Vor dem Durchbruch? Für zwei Wochen rollt der Elektrobus „Solaris Urbino 12 electric“ durch die Rastatter Straßen. Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) geht der Frage auf den Grund, ob die Zeit reif ist für Elektromobilität. | Foto: Collet

Elektrobus in Rastatt

Stromer dreht erste Runden auf Probe

Anzeige

Nahezu geräuschlos kommt er um die Ecke: Ein Stromer der besonderen Art rollt seit Dienstag (16. Oktober) durch die Straßen Rastatts. Auf der Innenstadtlinie 239 ist erstmalig und probeweise ein batteriebetriebener Elektrobus im Einsatz.

Probebetrieb auf der Innenstadtlinie 239

„Wir haben uns gefragt, wie die Zukunft des Nahverkehrs aussehen wird“, sagt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Rastatt (VERA). „Elektromobilität ist aktuell in aller Munde“, ergänzt sein Kollege Jürgen Matheis, ebenfalls Geschäftsführer der VERA. „Daher wollten wir herausfinden, ob die Zeit in Rastatt schon reif ist für einen batteriebetriebenen Elektrobus“, sagt er.

Der Markt ist trotz allem noch nicht reif.

Jürgen Matheis, Geschäftsführer VERA

Die bisherige Probephase in Lahr, wo der „Solaris Urbino 12 electric“ seit dem 14. April in Betrieb war, habe der Bus ohne Probleme überstanden. „Der Markt ist trotz allem noch nicht reif“, macht Matheis ohne Umschweife deutlich. Bisher gebe es noch zu wenig Anbieter entsprechender Fahrzeuge. „Erste E-Busse von deutschen Herstellern sind erst in etwa einem Jahr zu erwarten“, sagt er. Das Modell in Rastatt stamme aus Polen.

Batterie macht das Fahrzeug schwerer

Neben WLAN, USB-Steckdosen und einer Klimaanlage verfügt der E-Bus über eine ähnliche Ausstattung wie konventionelle Fahrzeuge. „Durch die Batterie ist das Fahrzeug jedoch deutlich schwerer“, merkt Matheis an. „In der Kurve und beim Starten ist das spürbar“, erzählt Busfahrer Gerhard Westermann, der bereits probefahren durfte. Er und seine Kollegen sind täglich 130 Kilometer mit dem Stromer unterwegs. „Dann muss er zurück auf das Betriebsgelände der Stadtwerke und über Nacht aufgeladen werden“, so Matheis.

Auswertung nach zweiwöchiger Testphase

Obgleich nach der zweiwöchigen Probezeit zunächst eine Auswertung stattfinden soll, zeigt sich der Geschäftsführer zuversichtlich: „Ich vermute, dass es in vier bis fünf Jahren einen nennenswerten Anteil an Elektrobussen im Straßenverkehr geben wird“, so Matheis.

Bus kostet rund eine halbe Million Euro

„Wenn es einmal soweit ist und wir verstärkt auf E-Mobilität umsteigen, hoffen wir natürlich auch auf Zuschüsse vom Staat“ macht er deutlich. Der Bus, der jetzt in Rastatt erprobt wird, koste etwa eine halbe Millionen Euro. „Das ist doppelt so viel, wie wir für einen konventionellen Bus zahlen“, sagt Matheis. Dennoch sind er und Kaspryk überzeugt, dass die Vorteile einer lokalen Emissionsfreiheit langfristig überwiegen: „Der batteriebetriebene Elektrobus wird sich durchsetzen.“