Christiane Feldmann fährt mit ihrem Ford Escort RS 2000 zum 43. Internationalen Oldtimer-Meeting nach Baden-Baden.
Christiane Feldmann fährt mit ihrem Ford Escort RS 2000 zum 43. Internationalen Oldtimer-Meeting nach Baden-Baden. | Foto: Bodamer

Oldtimer-Meeting

„Schneller Hundeknochen“: Rastatterin schwärmt für Ford Escort RS 2000

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Am 26. Juni ist das Autofahren kein Eisschlecken. An diesem Tag wird im brandenburgischen Coschen mit 38,6 Grad Celsius der deutsche Hitzerekord für diesen Monat geknackt. Auch in Rastatt steigen die Temperaturen auf über 30 Grad. Am Himmel fliegt nicht eine Wolke vorbei.

Fahrer von Autos ohne Klimaanlage können nach längerer Standzeit das erhitzte Lenkrad kaum berühren. Sie kleben mitunter mit ihren Armen am Armaturenbrett fest und hoffen, dass sie es noch bei Orange über die Ampel schaffen, denn nur der Fahrtwind kühlt ein wenig. Wer könnte bei diesen Temperaturen auch nur daran denken, sich bewusst für einen Wagen ohne Klimaanlage zu entscheiden?

Die Antwort: Christiane Feldmann. Die 25-jährige Rastatterin liebt Oldtimer und fährt einen Ford Escort RS 2000, Baujahr 1974. „Die Fenster gehen ja auf“, erwidert Feldmann lachend auf die Frage, ob sie sich bei diesen hohen Temperaturen hinter das Steuer ihres sebringroten, „schnellen Hundeknochens“ setzen würde.

Ford Escort RS 2000 trägt Spitznamen wegen des Kühlergrills

Den Spitznamen bekam der Held des Rallyesports – daher die Abkürzung RS – für seinen charakteristischen Kühlergrill, der an eine Kaufreude für Vierbeiner erinnert. An diesem Mittwochnachmittag steht der Mitte Vierzigjährige leicht im Schatten auf dem Hof der Familie, er ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Christiane Feldmann und ihre Eltern sind allerdings stolz darauf, dass der Ford noch keine Schweiß-Erscheinungen habe. Das sei sehr selten.

Die Liebe zu historischen Fahrzeugen wurde der 25-Jährigen in die Wiege gelegt, die quasi auf der Rückbank eines Escort stand. „Ich habe es von meinem Papa, der hat schon immer Oldtimer gesammelt. Als Kind bin ich natürlich auf sämtliche Veranstaltungen mitgeschleppt worden, und so hat sich dann auch für mich die Leidenschaft ergeben“, erzählt Feldmann, die nach einem abgeschlossenen Augenoptik-Studium derzeit noch Hörakustik studiert. Ihr Vater habe früher bereits einen Escort besessen.

Beim Oldtimer spürt man noch die Verbindung zwischen Auto und Straße

Feldmann: Oldtimer sind ursprünglicher

Ihre Begeisterung transportiert Feldmann genauso zuverlässig wie das Modell mit Vierzylinder-Reihenmotor und Heckantrieb Passagiere: „Beim Oldtimer spürt man noch die Verbindung zwischen Auto und Straße.“ In neuen Pkw seien die Fahrer abgekoppelt.

Anders, „ursprünglicher“, so beschreibt es Feldmann, sei das in einem Oldtimer: „Man fühlt jede Bewegung vom Auto, und das macht es einfach so besonders. Man hat keine Hilfsmittel wie Servolenkung oder Bremskraftverstärker.“

Der Ford Escort RS 2000 wird wegen seines charakteristischen Kühlergrills auch "schneller Hundeknochen" genannt.
Der Ford Escort RS 2000 wird wegen seines charakteristischen Kühlergrills auch „schneller Hundeknochen“ genannt. | Foto: Bodamer

Zu dieser Ursprünglichkeit gehört aber auch, dass Autoliebhaber mitunter viel Zeit investieren müssen, um ihre rollenden Kleinodien zu erhalten. Selbst die Hand mit dem Schraubenzieher anlegen – für Feldmann gehört das absolut dazu, wie sie voller Enthusiasmus kundtut: „Das ist ja auch noch der Vorteil am Oldtimer. Man hat viel Platz im Motorraum. Alles ist noch recht einfach. Die neuen Autos haben extrem viel Elektronik, wo man gar nicht mehr groß was selber machen kann.“

Hinzu komme, dass die Fahrer von historischen Wagen vielen Menschen Freude bereiteten. Denn laut Feldmann fühlen sich die Leute an ihre Kindheit erinnert, wenn sie einen alten Mini oder einen VW T1 sehen. Die 25-Jährige ist überzeugt: „Oldtimer sind immer Sympathieträger.“

Ein Flug nach Berlin und eine Fahrt nach Rastatt

Ihr Sympathieträger, der RS 2000 – mit 915 Kilogramm Gewicht, 100 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 175 Kilometern pro Stunde ein leichter Flitzer – ist erst über einen kleinen Umweg in die Barockstadt gerollt. Eigentlich habe sie einen VW Golf 1 GTI kaufen wollen, erzählt Feldmann: „Der hat mir immer sehr gut gefallen. Deswegen sind wir an einem Wochenende extra nach Berlin geflogen. Der war allerdings nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Meine Eltern sind dann noch in die Classic Remise in Berlin gegangen und haben durch Zufall das Auto dort stehen sehen.“ Statt mit dem Flugzeug zu fliegen, sei man also mit dem RS zurück in die Heimat gefahren.

Dort laufen die letzten Vorbereitungen, damit Christiane Feldmann ihren „Hundeknochen“ vom 12. bis 14. Juli beim 43. Internationalen Oldtimer-Meeting in Baden-Baden präsentieren kann. Keine neue Bühne für die 25-Jährige. „Wir waren die Jahre davor mit einem Karmann-Ghia da, ich glaube schon fünf Jahre, und selbst davor sind wir immer als Besucher gekommen, ohne eigenes Auto“, gibt Feldmann zu, dass die Liebe zu alten (Volks-)Wagen tief in der Familie verankert ist.

Oldtimer-Meeting hat für Feldmann ein besonderes Flair

An dem Treffen in Baden-Baden gefalle ihr am meisten das besondere Flair. „Das Ambiente und die Kulisse hinter dem Kurhaus sind einfach einmalig. Man hat auch eine schöne Autovielfalt“, freut sich Feldmann an diesem heißen Nachmittag, knapp zweieinhalb Wochen vor Beginn des Treffens, auf die Fahrt ins nur 18 Kilometer entfernte Baden-Baden. An wie vielen Tagen sie ihren RS 2000 dort ausstellen werde? Natürlich an allen drei, antwortet Feldmann.

Beim 43. Internationalen OIdtimer-Meeting in Baden-Baden sind vom 12. bis 14. Juli 2019 mehr als 350 Oldtimer aus neun Jahrzehnten Automobilgeschichte zu bestaunen. Der Veranstalter erwartet rund ums Baden-Badener Kurhaus mehr als 20.000 Besucher. Die 120 schönsten Oldtimer werden mit Pokalen prämiert. In diesem Jahr steht Bentley als Ehrengastmarke im Mittelpunkt. BNN.de wird vor Ort sein und das Meeting mit Artikeln, Videos und Fotos begleiten. Alle Infos zum Oldtimer-Meeting 2018 gibt es hier zum Nachlesen.