Einen Teich bewertet die Fachjury der Siedlergemeinschaft, die derzeit in den Gärten der Siedlung, dem Münchfeld und der Rheinau-West unterwegs ist, mit zusätzlichen Punkten. | Foto: Friedrich

Grünes Rastatt

Siedlergemeinschaft sucht den schönsten Garten

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Von Stephan Friedrich

Rund 130 Gärten in der Rastatter Siedlung und dem Münchfeld werden seit Donnerstagvormittag (21. Juni) von einer dreiköpfigen Fachjury der Gemeinschaft der Siedler und Wohneigentümer Rastatt-Münchfeld genau unter die Lupe genommen. Beim diesjährigen Gartenwettbewerb wird vor allem auf die abwechslungsreiche Gestaltung und die Wohnqualität eines Gartens geachtet.

Steinwüsten verdrängen grüne Oasen

Im Vordergrund stehen Themen wie Ökologie und Klimaschutz. „Wir achten darauf, dass der Garten lebendig gestaltet ist“, berichtet Sven Görlitz, Landesgartenfachberater des Verbandes Wohneigentum Baden-Württemberg. Dabei hat er im den letzten Jahren festgestellt, dass sich die Gärten auch in Rastatt stark verändern. „Die Schere zwischen wilden Gärten, in denen sich Bienen und Insekten genauso wohlfühlen wie Menschen, und Steinwüsten mit Kunstrasen, Beton und Plastik wird immer größer“, weiß der Experte. Er bedauert, dass große Bäume aus den Gärten verschwinden und nicht durch neue ersetzt werden. „Aus einer ehemals grünen Oase wird dann schnell ein Ort mit wenig Lebensqualität“, weiß auch Gemeinschaftsleiter Wolfgang Franzke, der gemeinsam mit Sven Görlitz und Gärtnermeisterin Angelika Reuter die Fachjury bildet.

Trockenmauern, Totholz und Teich punkten

Bei ihrem zweitägigen Gang durch die Straßen der Rastatter Siedlung und durch die Gärten in Rheinau-West, die traditionell mitbewertet werden, freuen sich die Jurymitglieder immer wieder, das ein oder andere Kleinod zu entdecken. „Hin und wieder sind die Gärten sehr versteckt und man kann von außen gar nicht erahnen, was sich da hinter den Hecken verbirgt“, freut sich Angelika Reuter, die erstmals als Jurymitglied aktiv ist.

Anhand eines Bewertungskatalogs wird jeder Garten eingeschätzt. Obst- und Beerensträucher bringen ebenso Punkte wie besonders kreative Gestaltungsideen, die Nutzung von Regenwasser oder Kleinbiotope wie Trockenmauern, ein Teich oder ein Totholzhaufen, in dem sich Insekten und Kleintiere wohlfühlen. „Wichtig ist der Gesamteindruck und nicht, ob die Rasenkante besonders penibel gerade geschnitten ist“, räumt Wolfgang Franzke mit einem alten Vorurteil auf.

Pflanzen bringen Kühle und sorgen für Artenvielfalt

Gestern Vormittag besuchte die Jury unter anderem verschiedene Gärten im Rastatter Oosbachweg und freute sich ob der hohen Temperaturen über kleine, lauschige Schattenplätze. „Grünpflanzen bringen Kühle in die Wohngebiete. Deshalb ist es für ein gutes Klima wichtig, dass nicht immer mehr Sträucher und Bäume verschwinden“, erklärt Sven Görlitz und fügt hinzu, dass durch Steingärten nicht nur die gefühlte Temperatur steigt, sondern auch die Artenvielfalt sinkt. „Vielen ist dieser doppelt negative Effekt nicht bewusst“, sagt Görlitz und ruft die Gartenbesitzer auf, wieder mehr auf einen natürlichen Garten mit Sträuchern und Bäumen zu setzen. Der positive Nebeneffekt dabei: Wer Himbeer- oder Brombeersträucher anbaut, der kann sich im Sommer über die ein oder andere Leckerei freuen.