Professionell entsorgt werden die Weihnachtsbäume der Rastatter von einem Privatunternehmen, das den gestrigen Stolz der Wohnzimmer entweder verbrennt oder zu Kompost verarbeitet.
Professionell entsorgt werden die Weihnachtsbäume der Rastatter von einem Privatunternehmen, das den gestrigen Stolz der Wohnzimmer entweder verbrennt oder zu Kompost verarbeitet. | Foto: Collet

Entsorgung von Weihnachtsbäume

Nur ein ausgedienter Tannenbaum darf zum Fasching

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Der Tannenbaum hat seine Schuldigkeit getan, der Tannenbaum kann gehen. Bereits wenige Tage nach Weihnachten ist aus dem Sinnbild der Festlichkeit ein Entsorgungsproblem geworden. Tausendfach werden derzeit Christbäume kompostiert, verbrannt oder Tieren zum Fraß vorgeworfen.

Rastatt hat über die ganze Stadt verteilt 27 mehr oder weniger große Sammelplätze ausgewiesen, auf die die Bürger ihre ausgedienten Tannen werfen können. Und bereits jetzt ist ein Unternehmen unterwegs, die ersten Bäume einzusammeln und abzufahren. „Die werden dann zum Teil kompostiert und zum Teil thermisch verwertet“, erklärt die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg. Da dieselbe Entsorgungsfirma auch für den Landkreis tätig ist, droht allen Weihnachtsbäumen aus den Kreisgemeinden das gleiche Schicksal.

Abschied mit einem Fest

Eine Ausnahme gibt es aber doch: Weil man in Hügelsheim nichts lieber tut, als zu feiern, hat man auch die Frage, wie man den nadelnden Baum los wird, mit einem großen Fest beantwortet. In Anlehnung an den Werbespot eines skandinavischen Möbelhauses heißt die große Weihnachtsbaumverbrennung des Hügelsheimer Carneval Clubs CNUT – kurz für „Carnevalclub Needs Used Trees“.

Tannenbaum für den guten Zweck

„Wir rufen alle Hügelsheimer auf, ihren alten Christbaum am 11. Januar ab 17 Uhr an die Grillhütte zu bringen“, erklärt Carnevals-Präsident André Rupprecht den Brauch. Für eine Gebühr von einem Euro werden die dürren Bäume dann unter dem Beifall der Bürger verbrannt. Das Geld, das für die Bäume eingenommen wird und auch das, das beim Glühwein- und Punsch-Verkauf herein kommt, wird für einen guten Zweck gespendet.

Ich verfüttere sie gerne an meine Ziegen.

Als guten Zweck verstehen es auch die Ziegen, wenn ihnen ein Christbaum gespendet wird. Ziegenexperte Hans-Jörg Wiederrecht besteht für seine Tiere allerdings auf Bioware. „Ich verfüttere gerne ausgediente Weihnachtsbäume an meine Ziegen“, verrät der Vorsitzende der Ziegenfreunde Bermersbach. „Aber die Bäume müssen grundsätzlich unbehandelt sein. In vielen Christbaumkulturen werden die Pflanzen gespritzt und gewachst. Das ist für die Tiere nicht gut und meistens rühren sie die behandelten Bäume auch gar nicht an.“

Eine nachweihnachtliche Freude ist dem Geißbock Bernd der Verzehr eines biologisch aufgewachsenen Christbaums.
Eine nachweihnachtliche Freude ist dem Geißbock Bernd der Verzehr eines biologisch aufgewachsenen Christbaums. | Foto: Ehmann

Keine Entsorgung beim Ziegenhalter

Über Biotannen fallen die Wiederkäuer hingegen gerne her – als später Weihnachtsschmaus sozusagen. Weil aber nur selten jemand weiß, ob sein Baum nun aus biologischen Anbau stammt oder nicht, nehmen die Ziegenhalter generell keine Weihnachtsbäume zur Entsorgung an sondern verfüttern nur die Bäume, deren Herkunft ihnen persönlich bekannt ist.

Lametta als Problem

Während den Ziegen vor dem chemischen Pflanzenschutz graust, haben die Kompostierer Probleme mit in den Nadeln verbliebenem Lametta. „Wir haben unsere Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass Lametta und anderer Schmuck restlos entfernt sein muss, bevor die Weihnachtsbäume auf unserer Grünschnittanlage abgegeben werden“, sagt Susanne Huber, Abfallberaterin der Stadt Baden-Baden. Gleiches gilt auch für Gaggenau, wo die Tannenbäume ebenfalls zerkleinert und kompostiert werden.

Die Spitze wird abgesägt

Weiterleben darf hingegen zumindest ein Teil von Rastatts vornehmstem Weihnachtsbaum, der großen Tanne, die noch bis zum Mittwoch vor dem historischen Rathaus steht. „Der Baum wird abgeholt und die Spitze wird abgesägt“, verrät Dießelberg. Und während der große Rest des Baumes den Weg allen Irdischen geht, hat der höchste Meter der stolzen Tanne ein zweites Leben als Narr vor sich.

Rückkehr auf dem Narrenbaum

„Die Spitze des Weihnachtsbaumes wird auf den Narrenbaum gesetzt, der derzeit noch bei den technischen Diensten lagert“, so Dießelberg. Damit kehrt zumindest ein letzter Weihnachtsmeter schon am Samstag, 12. Januar, beim Narrenbaumstellen auf den Rastatter Marktplatz zurück, bis er dann am Aschermittwoch endgültig seine Schuldigkeit getan hat.