Postfahrzeuge sind in der Rastatter Fußgängerzone bald Vergangenheit.
Postfahrzeuge sind in der Rastatter Fußgängerzone bald Vergangenheit. | Foto: Collet

Hauptpost in Rastatt

Stützpunkt zieht in die Industrie

Der Verkehr von Postlastern in der Fußgängerzone von Rastatt wird bald der Vergangenheit angehören. Wie ein Sprecher der Deutschen Post gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten bestätigt, wird der Stützpunkt der ehemaligen Hauptpost in die Industriestraße 15 verlegt. Damit werden allerdings auch alle Postfächer aus der Innenstadt in die Industrie verlagert.

Postvertrieb bleibt erhalten

Rund 70 Mitarbeiter, so der Postsprecher weiter, werden in das neue Gebäude umziehen. Die Postbank sowie der Postvertrieb bleiben allerdings in der Hauptpost erhalten.
Damit geht ein Wunsch in Erfüllung, der in den politischen Gremien seit Jahren geäußert wurde. Immer wieder wurde kritisiert, dass der Lieferverkehr der Post durch den oberen Teil der Poststraße fahre. Dies wäre umso mehr zum Störfaktor geworden, als der Postplatz zwischen Schlossgalerie und Museumstor neu gestaltet werden soll. „Es ist grundsätzlich gut, wenn Verkehr und Lärm hier reduziert werden“, erklärt Stadtplaner Markus Reck-Kehl im BNN-Gespräch.

Weniger Lärm

Allerdings werde es weiterhin Lieferverkehr geben entlang der Fußgängerzone. Für die Bebauung auf dem Hatz-Areal ist der Schritt der Post ebenfalls positiv, da nun der Schallschutz unter Umständen entfallen könne. Reck-Kehl weist indes darauf hin, dass die Verlagerung der Briefauslieferung ins Industriegebiet zusätzliche graue Postkästen in der Innenstadt zur Folge haben könnte. In diesen Kästen werden Briefe gelagert, die von den Zustellern dort abgeholt werden. Bisher erhielten sie ihre Sendungen direkt im Gebäude der Hauptpost.

Kritik einiger Kunden

Schon bis Ende Juni will die Post aus ihrem derzeitigen Domizil ausgezogen sein. „Das wird sukzessive geschehen, am 30. Juni läuft unser Mietvertrag aus“, erklärt der Postsprecher. Der Umzug sei überfällig, da solche Verteilzentren grundsätzlich in Ortsrandlagen angesiedelt würden. „Früher war das anders, da baute man die Post immer in die Innenstadt, möglichst auch in die Nähe eines Bahnhofs“, so der Sprecher.
Unterdessen beschweren sich Nutzer der Postfächer, dass sie nun in die Industrie fahren müssten. Der neue Standort sei „ein Unding“.

Kommentar: Ab die Post
Veränderung ruft zunächst einmal Protest hervor. Die Postfächer ziehen nach vielen Jahrzehnten von der Hauptpost in das Industriegebiet um. Wer bisher seine Post zu Fuß abholen konnte, muss nun mit dem Fahrrad oder dem Auto fahren. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer bisher aus der Industrie, wo es sicherlich viele Betriebe mit Postfach gibt, in die Innenstadt fahren musste, erreicht sein Postfach bald zu Fuß. Außerdem: Die Parksituation ist künftig deutlich besser als auf dem überfüllen Postplatz. Jede Neuerung hat ihre Vor- und Nachteile. Ein großer Vorteil liegt auf der Hand: Endlich wird der Lasterverkehr aus der Fußgängerzone verbannt. Die Stadträte haben kaum noch zu hoffen gewagt, dass es irgendwann soweit kommen würde, nun ist es so weit. Abseits aller persönlichen Befindlichkeiten hat das städtebaulich große Vorteile. Die Umgestaltung des Postplatzes, mit der am oberen Ende der Fußgängerzone deutlich mehr autofreies Flair entstehen wird, dürfte nun noch mehr Spaß machen. Da kann man den Planern nur zurufen: Ab die Post! Gewiss: Wenn ein Hauptstützpunkt der Post aus der Innenstadt herausgenommen wird, blutet manchem Nostalgiker das Herz. Dies ist aber das Ergebnis einer längst getroffenen politischen Entscheidung. Als die Deutsche Bundespost im Jahr 1995 zerschlagen und der gewinnbringende Teil zur Telekom umgewandelt wurde, jubelten viele Bundesbürger darüber, dass dieser behäbige Beamtenriese endlich mit den Gesetzen des freien Marktes konfrontiert wird. Im Ergebnis wurde aber ein Postschalter nach dem anderen geschlossen, einen weiteren Schritt erleben die Rastatter jetzt.
Gut möglich, dass der damalige Jubel nicht sehr weitsichtig war.