neu auf. Mit insgesamt Rettungswachen und mehr als 300 Mitarbeitern im Rettungsdienst sei man „jederzeit in der Lage, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.“ Nach Auskunft von Brenneisen sieht die Personalplanung für jede Schicht einen Springedienst und Ausfallreserven vor. „Damit ist eine sehr hohe Planungssicherheit gegeben“, betont er. Im laufenden Jahr habe man bislang 99,8 Prozent aller Rettungsmittel besetzen können.

Vorbereitet auf Ausfälle

Dennoch könne es im Einzelfall passieren, etwa bei geballten Krankmeldungen wie im November, dass sowohl die eigentliche Besatzung als auch ein Springer ausfielen. Für Brenneisen kein Grund zur Panik: „Durch die hohe Dichter der Rettungswachen in der Region Mittelbaden ist auch in einem solchen Fall die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet.“

Arbeitszeit und Vergütung attraktiver gestalten.

Eine Kooperation mit anderen Anbietern sei grundsätzlich eine Option, erklärt Brenneisen. Der Personalengpass würde dadurch allerdings nicht behoben, schließlich betreffe er die gesamte Branche. Zuletzt hatte Yves Dinger von der Medie-Ambulanz mit Sitz in Sasbach (Ortenaukreis) eine Zusammenarbeit mit dem Platzhirsch DRK ins Gespräch gebracht. Brenneisen sieht unterdessen die Politik in der Verantwortung, bessere Rahmenbedingungen für den Rettungsdienst zu schaffen, der insbesondere im ländlichen Raum kostspielig sei. Das Ziel müsse es deshalb sein, Arbeitszeit und Vergütung attraktiver zu gestalten.

Eingliederung des Rettungsdienst

Um die Rotkreuzarbeit auf einen finanziell breitere Basis zu stellen, hatten die Kreisverbände in Rastatt und Bühl eine Fusion angestrebt, die indes im Sommer am Votum der Rastatter Delegierten gescheitert war. Durch die Eingliederung des hiesigen Rettungsdienstes in den Kreisverband Bühl-Achern wollen die Verantwortlichen den Rastatter Verband lebensfähig halten. Er ist derzeit für das Gebiet von Durmersheim über Rastatt bis ins Murgtal zuständig.

Brenneisen übernimmt Führung

Organisiert wird der Übergang noch von Felix Brenneisen, der bei einer geglückten Fusion Geschäftsführer des neuen Kreisverbands geworden wäre. Für die Zeit danach braucht der Kreisverband Rastatt einen neuen Geschäftsführer: Michael Haug war Mitte des Jahres in den Ortenaukreis gewechselt und Brenneisen übernimmt zum neuen Jahr die alleinige Führung des Bühler Kreisverbands.

Finanzielle Last

Der Rettungsdienst in Rastatt ist eine große finanzielle Last für den Kreisverband: Seit Jahren ist er defizitär und macht gleichzeitig 80 Prozent des Jahresumsatzes aus. Da der Kreisverband Bühl-Achern breiter aufgestellt sei, erklärt Brenneisen, könnten Schwankungen dort besser ausgeglichen werden.

Kommentar
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Helfer in Not

Es ist das Horrorszenario für Menschen in Not: Das bange Warten auf den Rettungswagen, während die Zeit unerbittlich verstreicht. In Mittelbaden, betont DRK-Geschäftsführer Felix Brenneisen, sei die Notfallversorgung auch dann gesichert, wenn, wie zuletzt, mehrere Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen. Dennoch lässt das Klagen der Hilfsverbände aufhorchen.

Schichten nicht ohne Grund

Obschon das Interesse an Ausbildungsplätzen offenbar größer ist als in anderen Berufen, sollte der Personalengpass nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn sicher ist jede unbesetzte Schicht nicht grundlos eingeführt worden, sondern weil sie notwendig ist, um die Menschen angemessen zu versorgen. Bei der Umstellung des Berufsbildes vom Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter hat die Politik eine längere Ausbildungszeit ohne Übergangsfristen eingeführt – und damit den nötigen Weitblick vermissen lassen.

Attraktivität steigern

Zwar ist damit zu rechnen, dass sich die Personallage wieder etwas entspannt; dennoch sollten sich alle Akteure Gedanken darüber machen, wie man den Beruf des Notfallsanitäters attraktiver gestalten kann. Dabei geht es um die Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen, Arbeitszeiten und letztlich um das Gehalt. Einsatzkräfte, die sich für die Rettung anderer engagieren, verdienen sich tagtäglich die Wertschätzung der Gesellschaft.