An einem der Bühnen-Züge in der Badner Halle steht Techniker Johannes Kremer. Die Veranstaltungshalle, die im kommenden Jahr 30 wird, ist jährlich Schauplatz für 130 bis 150 Events.
An einem der Bühnen-Züge in der Badner Halle steht Techniker Johannes Kremer. Die Veranstaltungshalle, die im kommenden Jahr 30 wird, ist jährlich Schauplatz für 130 bis 150 Events. | Foto: Kastner

Backstage mit dem Techniker

Stufe für Stufe durch das Labyrinth in der Badner Halle Rastatt

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Sie sind klein, groß, altehrwürdig oder modern. Manche mögen es eher laut, bei den anderen werden leisere Töne angeschlagen: Die Konzerthäuser, Hallen und Theater in der Region locken jährlich tausende Besucher an. In der BNN-Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und beleuchten, wer den Künstlern die Bühne bereitet.

Konfetti über dem Türkenlouissaal: Die Spuren der Fastnacht sind noch sichtbar – zumindest, wenn man Techniker Johannes Kremer durch ein Labyrinth von Gängen und Treppen von der Bühne mit ihrem schwarzen, angeschrammten Boden auf die Beleuchterbrücke der Badner Halle in Rastatt folgt. Im Backstage-Bereich schließt er die Türen zu den Garderoben auf: Vorbereitungs- und Rückzugsraum für die Künstler. Was sofort ins Auge springt, sind die Spiegel mit ihrer weißen Fassung und den Lichtern an der Seite.

Licht am Ende der Korridore

Weiter dem Mann in Schwarz nach. Sich hinter der Bühne schnell zurechtzufinden, fällt nicht gerade leicht. Und noch etwas: Man macht Meter. Es geht durch die Korridore, in die sich ein Besucher selten oder – und das ist eher wahrscheinlich – gar nicht verirrt. Dann ist Treppensteigen angesagt. Kurz den Kopf eingezogen, über einen Steg und dann ist man da. Hier, etliche Meter über dem Saal, steht eine stattliche Batterie mit 750-Watt-Scheinwerfern, die die Protagonisten auf der Bühne strahlen lässt – oder auch ins Schwitzen bringt.

Spot an: 750-Watt-Scheinwerfer auf der Beleuchterbrücke bringen Licht auf die Bühne.
Spot an: 750-Watt-Scheinwerfer auf der Beleuchterbrücke bringen Licht auf die Bühne. | Foto: Kastner

„Du brauchsch halt hell“, sagt der 64-jährige Kremer. Bei Projektionen könne man kein Kerzenlicht gebrauchen. Die Lichterbatterie kann individuell über die Regie angesteuert werden, erzählt Kremer. Er tritt einen Schritt zurück. Auf dem Boden der Beleuchterbrücke liegen noch zwei alte Scheinwerfer.

Bekannte Künstler auf der Bühne

Wenn man es so nimmt, ist die Badner Halle mittlerweile ihrer Jugend entwachsen: Das Gebäude wird im kommenden Jahr 30 und hat schon viel erlebt. Fats Domino, Ray Charles, Udo Jürgens – die steinernen Sterne vor dem Eingang zeugen davon, dass hier schon die ganz Großen des Showbiz aufgetreten sind.

Badner Halle wird modern

„Es ist ein ständiger Modernisierungsprozess“, sagt Carola Gerbeth, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Kultur und Veranstaltungen. Viel von der Beleuchtungstechnik sei mittlerweile auf LED umgestellt worden. Zehn Züge sind an der Bühnendecke installiert – Tragevorrichtungen, die je 500 Kilo Last aufnehmen und an denen je nach Bedarf Kulissen, Projektionsleinwände oder, wie an diesem Tag, Scheinwerfer installiert werden können. Der Saal ist noch bestuhlt und halb leere Limoflaschen auf dem Boden der Bühne zeugen von der Feier am Vorabend: Ein Tanzschul-Abschlussball. Von den Spuren wird bald nichts mehr zu sehen sein – am frühen Nachmittag kommen die Abbauhelfer.

