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Das Storchenpaar, das seit Jahren an der Badner Halle brütet, ist zurück. | Foto: Collet

Adebar in Rastatt

Störche bringen sich selbst Glück und Babys

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Von Laura Zinser

Mit den Worten „auf dem letzten Hause in einem kleinen Dorfe stand ein Storchnest“ beginnt das Märchen „Die Störche“ von Hans Christian Andersen aus dem Jahre 1862. Auch nahe der Stadtmitte Rastatts an der Badner Halle ist das Storchennest wieder seit Montag besetzt. Apropos Herr Andersen und „auf dem letzten Hause“: Eigentlich ist es doch ungewöhnlich, dass so unmittelbar im Stadtgetümmel ein Storchenhorst steht. Der Vogelexperte Pierre Fingermann kennt das Storchenpaar, das zum wiederholten Male auf ihrem Stammnest an der Badner Halle brütet. „Der Storchenpapa kommt aus Daxlanden bei Karlsruhe und ist den Trubel der Stadt aus seiner Heimat gewohnt. Das wird vermutlich auch einer der Gründe sein, weshalb er sich dieses Nest ausgesucht hat.“

Paar renoviert derzeit das Nest

Es ist das gleiche Storchenpaar, das vor zwei Jahren unglücklicherweise seine Brut aufgrund eines verregneten Frühsommers verloren hat. Der Vogelexperte Pierre Fingermann, der die toten Jungtiere auffand, sagt dazu: „Viel Schmutz wie Socken oder Arbeits- und Wollhandschuhe, die häufig an der Murg zu finden sind, wurden von dem Storchenpaar zum Abdichten des Nests verwendet, was das Abfließen des Regenwassers verhinderte und schließlich zum Tod der Jungtiere führte.“ Vergangenes Jahr wurde der Storchenhorst auch nicht mit Jungtieren beschert – die Eier gingen zu Bruch. Doch neues Jahr, neues Glück: Momentan macht sich das Storchenpaar ans Renovieren des Nests. Pierre Fingermann hat aus der Vergangenheit gelernt und achtet darauf, dass das Nest nicht wieder zu dicht bebaut ist, damit zukünftig Regenwasser barrierefrei ablaufen kann. Das ungefähre Alter der Störche schätzt er auf acht und neun Jahre.

Weg der Störche
Die meisten Weißstörche überwintern in Afrika. Durch ein GPS-System oder eine Beringung lässt sich dies verfolgen. Im Frühjahr kommen sie zurück. Nach der Paarung legt das Weibchen drei bis fünf Eier, die nach etwa einem Monat im Mai schlüpfen. Die Jungtiere begeben sich kurz vor ihren Eltern in den Süden und kommen erst wieder, wenn sie geschlechtsreif sind.

 

Wem das Herz für Tiere nun zu bluten begonnen hat, sollte jedoch nicht übereifrig aktiv werden. Es mangelt den Störchen weder an Nahrung, noch setzt ihnen die Kälte zu. Storchenbeauftragter Stefan Eisenbarth aus Rheinstetten rät von Futteranlagen ab: „Störche sind Wildtiere, die nicht extern gefüttert werden müssen und sollen.“ Als Nahrungsquelle dienen den Jungtieren zu Beginn Regenwürmer, die die Eltern sammeln und wieder hochwürgen. Bei externer Storchfütterung könnten die Jungtiere das Hochgewürgte nicht aufnehmen und würden so verhungern. Frostige Temperaturen hält der Storch auch bis zu minus 25 Grad Celsius aus. Im schlimmsten Fall – sofern eine Schneeschicht liegen bleibt und ihm somit die Nahrungsquelle zerstört wird – zieht er in das Nachbarland Frankreich. Pierre Fingermann und Stefan Eisenbarth sind sich einig: Die beste Methode den Störchen zu helfen, ist sie in Ruhe zu lassen. Nur so können sie die Menschen erfreuen, sich selbst Glück bringen – und weiter viele Babys.