Die beiden Entwickler Nico Rath (links) und Jonathan Scherm (rechts daneben) erklären, wie der smarte Abfalleimer funktioniert. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Töne aus der Tonne

Smarter Abfalleimer soll in Rastatt zur Müllentsorgung motivieren

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An die Stimmen von Siri und Alexa haben sich die Menschen schon gewöhnt, jetzt meldet sich auch noch die Mülltonne zu Wort: In Rastatt wurde am Freitag der erste smarte Abfalleimer vorgestellt – und der kann nicht nur „Hilfe“ rufen, sondern auch wie ein zerbrechendes Glas klingen oder Informationen zur Müllentsorgung geben.

Töne als „Art Belohnung“ für den Benutzer

Der sprechende Abfalleimer ist Teil des Stadtreinigungskonzepts. Er soll die Bürger zur korrekten Müllentsorgung motivieren. „Wir wollen den Abfall in Rastatt reduzieren und das gelingt nur, wenn sich die Bürger des Problems bewusst sind“, sagt Bürgermeister Raphael Knoth. Die smarte Tonne könne spielerisch zur Müllentsorgung motivieren, die Töne seien „eine Art Belohnung“ für den Benutzer.

Zwei Schüler entwickelten den smarten Abfalleimer

Entwickelt wurde der Mülleimer von Jonathan Herm und Nico Rath (beide 19), zwei ehemalige Schüler der Josef-Durler-Schule. Sie hatten sich bereits beim Drehen eines Schulfilms mit dem Thema Stadtsauberkeit befasst und wollten daran anknüpfen. „Auf die Idee kamen wir durch ein Volkswagen-Pilotprojekt, das uns begeistert hat“, berichtet Rath. Der Konzern hatte einen sprechenden Abfalleimer als Prototyp entworfen – und der war nach dem ersten Test propenvoll. „Wir haben uns gedacht: So etwas müsste man auch in Rastatt umsetzen“, so Rath weiter.

Modul entstand unter anderem mit Hilfe eines 3-D-Druckers

Gesagt, getan: Die beiden machten sich ans Werk, rund 300 Stunden investierten sie in die Entwicklung. Sie arbeiteten unter anderem mit einem 3-D-Drucker. Finanzielle Unterstützung – die Materialkosten liegen bei 15.000 Euro – erhielten sie von den Technischen Betrieben. Dann war das Modul fertig.

Im Prinzip funktioniert es bei jeder Mülltonne.

„Im Prinzip funktioniert es bei jeder Mülltonne“, erklärt Rath. Unter dem Deckel sind akkubetriebene Sensoren und Lautsprecher angebracht. Wird Müll durch eine der Öffnungen geworfen, erkennt dies der Sensor, und eines von 35 verschiedenen Geräuschen ertönt. „Gamification“ nennt sich das Prinzip, durch das etwas Alltägliches wie die Müllentsorgung mit etwas Spaßigem verbunden werden soll.

Der Sensor erkennt, wenn Müll durch die Öffnung geworfen wird. Dann ertönt eines von 35 Geräuschen. | Foto: Collet

Drei smarte Abfalleimer gibt es nun in der Rastatter Innenstadt

Drei dieser sprechenden Abfalleimer gibt es nun in der Innenstadt, weitere sollen in unregelmäßigen Abständen folgen. Wo genau, bleibt geheim. „Das Ganze soll auch eine Überraschung für die Leute sein“, meint Brigitte Majer, Fachbereichsleiterin der Technischen Betriebe. Ab 20 Uhr schaltet der smarte Abfalleimer übrigens automatisch in den Nachtmodus, die Töne werden dann leiser. Denn erschrecken solle sich beim Müllentsorgen niemand. „Der smarte Abfalleimer wird einen Effekt haben“, ist sich Bürgermeister Knoth sicher.