Investitionen in Technik und Akustik

Es bedeute viel Aufwand, das Gebäude in Schuss zu halten, sagt Gerbeth. Im Wirtschaftsplan sind für 2019 rund 90 000 Euro eingestellt. Ein Großteil, so die Betriebsleiterin, geht in die Technik. 2018 wurde die Heizzentrale erneuert – ein paar Jahre davor war es die Klimaanlage. Auch in Richtung Barrierefreiheit werde geprüft, wie man diese Sache angehe, sagt sie. Aber nicht nur dort wurde investiert. Auch die Akustik im Saal habe man verbessert, berichtet sie.

Wir müssen alles können.

Die Mischpulte sind digital und auch in puncto Glasfaserausbau ist man dran. „Wir müssen im Prinzip alles können“, sagt Gerbeth. Von der Vereinsveranstaltung bis zur Großproduktion – die Bandbreite an Events, die die Badner Halle abdeckt, ist groß – 130 bis 150 sind es pro Jahr, so Gerbeth. Eine, die Johannes Kremer besonders im Gedächtnis haften geblieben ist, ist die der Rammstein-Coverband „Stahlzeit“ mit ihrer Pyro-Show, die von den Technikern viel Vorbereitung abverlange.

Produktionen erfordern Plan

Sieben Techniker sind beim städtischen Betrieb angestellt. Die Leitung hat Frank Schober. An diesem Morgen sitzt er hinter den Computermonitoren in einem Zimmer der ehemaligen Hausmeisterwohnung und ist mit Planungen beschäftigt. Neben seinem Arbeitsplatz liegen Mappen der jeweiligen Produktionen mit Arbeitsanweisungen für die Techniker – ein guter Überblick ist alles. Apropos Überblick: Wenn man nicht in der ersten Reihe sitzt, dann hat man den auf jeden Fall in der Regie.

Licht als Arbeitsinstrument

Im schummrigen Licht steht Kremer an einem der beiden Spots mit denen man Lichtkegel auf die Bühne werfen kann. In der Mitte befindet sich der Platz für den Tontechniker und für einen, der die Videokamera bedient. Über das Treppenhaus geht es abwärts in die Katakomben der Badner Halle.

Orchestergraben wird selten genutzt.

Das Szenenbild im Möbelmagazin wird durch gestapelte Stühle und Leitungen an der Decke dominiert – hinter einer Stahltüre, verbirgt sich der Maschinengraben mit der Hubbühne. Es wird Zeit, die Welt hinter den Kulissen zu verlassen: Im Orchestergaben, der, so Kremer, leider selten genutzt wird, kann man durch einen Spalt einen Blick in den großen Saal erhaschen. Tageslicht – die Badner Halle wartet schon auf die kommenden Besucher.

Historie

Die Badner Halle wurde am 18. Mai 1990 eröffnet. „Nach zähem Ringen verwirklicht“ lautete die Überschrift in einer städtischen Pressemitteilung. Der Entstehung der Badner Halle ging im Jahr 1986 der erste Bürgerentscheid in der Barockstadt voraus – die Gegner des Projekts erreichten allerdings nicht das Quorum von 30 Prozent, heißt es in der Mitteilung. Kostensteigerungen waren auch ein Thema: Im Januar 1989 berichteten die BNN über einen aktuellen Kostenstand von rund 52,5 Millionen Mark. Ursprünglich standen 40 Millionen Mark im Raum. Die Namensgebung in „Badner Halle“ wurde nichtöffentlich am 22. Mai 1989 beschlossen – zur Auswahl standen unter anderem „Markgrafenhalle“, „Augusta-Sibyllahalle“, „Stadthalle am Klosterplatz“ oder „Bürgerzentrum am Wasserturm“.