Laster belasten Wohngebiete in Rastatt – hier der Berliner Ring.
Laster belasten Wohngebiete in Rastatt – hier der Berliner Ring. | Foto: Collet

Rastatt greift durch

Stadt stoppt Laster in Wohngebieten

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Mit regelmäßigen Kontrollen will die Stadt Rastatt Lastwagen aus den Wohngebieten verbannen. Wie Ordnungsamtschef Bernd Münster auf Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten erklärt, wird insbesondere in der Oberwaldstraße seit Mai monatlich, im August wurde sogar zweimal kontrolliert. Auch an anderen Strecken ist das Ordnungsamt regelmäßig vor Ort.

Schwerpunkt Oberwaldstraße

In der Oberwaldstraße wird zwischen Ottersdorfer Straße und Wilhelm-Busch-Straße kontrolliert, da die von der B3 kommenden Laster an der Ottersdorfer Straße abbiegen müssen, um gegenüber der Schützenliesel das Daimler-Werk anzusteuern. Häufig fahren allerdings die Laster weiter über die Wilhelm-Busch-Straße, um das Werk von der anderen Seite anzufahren. Das ist nach Münsters Angaben allerdings nicht erlaubt.

Weitere Kontrollstellen waren in den vergangenen Wochen in der Buchenstraße, im Südring, in der Münchfeldstraße und in der Baldenaustraße. Diese Straße entlang des Segelflugplatzes ist nach den Kontrollen am stärksten belastet: In eineinhalb Stunden wurden hier 13 Laster gestoppt. An allen anderen Stellen sind es nach Bernd Münsters Angaben im gleichen Zeitraum zwei bis drei Laster. Auf den Tag hochgerechnet ergibt sich allerdings auch in diesen Bereichen eine hohe Belastung. „Tatsache ist, dass der eine oder andere Anwohner vom Lkw-Verkehr genervt ist“, so die Feststellung aus dem Ordnungsamt. Die Konsequenz: „Insbesondere an den Abkürzungen und Umleitungsstrecken werden diese Kontrollen bestehen bleiben“, kündigt Münster an.

Auch Autofahrer werden erwischt

Als Nebeneffekt der Kontrollen werden auch Autos geblitzt, die zu schnell fahren. Neben den je drei verwarnten Lastern gab es außerdem bei rund 20 Fahrzeugen Beanstandungen.

Proteste in der Baldenau

In weiten Teilen der Stadt gilt ein Durchfahrtsverbot für Laster – diese sollen lediglich auf festgelegten Routen fahren. Allerdings hatte sich herausgestellt, dass sich viele Fahrer nicht um diese Regeln kümmern. Der lauteste Protest kam aus der Baldenau, als sich im Laufe der Bauarbeiten an der Kreuzung von B3 und B462 im Frühjahr regelrechte Kolonnen durch den Berliner Ring und die Baldenaustraße geschoben hatten. Die aktuelle Zählung in der Baldenau war indes nach der Kreuzungssperrung – was darauf hindeutet, dass Lasterfahrer auch an „normalen“ Tagen Schleichwege nutzen.

Kommentar: Belastert
Ohne Überwachung geht es eben nicht. Drei Laster rollen innerhalb von eineinhalb Stunden widerrechtlich durch Wohngebiete, das sind hochgerechnet 20 Fahrten während der normalen Tageszeit. Schilder interessieren nicht, die dahinter steckenden Regeln auch nicht – das Transportgewerbe der Straße setzt darauf, dass die Behörden bei einem möglichst hohen Grundrauschen der Übertretungen irgendwann aufgeben werden.
Das Ordnungsamt der Stadt Rastatt zeigt gerade, dass genau diese Rechnung nicht aufgeht. Mit regelmäßigen Kontrollen werden Laster gestoppt und hoffentlich zur Kasse gebeten. Das ist gut so – es kann nicht sein, dass Wohngebiete rund um die Uhr „belastert“ sind und deren Bewohner mit Lkw-Lärm terrorisiert werden.
Eine weitere Unsitte ist der Missbrauch von Abstellflächen in den Straßen durch Laster. Sogar in 30er-Zonen stellen die Fahrer ihre Maschinen inzwischen ab – so etwa in der Brufertstraße, in der Richard-Strauß-Straße, im Buchenweg oder in den Eschenstraße. Die Liste wäre noch schier endlos erweiterbar. Auch das ließe sich relativ einfach ahnden, wenn nächtliche Polizeistreifen solche Nebenstraßen mal ansteuern würden.