Der renommierte Street-Art Künstler El Bocho aus Berlin verwandelte in den vergangenen Tagen die zur Bahnlinie hin gelegene Wand des Edeka-Marktes in Bietigheim zu einem Kunstwerk. | Foto: Maue

Bietigheim

Romantische Motive entlang der Bahnlinie

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Unliebsame Verunstaltungen durch Graffiti hatten in der Vergangenheit immer wieder zu Malerarbeiten beim Edeka-Markt in Bietigheim gezwungen. „Alle zwei Jahre streiche ich die Wand“, sagt Betreiber Jochen Fitterer. Nun kam die Patrizia Deutschland GmbH, die den Markt verwaltet, auf die Idee, gleichsam einen Profi zu engagieren, der obendrein ein äußerst renommierter Könner seiner Zunft ist. Er nennt sich El Bocho – seinen wahren Namen hütet er wie ein Geheimnis – und ist als Street-Art Künstler seit 25 Jahren in rund 40 Ländern aktiv.

„El Bocho“ verwandelt Wand in Kunstwerk

„Ich wusste zuerst gar nicht, wo Bietigheim liegt“, sagt der Wahl-Berliner, den die Größe der zur Bahnlinie hin gelegenen Wand von 260 Quadratmetern Fläche besonders inspiriert hat. „In Berlin sind solch große Wände kaum noch zu finden“, sagt er und verweist darauf, vorzugsweise weltweit für Galerien, „sogar auch ganz in der Nähe in Kandel“ zu arbeiten. Allerdings: „Ich bin auch nachts aktiv, sogar illegal, wenn ich Plakate im öffentlichen Raum platziere, der damit positiv bereichert wird“, gibt El Bocho einen ungeschminkten Einblick in seinen Tätigkeitsbereich. Und: Was ihm bei seinem Engagement in Bietigheim besonders gefällt ist, die Wand ganz und gar nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten zu können, ganz ohne Vorgaben.

Figuren sollen zum Nachdenken anregen

Klar, eine zwei Meter große Skizze habe er sich vorher schon zurechtgelegt, „aber davon ist nicht mehr viel übrig geblieben“, sagt El Bocho, der seit Samstag voriger Woche vor Ort ist und am heutigen Donnerstag seine Arbeit abschließen will. Und seine Idee? „Meine Figuren sind positiv, sie sollen zum Nachdenken anregen, etwas romantisch sein, etwas über die Liebe und den Lauf des Lebens aussagen und es sind auch gesellschaftskritische Themen“, sagt er, wobei zudem die Blickrichtungen seiner oft in jugendlichem Alter gehaltenen Figuren eine besondere Rolle spielen.

Foto: Maue

„Farbflash“ statt dezenter Töne

Vor Ort nun habe er auch neue Eingebungen erhalten und statt dezenter Töne in unmittelbarer Nachbarschaft zu den vorbeirauschenden Zügen einen „Farbflash“ bevorzugt.
Natürlich hegt er ebenso wie Jochen Fitterer die Hoffnung, dass sein imposantes Kunstwerk in der gedachten Form erhalten bleibt. „Es gibt einen Ehrenkodex gegenüber professionellen Sprayern“, setzt El Bocho auf die entsprechende Vernunft und den gebührenden Respekt. Dass er selbst schon beim illegalen Sprayen ertappt worden ist, verhehlt der gebürtige Frankfurter im Übrigen keineswegs.

Man schafft etwas, was für jeden verständlich sein sollte.

„El Bocho“ über die Kommunikation mittels Street-Art

„Ich kann gut mit der Polizei“, sagt der Mann („Ich musste noch nie einen Cent Strafe bezahlen“), der Grafik-Design studiert hat, und es gerne sehen würde, wenn Städte und Gemeinden mehr Wände zur Verfügung stellen würden, um den Graffiti-Freunden vielfach gewünschte legale Plattformen zu verschaffen. Derweil lässt El Bocho wissen, dass „auch Politiker, Richter und ein ehemaliger Bundespräsident eine Leinwand von mir zuhause haben“. Die Kommunikation mittels Street-Art umschreibt er so: „Man schafft etwas, was für jeden verständlich sein sollte.“ El Bocho weiß aber auch, dass es sich um „temporäre Installationen handelt“.

 

Von der Wand sollen Kunstdrucke und Postkarten entstehen

Durchaus von dauerhaftem Wert bleiben sollen allerdings die professionellen Kunstdrucke und Postkarten, die von der neu gestalteten Edeka-Wand angefertigt und verkauft werden sollen.
„Der Erlös geht an die Patrizia-Kinderhaus-Stiftung, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt“, wieJochen Fitterer betont.