Endstation Rastatt, aussteigen und umsteigen – so hieß es für Reisende und Pendler nach dem desaströsen Einbruch auf der Tunnelbaustelle der Bahn. Einige Monatskarteninhaber sind enttäuscht von den Geldrückzahlungen.
Endstation Rastatt, aussteigen und umsteigen – so hieß es für Reisende und Pendler nach dem desaströsen Einbruch auf der Tunnelbaustelle der Bahn. Einige Monatskarteninhaber sind enttäuscht von den Geldrückzahlungen. | Foto: Collet

Rechnung des KVV irritiert

Rheintalbahn-Sperrung: Pendler verärgert über Entschädigung

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Auch wenn die Züge wieder rollen und die Rastatter Tunneleinbruchstelle stabilisiert ist: An den Nerven mancher Pendler zerrt das Desaster auf der Bahnbaustelle immer noch. Sie mussten lange Umwege in Kauf nehmen oder gleich aufs Auto umsteigen – aber die erhoffte Entschädigung? Die ist in einigen Fällen ernüchternd klein ausgefallen.

„Ich bekomme für meine Monatskarte, die fast 170 Euro gekostet hat und die ich fast zwei Wochen nicht nutzen konnte, rund acht Euro zurück“, berichtet ein frustrierter Pendler.

Er hatte mit dem Zehnfachen, mit rund 80 Euro gerechnet. „Versprochen waren ja mal 50 Prozent des Ticketpreises“, meint der berufstätige junge Mann, der seine Monatsfahrkarte beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) erworben hatte und sich an solch eine öffentliche Ankündigung erinnerte. Doch die Tücke liegt da im Detail.

Viele Pendler mussten Umwege in Kauf nehmen

Der Mann gehört zu rund 2.200 KVV-Kunden, die bisher eine Entschädigung wegen der Tunnel-Panne beantragt haben. Aus dem Raum Bruchsal pendelt er mit der Stadtbahn zur Arbeit in Bühl. Normalerweise bin ich pro Weg eine Stunde und 20 Minuten unterwegs“, erklärt er, „durch die Sperrung der Bahnstrecke hätte ich mit den Ersatzbussen etwa zwei Stunden und 20 Minuten einplanen müssen.“

Entschieden zu viel, meinte er. Während der Sperrung der Rheintalbahn vom 12. August bis 3. Oktober fuhr er also wieder mit dem Auto – und beantragte für sein „angebrochenes“ Monatsticket eine Entschädigung. Die Rechnung, die ihm der KVV dann aufmachte, hat ihn verblüfft: „Vom 24. Juli bis 11. August konnte die Karte benutzt werden“, heißt es im Schreiben vom Kundenservice. „Pro gefahrenem Tag werden fünf Prozent abgezogen“.

Bei dem Monatsticket für 166,50 Euro betrage dieser fünfprozentige Tagesabzugspreis je 8,33 Euro. Bei 19 genutzten Tagen ergebe sich daraus ein Abzugsbetrag von 158,27, Euro. Somit bleibe ein Restbetrag von 8,23 Euro – den werde der KVV „sofort“ überweisen, so endet das Kundenschreiben. Wie kommt es nun zu der niedrigen Rückzahlung? Die Antwort gibt das Kleingedruckte.

Bei Entschädigung zählt das Detail

Denn erstens: Das Versprechen, dass die Hälfte der Ticketpreise zurückgezahlt wird, gilt nur für Abo-Kunden. Darauf hatten auch die BNN hingewiesen, als die Deutsche Bahn und der KVV im Spätsommer die Kulanzregelung ankündigten. Als Abo-Tickets gelten Scool Card, Jahreskarten und die Karte ab 65. Bei einzelnen Monatstickets greift ein anderes Rechenmodell – und führt zu sehr unterschiedlichen Entschädigungsquoten.

Zweitens: Schadenersatz wird generell nur für jene Tage gewährt, an denen die Bahnen nicht wie gewohnt genutzt werden konnten. Für jeden Tag mit normalem Bahnverkehr wird ein Tagessatz abgezogen. Der Normalverbraucher geht davon aus, dass dann bei einer Monatskarte etwa ein Dreißigstel pro Tag angerechnet wird. Aber: Nur bei Abo-Karten wird ein Dreißigstel pro Tag zugrunde gelegt und vom Monatspreis abgezogen – auf den Restbetrag gibt es dann die besagten 50 Prozent zurück.

Bei einzelnen Monatskarten allerdings wird in Zwanzigsteln gerechnet: Im KVV-Gemeinschaftstarif (Seite 14) ist ein fünfprozentiger Abzug pro Nutzungstag festgeschrieben – und den Restwert der relativ teuren Monatskarte gibt es sogar komplett zurück. Von daher ist der Abzugsbetrag von 158,27 Euro bei dem frustrierten Bühl-Pendler nachvollziehbar. „Verschaukelt“ fühlt er sich trotzdem: „Wer lernt schon x-seitige Tarifbestimmungen auswendig?“, fragt er rhetorisch. „Dass so viele Einschränkungen gelten, bekommt doch kein normaler Kunde mit.“

Wahl zwischen zwei Entschädigungsarten

Pech für den Pendler: Hätte er seine Karte beispielsweise nur zwei Tage nutzen können, dann hätte er von den 166,50 Euro genau 149,84 Euro zurück erhalten. Besser wäre er auch gefahren, wenn er die normale Verspätungspauschale für seine elf Ausfalltage beantragt hätte: 1,50 Euro gibt es da pro Einzelfahrt. Der Kunde kann zwischen beiden Entschädigungsoptionen wählen.

Dass mancher Laie da irritiert ist und nachfragen muss, erleben die Kundenberater. Ein KVV-Sprecher betont im BNN-Gespräch jedoch, es handle sich bei den Rückzahlungen ohnehin „um eine Kulanzregelung seitens des KVV, der kein Verschulden an der mehrwöchigen Streckensperrung hatte“. Das heißt: Es gibt keinen Rechtsanspruch. Die Deutsche Bahn übernimmt die Kosten.

Zugleich macht der KVV-Sprecher darauf aufmerksam, dass auch nicht alle Abo-Kunden mit einer exakt 50-prozentigen Rückerstattung für die Sperrungstage rechnen können: „Hier kommt es darauf an, ob ein Kunde bereits sein Abo gekündigt hat, oder die Karte mit Zuschuss läuft.“ Ganz leer gehen andere enttäuschte Pendler aus: Sie hatten die Monatskarte erst gekauft, als die Bahnstrecke bei Rastatt schon dicht war – aber unklar war, wie lange die Sperrung dauern würde. Da sei definitiv „nichts zu machen“, heißt es beim KVV.