Blühwiese statt kurzem Gras: Unter den Kastanien am Rastatter Schloss sollen Pflanzen zum Zuhause für zahlreiche Insekten werden.
Blühwiese statt kurzem Gras: Unter den Kastanien am Rastatter Schloss sollen Pflanzen zum Zuhause für zahlreiche Insekten werden. | Foto: Collet

Artenvielfalt in der Stadt

Schlosspark in Rastatt blüht für Bienen auf

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Makellose Rasenflächen, kurz gemäht, grün und ohne Unkraut umgeben die Schlösser in Rastatt. Dieses Bild soll jedoch bunten Wiesen, die Stille geschäftigem Brummen und Summen weichen. Peter Hauk, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, schlägt vor, Teile der Gärten in artenreiche Blühwiesen umzuwandeln: „Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit, und die Faszination der Bienen und wild lebende Insektenarten hat zurecht eine breite Öffentlichkeit erreicht.“

Der Vorschlag trifft bei vielen Beteiligten auf Unterstützung. Eine Antwort des Oberbürgermeisters von Rastatt sei etwa in Arbeit, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. In Teilen könne man sich die Änderung aber vorstellen.

Ästhetik und Umwelt

Rastatt biete enormes Potenziel, sagt Hauk. Mindestens 20 Prozent der Fläche solle in ökologisch hochwertige und optisch ansprechende Blühflächen umgewandelt werden, schlägt der Minister vor. So lasse sich die Ästhetik der Parkanlagen mit den Belangen der Umwelt in Einklang bringen. „Wir wollen vorhandene Strukturen so nutzen und gestalten, dass Insekten und Bienen davon profitieren“, erklärt Roland Walter, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Rastatt.

Es gibt zwar viele Blumen, die schön sind, aber nichts nutzen.

Er spricht dabei von einer einfachen und kostengünstigen Alternative. Die Idee sei es, Grünzüge in der Stadt so zu planen, dass es ein durchgängiges Netz an Lebensräumen für Insekten gibt, die diesen nützlich sind. „Es gibt zwar viele Blumen, die schön sind, aber nichts nutzen“, sagt er.

Blühwiesen auf privaten Anlagen

„Es muss nicht die ganze Wiese im Schlosspark sein, es reichen auch Randzonen.“ Dabei ließen sich neben den Schlössern etwa auch private Anlagen einbeziehen, vermutet Walter. „In Baden-Baden etwa verteilt die Stadt Blühmischungen, die für Insekten wichtige Pflanzen hervorbringen.“ So bekämen die Leute direkt den Hinweis, welche Pflanzen nützlicher sind. Den Vorschlag von Minister Hauk, Blühwiesen zu erschaffen, wolle man weiterverfolgen. Dieses Jahr wird das aber vermutlich nichts mehr werden, sagt Walter. „Bis alles geplant ist, ist die Saison vorbei.“ Im Frühjahr 2020 könnte Rastatt aber blühen.

Denkmalschutz im Vordergrund

„Wir bemühen uns seit Jahren darum, die Biodiversität in unseren Gärten zu verbessern und so das Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten zu verstärken“, betont Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Daher rennt Minister Hauk mit seiner Idee bei uns offene Türen ein.“ Dennoch stehe der Denkmalwert stets im Vordergrund. In der praktischen Umsetzung sei das aber kein Konflikt, so Hörrmann.

Parks werden geprüft

Baden-Württemberg verfügt über eine reiche Denkmallandschaft, zu welcher auch die Gärten und Parks der Schlösser gehören, erklärt das Regierungspräsidium Stuttgart. Bei jedem Kulturdenkmal bedarf es bei Veränderungen einer behördlichen Genehmigung. Dabei müsse jeder Fall einzeln geprüft werden.

Blühende Schlösser

Doch bereits im 17. und 19. Jahrhundert waren Blühwiesen integraler Bestandteil der Schlossgärten, betont Hörrmann. Der Garten des Residenzschlosses ist gerahmt von Kastanienalleen. Das darunter wachsende Efeu habe man entfernt, um künftig auf rund 3 000 Quadratmetern Blühwiesen einzusäen – ohne dass dies den Denkmalwert beeinträchtige. Das Vorhaben müsse man noch mit den Partnern, der Stadt Rastatt und dem Landesamt für Denkmalpflege, absprechen.