Olympia 2022 im Blick: Das deutsche Curling-Team mit dem badischen Duo Marc Muskatewitz und Sixten Totzek sowie Dominik Greindl (von links) aus Bayern bei der Europameisterschaft im schwedischen Helsingborg. | Foto: WCF

Wegen Corona

Sinzheimer Marc Muskatewitz auf Heimaturlaub statt bei der Curling-WM in Glasgow

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Unter normalen Umständen hätte Marc Muskatewitz ab diesem Wochenende in Glasgow als Skip die Taktik im deutschen Curling-Team vorgegeben. Doch auch diese Weltmeisterschaft wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Statt sich in Schottland auf die WM vorzubereiten, verbrachte der 24-Jährige die vergangenen Tage bei den Eltern in Sinzheim-Kartung.

Mit Fahrradfahren, Joggen und Inlineskaten arbeitete er in der Heimat an der Grundlagenausdauer, bevor es zurück an seinen Studienort Kempten ging. Von der WM-Absage erfuhr das Team Muskatewitz vor zwei Wochen beim letzten Vorbereitungsturnier in Aberdeen.

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Frühzeitige WM-Absage spart Reisekosten

„Das war schade, denn wir haben uns in der zweiten Saisonhälfte extrem ins Zeug gelegt“, berichtet Muskatewitz. Positiv sieht er immerhin die frühzeitige Absage, so habe im Gegensatz zu den Frauen, die erst nach der Reise zum WM-Ort in Kanada mit der Absage konfrontiert wurden, Geld gespart werden können.

Wir haben eine junge, dynamische Mannschaft mit sehr viel Potenzial

Marc Muskatewitz

So endete die Saison für die Curler ohne die Welttitelkämpfe zum Abschluss. Vor diesem Hintergrund war für Muskatewitz die auf Rang sieben abgeschlossene EM in Helsingborg im November das Highlight.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Dass bei der deutschen Meisterschaft auf der Heimatbahn am Baden-Airpark Anfang Februar für das Nationalteam nur der zweite Platz heraussprang, bedauert Muskatewitz, der die Entwicklung dennoch optimistisch einschätzt. „Wir haben eine junge, dynamische Mannschaft mit sehr viel Potenzial“, sagt Muskatewitz, der von Sixten Totzek aus Rastatt-Niederbühl als Vize-Kapitän unterstützt wird.

Rastatter Totzek mit Junioren erfolgreich

Für Sportsoldat Totzek, der im Gegensatz zu Muskatwitz noch für den Baden Hills Golf- und Curling Club Rastatt startet, bleibt die verkürzte Saison unterdessen trotz WM-Absage in guter Erinnerung. Als Skip der deutschen Junioren holte er erst Bronze bei der B-WM im finnischen Lohja, ehe bei der A-WM in Krasnojarsk (Russland) mit Rang vier eine Medaille nur knapp verpasst wurde.

Man muss aus beiden Teams eine Mannschaft formen, um Weltniveau zu erreichen

Ob die starken Junioren in der kommenden Saison erneut in gleicher Konstellation um eine Medaille kämpfen, soll in den kommenden Wochen im Deutschen Curling-Verband erörtert werden. Geht es nach Marc Muskatewitz, dann soll die Priorität auf das Männerteam gelegt werden – nicht zuletzt mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. „Man muss aus beiden Teams eine Mannschaft formen, um Weltniveau zu erreichen“, betont Muskatewitz.

Neuer Modus für Olympia-Qualifikation

Wie die Qualifikation für Peking läuft, muss nach der ausgefallenen WM neu geregelt werden. In Glasgow hätten bereits Punkte für Olympia gesammelt werden können. Nun gibt es Peking-Tickets wohl ausschließlich auf Grundlage der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sowie eventuell über eine größere Anzahl an Plätzen bei weiteren Qualifikationsturnieren. „

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

 

Das ist aber nur Spekulation“, sagt Muskatewitz, für den es planmäßig im Juli am Bundesleistungszentrum in Füssen zurück auf das Eis geht. Bis dahin steht wieder sein Mechatronik-Studium im Vordergrund, wenngleich – Corona-bedingt – derzeit nur online und nicht im Hörsaal.

Im Jahr 2018 erreichte das deutsche Curling einen historischen Tiefpunkt. Erstmals stellte der Deutsche Curling-Verband (DCV) bei den Olympischen Winterspielen weder ein Männer- noch ein Frauenteam. Auch bei der olympischen Premiere der Disziplin Mixed Doubles war Deutschland im südkoreanischen Pyeongchang nicht vertreten. Dies soll sich 2022 bei den nächsten Winterspielen in Peking ändern. Gleich doppelt präsent sein möchte dann der aus Sinzheim stammende Marc Muskatewitz, der als Skip der deutschen Männer-Auswahl wirkt und nebenbei seine Karriere im Mixed Doubles forciert. Gemeinsam mit seiner Freundin Lena Kapp – Nichte des Bundestrainers Ulrich Kapp – holte er vor wenigen Wochen in Schwenningen den DM-Titel in dieser Disziplin. Im Finale gelang ein knapper 7:6-Sieg gegen die Hauptrivalen Klaudius Harsch aus Rastatt und Pia-Lisa Schöll aus Oberstdorf. Damit sicherte sich das für den CC Füssen startende Duo Muskatewitz/Kapp auch das Ticket zur im kanadischen Kelowna geplanten Mixed-WM im April. Diese wurde wegen der Corona-Pandemie inzwischen abgesagt. Durch den Gewinn des nationalen Titels sieht Muskatewitz „keine Freifahrtkarte“ nach Peking in zwei Jahren. „Es wird bis zu den Olympischen Spielen ein gewisses Battle bleiben“, sagt er zum Konkurrenzkampf mit Klaudius Harsch vom Baden Hills Golf- und Curling-Club Rastatt und dessen bayerischer Partnerin Pia-Lisa Schöll.