Es geht ein Zug nach nirgendwo: Noch enden die Gleise der schnellen Rheintalstrecke auf Höhe von Durmersheim. Bis 2021 will man aber den Norden Rastatts erreicht haben, nur um dann auf die Fertigstellung des Tunnels warten zu müssen.
Es geht ein Zug nach nirgendwo: Noch enden die Gleise der schnellen Rheintalstrecke auf Höhe von Durmersheim. Bis 2021 will man aber den Norden Rastatts erreicht haben, nur um dann auf die Fertigstellung des Tunnels warten zu müssen. | Foto: Collet

Mehr Tempo

Schnelltrasse der Deutschen Bahn: Lurche weichen Gleisen und Weichen in Rastatt

Anzeige

Sie versetzt Berge und Lurche und steht doch vor einem schier unüberwindlichen Hindernis: Seit Monaten arbeitet die Deutsche Bahn an ihrer Ausbaustrecke zwischen Karlsruhe und Rastatt. Langsam zeigt sich auch dem Laien, dass es auf der ewigen Baustelle nicht mehr nur langsam vorwärts geht. Über Jahrzehnte haben sich die Autofahrer auf der B36 an den Anblick gewöhnt, der eher an ein trockenes Flussbett, denn an eine künftige Eisenbahnstrecke erinnerte. Blindschleichen und Lurche fühlten sich gar so wohl in der mindestens 15-jährigen Brache, dass sie das ungewöhnliche Bauwerk ganz für sich beanspruchten.

„Wir haben deshalb Amphibien abgefangen und umgesiedelt“, verrät Michael Heim, der sich hauptberuflich aber doch lieber ums Einrichten des Gleisbetts und das Verlegen der Schienen kümmert. Bis zu acht Meter hoch ragen derzeit die Lärmschutzwände, die bereits errichtet sind und die die Menschen in Durmersheim und Bietigheim vor dem Schall der bis zu 250 Stundenkilometer schnellen Züge behüten sollen. 68.000 Tonnen Schotter und über 28.000 Bahnschwellen werden verbaut sein, bis die acht Kilometer lange Strecke von Mörsch bis zum Rastatter Tunnelmund bis 2021 fertig ist.

Kabel erst bei Betrieb

Ganz fertig wird man sie aber gar nicht bauen. Weil der Einsturz des Rastatter Tunnels den Weiterbau noch bis mindestens 2024 verzögert, wird man auch bis dahin warten, die Strecke mit Oberleitungen auszustatten. „Wir können die Kabel erst ziehen, wenn wir die Strecke auch in Betrieb nehmen“, erklärt die Arbeitsgebietsleiterin der Bahn, Meike Schlitter. Baue man die wertvollen Kabel und Kupferleitungen ein, bevor man sie dann auch unter Strom stelle, würden sie „noch in der ersten Nacht geklaut“.

Modernisierung nötig

Der Strom, der die Züge auf ihrer Fahrt versorgt, wird von Karlsruhe her fließen. Deshalb muss auch die Oberleitungstechnik nördlich der Ausbaustrecke modernisiert werden. Die Anlagen stammen zum Teil noch aus dem Jahr 1909 und wären zum Betrieb moderner Schnellzüge nicht geeignet.

Der Bahnneubau geht zwar voran, doch verzögert sich das Projekt bis mindestens 2024.
Der Bahnneubau geht zwar voran, doch verzögert sich das Projekt bis mindestens 2024. | Foto: Collet

Momentan enden die neu verlegten Gleise noch am Nordrand von Durmersheim. Sobald die Vorarbeiten abgeschlossen sind, soll es dann aber Schlag auf Schlag gehen. Auf eben diesen neuen Schienen karren Züge den Schotter und die Betonschwellen an die Baustelle und stellen so sicher, dass pro Tag bis zu 600 Meter Gleise verlegt werden können.

Tunnel in Rastatt bis 2026

Auf einem Teil der Strecke wird gar dreigleisig ausgebaut, damit schnelle Personenzüge dort die Möglichkeit haben, langsamere Güterzüge zu überholen. Neben den Gleisbauarbeitern sind auch Graffiti-Sprayer fleißig zu Gange. Bereits einige der zur Zugstrecke hin mit schallschluckendem Holzfasergemisch beklebten Lärmschutzwände wurden mit bunten Zeichnungen und Bildern verziert. Nachdem die vorbereitete Rohtrasse von 2002 an auf ihre Verwendung wartete, wird auch die fertiggestellte Ausbaustrecke lediglich als rund 200 Millionen Euro teure Sackgasse bestehen, bis möglicherweise ab 2026 die Fahrt durch den Rastatter Tunnel tatsächlich frei sein wird.

Kommentar
Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Bimmel-Bahn

Der Zug kommt. Doch auch wenn er am Ende gar 250 Sachen machen soll, derzeit ist es doch eher eine Bimmel-Bahn, die sich entlang der B36 Richtung Basel voran quält. Vor über 17 Jahren schon wurde neben der neuen Bundesstraße das Bett bereitet für einen Schnellzug, der die Fahrt durchs Rheintal revolutionieren sollte. Doch der ewige Streit um den Rastatter Tunnel machte das ehrgeizige Projekt zur Bauruine.

Zeitplan

Die Menschen dachten an ein ausgetrocknetes Flussbett, wenn sie drauf schauten. Die Tierwelt erkannte darin ein Paradies. Inzwischen also wurde den Lurchen gekündigt und die Bahn treibt ihren Schienenstrang mit Riesenschritten in Richtung Rastatt voran. 2021 will man den Tunnelmund erreichen und ab 2025 ist möglicherweise eine Fahrt bis Niederbühl schon möglich. Seit der Baugenehmigung 1998 werden dann 27 Jahre ins Land gegangen sein. Der Markgraf hätte in dieser Zeit locker fünf Barockschlösser gebaut.