Der Bahnhof in Rastatt ist die Nahverkehrsdrehscheibe Mittelbadens. | Foto: Vetter

Maroder Bahnhof Rastatt

Sozialverbände verfassen Resolution

Anzeige

Sozialverbände und Vereine machen mit einer Resolution an den neuen Bahnchef Druck für die Sanierung des maroden Rastatter Bahnhofs. Außerdem unterstützen 26 Mitglieder des Expertenkreises Inklusion das Schreiben an Richard Lutz, ebenso der Landesseniorenrat Baden-Württemberg. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch schickte die Resolution mit einem Begleitschreiben an die Bahnzentrale nach Berlin.
Gefordert wird in erster Linie der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs.

Lutz soll selbst kommen

Vorgeschlagen wird, dass sich der Bahnchef mit den Verbänden am Bahnhof trifft, damit er sich erläutern lassen kann, was dringend getan werden müsste. „Es kann nicht alleine der Politik überlassen sein, sich in dieser Sache einzusetzen“, erklärte OB Pütsch im Pressevorgespräch zur Sitzung des Gemeinderats.
Der Expertenkreis Inklusion verweist in dem Schreiben auf das Engagement der Stadt Rastatt für barrierefreie Anlagen und den „Kommunalen Aktionsplan Inklusion“. Damit bekenne sich Rastatt klar zur UN-Behindertenrechtskonvention, zum Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes von 2002 und zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung, der 2011 beschlossen wurde.

Rollstuhlfahrer kommen in Rastatt nicht zu den Gleisen, weil es keine Aufzüge gibt.
Rollstuhlfahrer kommen in Rastatt nicht zu den Gleisen, weil es keine Aufzüge gibt. | Foto: Vetter

„Dieses klare Bekenntnis sollte nach unserem Verständnis auch selbstverständlich sein für alle Akteure und Unternehmen im öffentlichen Raum und mit öffentlicher Verantwortung“, heißt es in der Resolution. Und weiter: „Es erfüllt uns mit großer Sorge, dass ausgerechnet der Rastatter Bahnhof als zentraler Ort, als Dreh- und Angelpunkt für die Mobilität der Menschen, voller Barrieren ist und nach aktuellem Stand noch lange Jahre so bleiben wird. Es befremdet uns, dass die Deutsche Bahn als bundeseigenes Unternehmen ihre Verpflichtung zur Barrierefreiheit mit Füßen tritt und sich auf lange Sicht von der geplanten Sanierung des Rastatter Bahnhofs verabschiedet hat, nachdem der Gemeinderat Ende 2016 konsequenterweise eine unverhältnismäßige Kostenbeteiligung der Stadt Rastatt an der Sanierung abgelehnt hatte“, so die Verbände weiter.

„Affront gegen Menschen mit Behinderung“

Die Haltung der Deutschen Bahn sei ein Affront gegenüber allen Menschen mit Behinderung und Mobilitätseinschränkungen, gegenüber allen älteren Menschen und gegenüber allen Reisenden, die den Rastatter Bahnhof mit Kinderwagen, Fahrrad oder großem Gepäck nutzen wollen.
Vor einem Monat hatte die Deutsche Bahn auf Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten erklärt, dass eine Sanierung oder ein Umbau nach dem ablehnenden Beschluss des Gemeinderats (siehe Hintergrund) längerfristig nicht mehr vorgesehen sei. „Da passiert jetzt nichts“, erklärte ein Bahnsprecher. Auch die seit Jahren defekte Anzeige auf Bahnsteig 5 a lasse sich nicht aktivieren, hieß es weiter.
Oberbürgermeister Pütsch hatte in seiner Neujahrsrede die Bahn für ihre Haltung scharf kritisiert und die Ablehnung der hohen Kostenübernahme durch die Stadt erklärt – wofür er Applaus erntete. Er forderte die Behindertenverbände auf, an die Bahn heranzutreten.

Die Unterzeichner

Unterschrieben wurde die Resolution von der Arbeiterwohlfahrt, dem Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden, dem Caritasverband, dem Diakonischen Werk, dem Gehörlosenverein Favorite Rastatt 1934, dem Kreisseniorenrat Rastatt, dem Landesseniorenrat Baden-Württemberg, der Lebenshilfe, den Murgtal-Werkstätten und Wohngemeinschaften, der Partnerschaft Behinderte Nichtbehinderte, dem Rastatter SC/DJK Behindertensport, der Reha-Südwest, dem Sozialverband VdK, dem Verein für Sport und Gesundheit, dem Verein Kunst und Inklusion und dem Verein Volltreffer.

Stadt zog die Notbremse
Nach jahrelangen Protesten sicherte die Deutsche Bahn die Sanierung des Rastatter Bahnhofs in einem Landesprojekt zu. Voraussetzung: Die Stadt Rastatt beteiligt sich finanziell. Nach einer ersten Planung forderte die Bahn 1,1 Millionen Euro von der Stadt, der Gemeinderat genehmigte die Summe.
Danach stellte sich heraus, dass die Planer die genauen Gegebenheiten nicht gekannt haben. Vor allem der Einbau eines Aufzugs an der engen Gleisführung beim Bahnsteig 6 entwickelte sich zum Problem.
Mit dieser Erkenntnis wurde ein neuer Plan erstellt, nun hätte die Stadt fast das Vierfache, konkret 3,8 Millionen Euro, zahlen müssen. Diese zusätzlichen Kosten genehmigte der Gemeinderat mehrheitlich nicht. Begründung war unter anderem, dass die Einrichtung der Bahn gehört und seit Jahrzehnten nicht saniert wurde. Hierfür dürfe nicht so viel Geld von der Stadt eingesetzt werden.