Nicht zu übersehen sein wird das neue Edeka-Zentrallager, das der Lebensmittelkonzert ab Herbst zwischen Autobahn 5 (im Vordergrund) und Baulandstraße errichten will. | Foto: Edeka

Edeka in Rastatt

Stadträte fürchten „katastrophale Verkehrsverhältnisse“

Die künftige Lärm- und Verkehrsbelastung, die durch den Bau des neuen Edeka-Zentrallagers zwischen Autobahn 5 und Baulandstraße im Gewerbegebiet Stockfeld entsteht, macht den Rastatter Stadträten Sorge. In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte Wolfgang Seiler von Edeka Südwest den aktuellen Planungsstand des Projekts und versuchte vergebens, diese Sorgen auszuräumen.

Mit schallschluckender Fassade gegen den Lärm

Wie Seiler erklärte, wird das Zentrallager mit 52 Andocktoren und vier Entsorgungstoren ausgestattet. Dabei werde es kaum Fahrten geben, die um den gesamten Gebäudekomplex herumführen. „Wir fahren nahezu komplett in Richtung Gewerbegebiet“, so Seiler. Zusätzlich soll der Lärm der Autobahn durch eine schallschluckende Fassade absorbiert werden. Wie Stefan Wammetsberger vom Ingenieurbüro Köhler und Leutwein erklärte, das die Verkehrsberechnungen vorgenommen hat, sollen sich die Schallimmissionen lediglich auf 0,2 Dezibel mehr als derzeit belaufen. „Selbst das Rascheln von Blättern macht etwa zehn Dezibel aus. Was wir hier haben wird vom menschlichen Ohr also kaum wahrgenommen und ist sehr verträglich.“

Betrieb soll 2021 starten

Bereits in diesem Herbst würde Edeka gerne mit dem Bau beginnen und ab 2021 dann in Betrieb gehen – anfangs laut Seiler mit 70 Prozent des endgültigen Verkehrsaufkommens, das im Jahr 2025 bei 186 konventionellen Lastwagen pro Tag liegen soll. Mittelfristig würde Edeka allerdings gerne Gigaliner einsetzen, sofern es eine Genehmigung für diese 20,25 Meter langen Lastwagen geben wird. „Damit könnten wir 30 Prozent des Lastwagenaufkommens und sehr viel CO2 einsparen“, so Edeka-Mann Seiler. Insgesamt soll das Lager bei 410 Metern Länge und 115 Metern Tiefe 36 000 Quadratmeter Fläche haben und an den höchsten Stellen 28 Meter messen. Hinzu kommt ein offenes Parkdeck, das Platz für 360 Stellplätze bietet. Entlang der Autobahn und der Baulandstraße sollen zudem Bäume gepflanzt werden. Insgesamt wird Edeka rund 140 Millionen Euro investieren, wovon die eine Hälfte in den Bau, die andere in die Technik fließen wird.

Viel Skepsis vor allem in Rauental

Von einem „Klotz, der da in die Landschaft gesetzt wird“, sprach CDU-Stadtrat und Rauentals Ortsvorsteher Bertold Föry. Er fürchtet mindestens „zehn Jahre lang katastrophale Verkehrsverhältnisse“, da weder der Autobahnanschluss Rastatt-Nord noch der Kreisel Im Wöhr bis zum Start des Zentrallagers ausgebaut sein würden. Zudem sei Rauental „in jüngster Vergangenheit so einiges vor die Nase gesetzt worden und es folgt noch einiges“, womit er unter anderem auf die Erweiterung des Presswerks in Kuppenheim anspielte. Das sei tatsächlich noch nicht in die Verkehrsprognose eingeflossen, wie Ingenieur Wammetsberger zugab. Die Ansiedlungen von Ehrmann und Thelen sowie die Erweiterung des alten Gewerbegebiets sowie zusätzliche acht Prozent Verkehrspuffer wurden berücksichtigt. Edeka-Mann Seiler betonte, der Konzern habe dem Regierungspräsidium sogar vorgeschlagen, die direkte Ausfädelspur von der Autobahn ins Zentrallager vorzuziehen und sogar vorzufinanzieren. „Das geht aber leider nicht losgelöst vom Anschluss Rastatt-Nord. Und der ist uns dann zu teuer“, so Seiler bedauernd.

Verkehr soll noch mal unter die Lupe genommen werden

Auf die Frage von Gudrun Eisenhauer (SPD), welche Verkehrsauswirkungen in Rastatt, speziell im Beinle zu erwarten seien, musste Experte Wammetsberger eine Antwort schuldig bleiben. Bürgermeister Raphael Knoth schlug vor, das Verkehrsmodell nach der Sommerpause noch einmal gesondert und in aller Detailgenauigkeit vorzustellen. FDP-Stadtrat Beitzinger wollte wissen, weshalb es nicht möglich ist, das Lager per Schiene mit den anderen Edeka-Lagern zu verbinden wie es in der Schweiz üblich sei. „Das wird für Lebensmittel in den nächsten 20, 30 Jahren in Deutschland nicht mehr möglich sein“, erklärte Seiler, dass die Schweiz und Deutschland nicht vergleichbar seien – womit er nicht nur bei Beitzinger, sondern auch beim Grünen-Fraktionsvorsitzenden Roland Walter auf Unverständnis stieß. SPD-Fraktionschef Joachim Fischer bezweifelte, dass der Zeitplan mit Baubeginn im Herbst realistisch sei. Trotz „Bauchschmerzen“ (Simone Walker, FuR), wollten alle Fraktionen aber „das Beste“ (Herbert Köllner, FW) aus dem Projekt machen und beschlossen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan einstimmig.