Ein Mädchen sammelt Pilze
Wer ein echter Pilzexperte werden will, sollte sich erst intensiv mit einer Art auskennen, bevor er die nächste sammelt. In Zweifelsfällen gibt es Sachverständige, die weiterhelfen. | Foto: Pleul dpa/lbn

Pilzberatungen sind gefragt

Röhrlinge eignen sich gut zum Pilze sammeln

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Pilze sammeln ist das ganze Jahr über möglich, doch gerade im Spätsommer und Herbst zieht es viele Menschen in die Wälder. Gut, wenn eifrige Pilzsammler anschließend mit den gesammelten Exemplaren zu einem kompetenten Fachmann gehen können, der aufpasst, dass sich kein giftiger Pilz in das Körbchen geschlichen hat.

Als Pilzberater ist viel Erfahrung ist notwendig

Reinhold Schneider aus Gaggenau ist als geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) einer dieser Experten. Nachdem er schon als Kind mit seinem Vater Pilze gesammelt hat, beschäftigt er sich nun seit 20 Jahren intensiv mit Pilzen. Eine lange Zeit, trotzdem ist es selbst für ihn manchmal schwierig, einen Pilz genau zu bestimmen. Denn er ist mittlerweile nicht mehr unterwegs, um Pilze für den Kochtopf zu sammeln.

Pilzbestimmung mit dem Mikroskop

Vielmehr reizt ihn die Bestimmung einer Art. So sucht er zum Beispiel gezielt nach Schleierlingen, eine Gattung mit etwa 500 verschiedenen Arten. Bei einer derartigen Menge ist es klar, dass eine Bestimmung sehr aufwändig ist. Schneider fotografiert, recherchiert und mikroskopiert, um schlussendlich den jeweiligen Pilz richtig bestimmen zu können. Das, was man gemeinhin als Pilz bezeichnet, stellt dabei nur den Fruchtkörper eines oft riesigen Pilzgeflechts, Myzel genannt, unter der Bodenoberfläche dar.

Nur bekannte Pilze landen auf dem Teller

Auch Dietmar Blaß aus Rastatt, ebenfalls Pilzsachverständiger der DGfM, bestimmt gerne neue Pilzarten. Dazu rät er seinen Kunden ebenfalls. Wenn man sich mit einer Pilzart bereits gut auskenne, könne man sich langsam auf eine neue spezialisieren. Wichtig dabei sei, einen Pilz erst kennenzulernen und sich intensiv mit ihm auseinanderzusetzen, bevor er auf dem Teller landet.

Für Neulinge im Pilz-Business eignen sich laut Schneider vor allem Röhrlinge. Pilzfruchtkörper dieser Art haben an ihrer Hutunterseite keine Lamellen sondern einen Schwamm. Zwar gibt es auch unter den Röhrlingen giftige Exemplare, allerdings verursachen sie lediglich Magen- und Darmkrämpfe und sind nicht tödlich, erklärt Schneider.

Garen vor dem Essen ist wichtig

Denn Pilze essen kann mitunter gefährlich sein, wenn man sich nicht perfekt auskennt. Erst kürzlich wurde Blaß bei einer Vergiftung zu Rate gezogen. Der Patient hatte einen eigentlich bekömmlichen Pilz roh verspeist. Dieser Fall ging glimpflich aus, Blaß rät aber generell dazu, Pilze zu garen.

Das ist nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch aus Geschmacksgründen von Vorteil. Blaß schwärmt beispielsweise vom Riesenschirmling, der angebraten in der Pfanne ganz hervorragend schmecken soll. Für ihn sind Speisepilze als Naturprodukte eine einzigartige Möglichkeit, am Kreislauf der Natur teilzunehmen.

Plastiktüten sind nicht gut

Allerdings muss das richtige Ernten beachtet werden. Die Fruchtkörper dreht man am besten vorsichtig aus der Erde. Vor allem bei größeren Pilzen entsteht dadurch eine Mulde, diese sollte man wieder mit Erde abdecken, um den Pilz zu schützen. Das Abschneiden des Pilzstiels ist doppelt schlecht, sagt Blaß. Zum einen könnte die Stelle faulen, zum anderen hätte der Pilzberater Schwierigkeiten, einen unvollständigen Pilz richtig bestimmen zu können. Nach der Ernte wird der Pilz in einen Korb gelegt, durch seinen hohen Eiweißanteil kann er laut Blaß in Plastiktüten verpackt schnell schlecht werden.

Für unbekannte Pilze, die zur Bestimmung mitgenommen werden, hat Blaß immer ein Stückchen Alufolie dabei, um sie von den Speisepilzen abzutrennen. Dabei ist zu beachten, dass manche Pilze unter Naturschutz stehen. In Naturschutzgebieten wie den Rheinauen ist das Pilze sammeln grundsätzlich verboten. Aber auch in anderen Gebieten darf der Wald nicht komplett leergeräubert werden – „Pilze sammeln ist in Baden-Württemberg nur für den Eigenbedarf erlaubt“, erläutert Blaß. Das entspreche etwa ein bis zwei Kilogramm pro Person.

Gute Bedingungen für Pilze

Durch gute Wetterbedingungen wie beispielsweise hohe Feuchtigkeit gibt es zurzeit viele Pilze. In diesem Jahr fragten bereits knapp 15 Sammler Pilzberater Schneider um Rat. Bei öffentlichen Beratungen in Karlsruhe kamen teilweise bis zu 40 Menschen. Allerdings seien dabei auch immer Menschen, die ohne Pilze kämen und lediglich wissen wollten, wo es denn die besten Steinpilze gebe. Darauf antworte er nur mit einem knappen „im Wald“. Schließlich könne er nicht einfach so die besten Sammelstellen verraten.

Als letzten Tipp weist Blaß darauf hin, dass junge Pilze am bekömmlichsten sind. Alte Pilze lässt man darum am besten links liegen. Sie umzutreten würde Blaß und Schneider gleichermaßen empören. „Ohne Pilze würde es keinen Wald geben“, macht Schneider klar. Zu sehr stehen die Bäume in Symbiose mit den Pilzen. Außerdem sind sie eine Wohltat für die Augen und eine Pilzwanderung somit die beste Art der Meditation, so Blaß.