An der Schiffsanlegestelle in Rastatt-Plittersdorf ging es los.
An der Schiffsanlegestelle in Rastatt-Plittersdorf ging es los. | Foto: Nestler (Symbolbild)

Betrugsprozess in Rastatt

Rheinfahrt wird zum Reinfall

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Von Franz Mors

Sind bei einer Kaffeefahrt alte Menschen abgezockt worden? Das Rastatter Schöffengericht hörte sich beim zweiten Verhandlungstag mehrere Berichte von Betroffenen an. Im Fokus stehen drei mutmaßliche Täter.

Anwälte kamen erneut zu spät

Abermals verzögerte sich der Prozessbeginn durch die verspätete Ankunft von zwei Verteidigern deutlich. Als der Staatsanwalt wollte, dass dies von der Protokollführerin notiert wird, entspann sich ein kurzer Disput hierüber mit einem der Rechtsanwälte, die Vorsitzende Richterin war am Ende als Schlichterin gefordert.
Ein großes Hindernis bei der Rechtsprechung stellt immer wieder die lange Zeitdauer zwischen Tatgeschehen, Ermittlungen und den folgenden Hauptverhandlungen dar. Schon junge Menschen haben in dieser Situation im Zeugenstand Schwierigkeiten, Fragen über Vorgänge zu beantworten, die schon geraume Zeit zurückliegen. Wesentlich auffälliger und ausgeprägter ist dies, wenn ein Großteil der Zeugen, wie hier im Kaffeefahrten-Prozess, schon über 80 Jahre alt ist.

Erinnerungslücken bei betroffenen Senioren

So auch jetzt, als betagte Rentner sich an Erlebtes von vor zwei Jahren erinnern sollten. Da ließ sie das Gedächtnis im Stich, fielen Erinnerungslücken und Widersprüche auf. Unsicherheiten und Ratlosigkeit auch bei der Frage, ob sie die Männer auf der Anklagebank wiedererkennen. Alles wichtige Gesichtspunkte, wenn es um die Glaubwürdigkeit von Zeugen und die Verurteilung von Angeklagten geht.

Demenzmittel statt Ausflug

Eine 83-Jährige schilderte, wie eine Rheinfahrt versprochen, aber nicht eingehalten wurde. Dafür wären Artikel angeboten worden, vorbeugend gegen Demenzerkrankung. Für die angebotene Fahrten sei eine Anzahlung verlangt und dann weitere Nachzahlung gefordert worden. Dem Sohn sei dann alles suspekt erschienen und man habe keine weitere Zuzahlungen geleistet. Bei Recherchen im Internet habe dieser dann festgestellt, dass es den angeblichen Reiseveranstalter in Holland gar nicht gibt und diesbezüglich im Netz viele Warnungen anderer Betroffener kursierten.

Vermeintliche Schnäppchen für 7.000 Euro

Ein Ehepaar hatte sich bei Verkaufsveranstaltungen von den vermeintlichen lukrativen Angeboten überzeugen lassen und Bestellungen für 2.800 Euro in Auftrag gegeben. Als diese Waren später geliefert wurde, habe man weitere vermeintliche Schnäppchen geordert und insgesamt 7.000 Euro bezahlt.
Das Verfahren wird am Mittwoch, 27. Juni, mit vier weiteren Zeugen um 10.30 Uhr fortgesetzt. Alle Prozessbeteiligten zeigten sich überzeugt, dass dann plädiert werden kann und das Urteil zu erwarten ist.