Editha Weber hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend eine Depression sein kann und versucht anderen Betroffenen zu helfen.
Editha Weber hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend eine Depression sein kann und versucht anderen Betroffenen zu helfen. | Foto: Krause-Dimmock

Serie: Hilfe zur Selbsthilfe

Selbsthilfegruppe „Schattenseiten“ im Murgtal bietet Hilfe für Menschen mit Depression

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Hilfe zur Selbsthilfe – unter diesem Motto reist unsere Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock durch die Region und trifft dabei Menschen, die durch Selbsthilfegruppen Hürden im Leben überwunden und neuen Mut geschöpft haben. In unserer gleichnamigen BNN-Serie wird von diesen Begegnungen und den persönlichen Geschichten erzählt. In dieser Folge geht es um die Selbsthilfegruppe „Schattenseiten“ für Menschen mit Depression.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

Die Ursachen für Depressionen sind sehr unterschiedlich, weiß Editha Weber aus eigener Erfahrung, aber auch nach fünf Jahren „Schattenseiten“. So nannte sie die Selbsthilfegruppe, die sie seither in Eigenregie leitet. Im Murgtal existierte bis dahin eine solche Einrichtung zu ihrem Bedauern nicht. Denn der Austausch mit anderen Betroffenen sei überaus wichtig und vor allem wohltuend. Auf entsprechend fruchtbaren Boden fiel das Angebot, berichtet sie von den wöchentlichen Treffen, an denen jeweils 14 bis 16 Personen teilnehmen.

Ursachen sind nicht immer offensichtlich

Was hinter den geschlossenen Türen, die sich jedem Betroffenen sehr schnell öffnen, geschieht, was hier besprochen wird, das bleibt innerhalb des Raumes. Eine wichtige Grundregel. Denn wer an Depressionen leidet, die sich übrigens ganz unterschiedlich auswirken können, der muss Vertrauen fassen dürfen, das Gefühl bekommen, dass man ihn annimmt, ihm zuhört. Nur so könne man den Nebel der Depression durchbrechen. „Wir gehen sämtliche Aspekte an, um zu zeigen, wie man mit Ängsten und anderen emotionalen Symptomen umgehen kann.“

Die Ursachen sind allerdings nicht immer offensichtlich. Familiäre Hintergründe könnten dahinterstecken, der Beruf oder anderen Dinge, die vielleicht ganz einfach verdrängt wurden. „Die Lage kann auch subtiler sein – Ängste, Panik oder ein Gefühl von Unausgefülltheit obwohl das Leben nach außen hin perfekt scheint.“

Viele Depressive fühlen sich nicht verstanden

Zurück ins Leben, so heißt die Devise bei „Schattenseiten“. Was das für den Einzelnen mit sich bringt, wie die Hilfe und Kraft aussehen kann, die er aus der Selbsthilfegruppe schöpft, ist sehr individuell. Auf jeden Fall aber versuche man gemeinsam nach möglichen Ursachen zu suchen. Auf Wunsch wird auch der Kontakt zu einem Facharzt hergestellt.

Ganz gewiss wird aber miteinander geredet, es wird zugehört. Ein Gefühl, das viele im Laufe ihrer Erkrankung vermissen. Deshalb sei der Kontakt zu anderen Betroffenen so immens wichtig. Die meisten Depressiven fühlen sich von ihrem Umfeld weder verstanden, noch angenommen. Die Partnerschaft erleidet Schieflage, auf der Arbeit fühlen sich die Betroffenen gemobbt, die Sozialkontakte trocknen aus. „Irgendwann stimmt nichts mehr“, so Editha Weber.

Nicht nur „Problem-Löse-Abende“

Diese Gefühle und Emotionen brechen sich hinter den verschlossenen Türen, wenn man unter sich ist, Bahn. „Wir habe natürlich nicht nur solche Problem-Löse-Abende.“ Neben Themen, die sie vor den Sitzungen vorbereitet, lädt sie beispielsweise auch Referenten ein, bringt Materialien zum Salzteigkneten mit oder ähnliches. Doch wenn jemandem die Seele brennt, wenn ein Thema wichtig ist, hat das natürlich absoluten Vorrang.

Und manchmal, so hat sie festgestellt, wollen sich Betroffene ihre Erkrankung gar nicht eingestehen. Sie selbst hat gelernt damit zu leben und geht sehr offensiv damit um. Der erste große Schritt in diese Richtung sei es, das Wort „Depression“ auch tatsächlich einmal auszusprechen.

Wer nichts tut und sich der Hoffnungslosigkeit und der Machtlosigkeit ergibt, der vermöge irgendwann nicht einmal mehr aufzusehen, verharre in der Embryonalstellung im Bett, weine, ziehe sich die Decke über den Kopf, ertrage Helligkeit nicht mehr. Und das muss nun wirklich nicht sein, hat sie selbst erlebt, dass es auch anders geht, dass es ein Leben trotz der Depression gibt, bei dem der Selbsthilfegruppe und der Energie, welche andere Betroffene geben können, eine ganz wichtige Rolle zukommt.

Anfragen und Anmeldungen zur Selbsthilfegruppe „Schattenseiten“ sind telefonisch unter (01 52) 28 09 39 24 möglich.