Per Unterschrift besiegelt: Rastatt kooperiert beim Mobilitätspakt mit mehreren Behörden, Verbänden und Unternehmen. Fünf Jahre lang wollen sie gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Mobilität entwickeln. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Mobilitätspakt unterzeichnet

Stadt Rastatt will Verkehr klimafreundlicher gestalten

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Mehr Radfahrer, Fußgänger und Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs: Das wünscht sich die Stadtverwaltung für die Zukunft. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch sagt: „Mehr Straßenbau ist nicht mehr zeitgemäß.“ Um die Herausforderungen auf diesem Weg zu meistern, hat Rastatt gemeinsam mit mehreren Partnern einen Mobilitätspakt ins Leben gerufen. Am Mittwoch herrschte im Rossi-Haus anlässlich der Vertragsunterzeichnung großer Bahnhof.

Insgesamt sind zwölf Teilnehmer im Boot, darunter Behörden wie das Stuttgarter Verkehrsministerium, der Landkreis, das Regierungspräsidium und auch Unternehmen wie Mercedes Benz. Ihr gemeinsames Ziel ist es, in den kommenden fünf Jahren den Wandel hin zu einer nachhaltigen Mobilität voranzutreiben. Maßnahmen dafür könnten neben Infrastrukturprojekten zum Beispiel auch die Änderung von Busfahrplänen sein, so dass Schichtarbeiter den ÖPNV besser nutzen können.

Fahrrad hat in Rastatt das Potenzial zum Hauptverkehrsmittel

Pütsch sieht das Potenzial, das Fahrrad in Rastatt zum Hauptverkehrsmittel zu machen. Die flache Topografie sei dafür ideal. Gütertransporte sollten auf die Schiene verlagert werden. Es gelte außerdem, Pendler zu motivieren, auf Bus und Bahn umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. „Am Ende muss jeder Einzelne seinen Beitrag leisten“, sagte Pütsch.

Wie diese Ziele erreicht werden können, soll eine Projektgruppe erarbeiten, in der Vertreter aller Beteiligten sitzen. Wie Bürgermeister Raphael Knoth erklärte, soll außerdem innerhalb des ersten Jahres eine Bürgerbeteiligung auf die Beine gestellt werden. Regierungspräsidentin Sylvia Felder schilderte in diesem Zusammenhang Erfahrungen aus Wiesloch-Walldorf, wo bereits ein Mobilitätspakt existiert. Dort seien über ein Online-Portal rund 1.700 Anfragen von Bürgern eingegangen.

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Auch in Zusammenarbeit mit Firmen habe der Mobilitätspakt zu „sehr konkreten Maßnahmen“ geführt. Wie diese im Raum Rastatt aussehen könnten, erläuterte Thomas Geier, Leiter des Rastatter Mercedes-Benz-Werks. Das Unternehmen habe innerhalb von zwei Jahren 1.500 Abstellplätze für Fahrräder geschaffen, die sehr gut angenommen würden. Beim Jobticket für den ÖPNV sei aber noch deutlich Luft nach oben. Nach 22 Uhr kämen seine Mitarbeiter mit dem Bus nicht mehr nach Hause. „Im Schichtbetrieb sind wir in der Region noch nicht gut“, sagte Geier.

Land fördert Projekte mit 320 Millionen Euro

Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Stuttgarter Verkehrsministerium, sieht den Mobilitätspakt als geeignetes Mittel, um genau solche Dinge zu verbessern. Er erleichtere es außerdem, Baurecht für Projekte zu schaffen. Zwar ersetze der Pakt nicht die notwendigen Genehmigungsverfahren, durch die Kooperation vieler Partner gelinge es aber besser, einen Konsens zu finden. Als Beispiel nannte Lahl die Suche nach einer geeigneten Trasse für einen Radschnellweg.

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Das Land unterstütze solche Vorhaben gern. In Fördertöpfen lägen 320 Millionen Euro bereit. „Wir wollen das Geld ausgeben“, rief Lahl alle Beteiligten dazu auf, sich Gedanken darüber zu machen, was sie zur Mobilitätswende beitragen können.

Da ist noch viel Luft nach oben
– vor allem am Bahnhof Rastatt

Regionalverbandsdirektor Gerd Hager

Vom eigenen Umdenken erzählte der Rastatter Siemens-Chef Stephan Guse: „Ich fahr nur noch mit dem Fahrrad.“ Wenn er in Rastatt unterwegs sei, fühle er sich zwar sicher, er sei als Radfahrer aber trotzdem ein „totaler Fremdkörper“. Es gebe noch viel zu tun. Auch Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, berichtete von seiner Anreise, die er zu Fuß sowie mit Bus und Bahn gemeistert hatte. „War es bequem? Da ist noch viel Luft nach oben – vor allem am Bahnhof Rastatt.“