Gunter Demnig ist nach Kuppenheim gekommen, um weitere Stolpersteine zu verlegen.
Gunter Demnig ist nach Kuppenheim gekommen, um weitere Stolpersteine zu verlegen. | Foto: Holbein

Kampf gegen das Vergessen

Sieben weitere Stolpersteine in Kuppenheim

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Kuppen erhält sieben weitere Stolpersteine. „Wir geben den ehemaligen jüdischen Mitbürgern ihren Namen wieder und holen sie so aus dem Vergessen“, sagt Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim. Insgesamt gibt es aktuell 68 Stolpersteine in Kuppenheim. 80 sollen es am Ende der Aktion sein.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

„Am Anfang wird uns ein Name gegeben und ein guter Name ist alles, was wir am Ende mitnehmen.“ So steht es im Talmud. Und in den Psalmen König Davids heißt es: „Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle beim Namen.“ Das jüdische Volk hat sich oft mit den Sternen verglichen, die Jahwe beim Namen ruft. Deshalb war es von den Nationalsozialisten besonders infam, den Menschen ihren persönlichen Namen zu nehmen und stattdessen Nummern zu vergeben.

„Wir geben den ehemaligen jüdischen Mitbürgern ihren Namen wieder und holen sie so aus dem Vergessen“, sagte Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim bei der Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen in der Knöpflestadt. Zum siebten Mal war der Künstler Gunter Demnig, der die Idee zu dieser weltweiten Aktion hatte und in den vergangenen 23 Jahren 70 000 Stolpersteine in 26 Ländern verlegt hat, nach Kuppenheim gekommen. Am Dienstagnachmittag war die Murgtalstraße 2 sein erstes Ziel. Der städtische Bauhof hatte den Gehweg bereits für die Verlegung so vorbereitet, dass Gunter Demnig die sechs Stolpersteine für die Familie Dreyfuß routiniert in das Pflaster einlassen konnte.

Mutter und vier Kinder vereint

Für Marie Dreyfuß, die Mutter, die am 22. Oktober 1940 mit 13 weiteren Kuppenheimer Juden im Alter von 90 Jahren ins französische Gurs deportiert wurde, wurde bereits 2013 ein Stolperstein verlegt. Jetzt kamen ihre Kinder Anna, Ida, Regina und Max Dreifuß an die Reihe. Während Annas Schicksal, die mit dem Bäcker Moritz Scherer aus Sinzheim verheiratet war, noch recherchiert werden muss (sie erhielt einen Leerstein), ist klar, dass Ida und Regina Dreifuß mit ihren Ehemännern erst nach Gurs verschleppt und dann mit dem Transport Nummer 17 in die Gaskammern von Auschwitz deportiert wurden.

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Sohn Max Dreifuß war ein angesehener Viehhändler und Kaufmann und im Ersten Weltkrieg hoch dekoriert. Nach der Reichspogromnacht wurde er mit fünf weiteren Kuppenheimern ins KZ Dachau geschafft und dort drei Wochen festgehalten. Was dort geschah mit Mithäftlingen, darüber sprachen die Rückkehrer nie. Mit seiner Ehefrau Fanny wurde Max ebenfalls nach Gurs deportiert, konnte aber emigrieren. Hilfreich war, dass den beiden Töchtern der Familie, Mathilde und Ruth Anna Dreifuß, bereits die Flucht in die USA gelungen war. Für Fanny, Mathilde und Ruth Anna wurden ebenfalls Stolpersteine verlegt. „Wir wollen nicht nur der ermordeten jüdischen Mitbürger gedenken“, so Heinz Wolf. Auch an die, die ihre Heimat verlassen mussten, weil ihnen die Lebensgrundlagen entzogen wurden, soll erinnert werden.

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Es sollen insgesamt 80 Stolpersteine werden

Die Familie Max Dreyfuß betrieb im Haus in der Murgtalstraße 2 ein Geschäft mit Konfektion und Betten. Nach der Machtergreifung 1933 hieß es auch bald in Kuppenheim „Kauft nicht bei Juden“, die Kundschaft wurde von SA-Männern beobachtet und gehindert. Systematisch wurden die, die vorher selbstverständlich zur Stadtgesellschaft gehört hatten, an den Rand gedrängt und ausgeschlossen. Sie zurückholen in die Mitte des gesellschaftlichen Bewusstseins als Mahnung, dass so etwas nie wieder geschieht, ist die große Motivation des Arbeitskreises Stolpersteine in Kuppenheim. Ein weiterer Stolperstein wurde für Bertha Sara Meier in der Friedrichstraße 86 verlegt. Insgesamt gibt es aktuell 68 Stolpersteine in Kuppenheim. 80 sollen es am Ende der Aktion sein. Ein Hausbesitzer stelle sich noch quer, poche auf sein Wegerecht auf dem Gehweg. Da werde der AK Stolpersteine versuchen, mit Unterstützung von Kommunalpolitikern den Hausbesitzer zum Einlenken zu bewegen, war zu erfahren. Ansonsten gebe es noch die Möglichkeit, dass auch Kuppenheim das Wegerecht auf den Gehwegen – wie die allermeisten deutschen Kommunen – aufhebt.

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