Über 100 Helfer sind in den Rheinauen mit der Schnakenbekämpfung beschäftigt.
Über 100 Helfer sind in den Rheinauen mit der Schnakenbekämpfung beschäftigt. | Foto: Collet

Kabs-Präsident aus Au am Rhein

Rihm sieht keine Schnakenplage

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Es war eine Situation, die es so bei der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) noch nicht gab. Innerhalb kürzester Zeit waren beide Hubschrauber, die für die Bekämpfung der Schnaken aus der Luft erforderlich sind ausgefallen. Einer stürzte bei einem Landeanflug ab, ein anderer wurde durch einen Kabelbrand während eines Einsatzes in Philippsburg außer Gefecht gesetzt.

Aufgeregte Reaktionen

Für die nachfolgenden mitunter äußerst aufgeregten Reaktionen zeigt Hartwig Rihm, seit Anfang dieses Jahres Präsident der Kabs, wenig Verständnis. „Wir haben nie von einer Plage oder einer Katastrophe gesprochen“, wie der ehemalige Rathauschef der Gemeinde Au am Rhein betont. Er spricht allenfalls von einer höheren Belästigung durch die kleinen Plagegeister. Freilich zieht Rihm aus der entstandenen Hysterie und den mitunter hitzig geführten Diskussionen Konsequenzen. „Wir müssen in der Kommunikation etwas vorsichtiger werden und den Ball flach halten.“

Drei Hubschrauber

Der Präsident räumt in diesem Zusammenhang ein, „dass wir auch lernfähig sind.“
Außerdem müsse darüber nachgedacht werden, künftig auch einen dritten Hubschrauber noch bereitzuhalten. „Es geht darum, die Redundanz und Sicherheit zu erhöhen“, sagt Rihm im Blick auf die Bekämpfungswellen zwischen März und Ende April sowie von Mai bis zum frühen Spätjahr. Freilich sei dies auch mit höheren Kosten verbunden, was sich dann auch auf die Beiträge der Mitglieder auswirken könne, wie Rihm zu bedenken gibt.

Kaum mehr Tigermücken

Ein Hubschraubereinsatz sei nach den erfolgten Reparaturarbeiten bei der nächsten Hochwasserwelle wieder möglich. Zudem gebe es Überlegungen, den Kübel, mit dem der biologische Wirkstoff BTI aus der Luft verteilt wird, so umzurüsten, dass er auch in anderen Hubschraubern installiert werden könnte. Rihm stellt im Übrigen auch klar, dass die Tigermücke, deren Zunahme durch die verminderten Bekämpfungsaktionen aus der Luft in vereinzelten Stellungnahmen befürchtet worden war, nicht am Rhein zu finden sei. Von bösartigen Unterstellungen spricht Rihm im Zusammenhang mit Studien, die Beeinträchtigungen von Kaulquappen durch den BTI-Einsatz vermuten: „Das ist ein Fake“. Er verweist auf die strengen Auflagen und räumlich genau abgegrenzten Bereiche, in denen die Genehmigung für die Schnakenbekämpfung mit Hubschraubern und dem entsprechenden Equipment erteilt wird.

Über 100 Helfer um Einsatz

Insgesamt über 100 Helfer seien nach dem Ausfall der Hubschrauber in den vergangenen Wochen zu Fuß unterwegs gewesen, um die Bekämpfung bestmöglichst zu gewährleisten. Dass ein Aufenthalt im Freien für Anwohner entlang des Rheins derzeit gleichwohl kein reines Vergnügen ist, weiß Rihm: „Gerade Kinder werden noch öfter gestochen als Erwachsene, weil ihr CO2-Ausstoß höher ist.“ Indessen erinnert sich der Kabs-Präsident an seine eigene Vergangenheit, genauer an das Jahr 1985, als sein Interesse an der Schnakenbekämpfung geweckt wurde: „Da gab es 200 Anflüge auf einem Arm innerhalb von zwei Minuten“. Der leidenschaftliche Fußballer denkt zudem an die Zeit zurück, als in den Abendstunden nur mit langärmeligem Trikot und Mütze trainiert werden konnte, um den unliebsamen Stichen zu entgehen.

Immer gehen – nie stehen

Zugleich sei es ratsam gewesen, sich entsprechend zu bewegen: „Wenn man schneller als sieben Stundenkilometer läuft, wird man von den Schnaken nicht erwischt.“ Rihm betont ferner, dass der Einsatz der Schnakenbekämpfer auch hohen wirtschaftlichen Nutzen für Gasthäuser und Biergärten in der Nähe des Rheins besitze. Dass die Schnaken im Laufe der Jahre an Widerstandskraft gewonnen haben, glaubt Rihm nicht: „Es gibt 35 verschiedene Schnakenarten und sie haben einen phänomenalen Überlebensmechanismus. Wir wollen sie auch gar nicht ausrotten“, versichert Rihm. Nur sollten sie so weit reduziert werden, dass die Lebensqualität der Menschen am Oberrhein erhalten bleibe.