Wildschweine
Wildschweine und andere Sauen sind von der Afrikanischen Schweinepest bedroht. | Foto: Jens Büttner

Für Menschen ungefährlich

Südwesten gut gerüstet: Wird 2019 das Jahr der Schweinepest?

Anzeige

Wird es im neuen Jahr auch in Baden-Württemberg die ersten Fälle der Schweinepest geben? Agrarminister Peter Hauk (CDU) hatte bereits im November erklärt, ein Ausbruch der Seuche im Südwesten sei wohl nur eine Frage der Zeit.

Dass diese Einschätzung nicht aus der Luft gegriffen ist, wird angesichts der ersten Nachweise in Belgien deutlich: Nur rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt haben die dortigen Behörden erste Fälle dokumentiert. Die Seuche wurde demnach bei tot aufgefundenen Wildschweinen im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Belgien nachgewiesen.

In Rumänien auf dem Vormarsch

Am deutlichsten auf dem Vormarsch ist die für Menschen ungefährliche, für Wild- und Hausschweine aber stets tödlich verlaufende Krankheit laut Landwirtschaftsministerium im westlichen Rumänien. Besonders problematisch sei, dass dort Hausschweine oft in Kleinstmengen gehalten werden, was ein effektives Monitoring erschwert. Die Stuttgarter Seuchenexperten fürchten weniger, dass sich Schweine von dort auf Wanderschaft nach Deutschland machen.

Verbreitung über Salamibrötchen

Als realistischer gilt vielmehr die Einschleppung über belegte Salami- oder Schinkenbrötchen, die – an Autobahnen achtlos weggeworfen – von hiesigen Wildschweinen konsumiert werden. Der Pesterreger kann etwa in einem Räucherschinken rund ein Jahr lang überleben. Und auf baden-württembergischen Autobahnen sind besonders viele Trucker aus Rumänien unterwegs.

Wildzäune entlang der Autobahn

Deshalb rüstet sich die Landesverwaltung derzeit mit der Aufstellung von Wildzäunen an Autobahnraststätten gegen die Schweinepest und macht den Jägern Drückjagden auf Schwarzwild mit finanziellen Anreizen schmackhaft. Ziel ist es, die nach wie vor zu hohen Wildschweinpopulationen im Südwesten einzudämmen, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Im aktuellen Jagdjahr 2017/18 wurden im Südwesten laut dem Landwirtschaftlichen Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf 78 606 Wildschweine erlegt. Das entspricht einer Steigerung um 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch immer gelten die Bestände aber als zu hoch.

Mehr als 1000 Fälle bei Hausschweinen

Laut den jüngsten Informationen, die die Europäische Union von den rumänischen Agrarbehörden übermittelt bekommen hat, sind in dem südosteuropäischen Land im vergangenen Jahr 1151 Pestfälle bei Hausschweinen sowie 151 bei Wildschweinen aktenkundig geworden. Mehr als 230 000 Mastschweine wurden demnach bis einschließlich November in zwölf von 42 rumänischen Landkreisen präventiv getötet. Insider gehen aber davon aus, dass das dadurch angefallene Fleisch – auch wegen seiner Ungefährlichkeit für den Menschen – mindestens teilweise weiterverarbeitet wurde.

Land hat Weichen gestellt

Baden-Württemberg hat laut Agrarministerium die Weichen dafür gestellt, die möglichen Auswirkungen der Tierseuche möglichst gering zu halten. Zunächst werden sämtliche von Jägern an die Untersuchungsämter eingesandten Proben eingehend geprüft. Mit Notfallplänen und weiteren Maßnahmen zur Biosicherheit für Hausschweinbetriebe hat sich das Land für das Auftreten der Schweinepest gerüstet; aufgestockt hat man die Zahl der sogenannten Verwahrstellen in den Wäldern. Dort werden aufgebrochene Kadaver oder verendete Wildschweine unzugänglich für andere Tiere gelagert. Angepasst hat das Land auch die Regelungen zur Wildschweinjagd: So wurde die allgemeine Schonzeit ausgesetzt und die Anlockfütterung zur Bejagung im selben Zeitraum erlaubt.

Blauzungenkrankheit in Rastatt

Während die Afrikanische Schweinepest in Baden-Württemberg noch nicht nachgewiesen wurde, ist die so- genannte Blauzungenkrankheit in einem Rinderbestand in Ottersweier (Landkreis Rastatt) aufgetreten. Die Behörden reagierten darauf mit Einrichtung einer Sperrzone von 150 Kilometern Radius. Die Blauzungenkrankheit ist eine Virusinfektion, die Schafe, Ziegen und Rinder befallen kann und unterschiedlich schwer verläuft. Für Menschen ist sie ungefährlich. Typisches Symptom ist eine Schwellung der Zunge, die sich in der Regel bläulich verfärbt. Sie tauchte in der Vergangenheit vor allem in Südeuropa und Afrika auf.