Das Löschfahrzeug nimmt die Kurve von der Niederbühler Hans-Thoma-Straße in die Hildastraße noch locker, obwohl ein Auto auf der schraffierten Halteverbotsfläche parkt. Die Drehleiter (rechts im Bild) wäre an der Stelle allerdings nicht mehr ums Eck gekommen. | Foto: Collet

Rastatt ist zugeparkt

Tatütata! Die Feuerwehr … steckt fest

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Wenn der Piepser geht, dann läuft die Zeit: In Windeseile werfen sich die Feuerwehrleute in ihre Kluft und eilen zu den Löschautos. Nur Minuten nach dem Alarm sind die knallroten Fahrzeuge auf dem Weg, um den Flammen den Garaus zu machen. Wenn sie es denn überhaupt bis zum Einsatzort schaffen. Denn so unglaublich es klingt: Oft genug stecken die Lebensretter fest. Und Schuld daran sind falsch geparkte Autos.

Feuerwehr schleicht in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen

Die Abteilungen Kernstadt Rastatt II und Niederbühl machen sich mit einem Löschfahrzeug und der großen Drehleiter zu einer Kontrollfahrt auf den Weg. Die Wehrleute kennen die Ecken, an denen es besonders oft klemmt. Die erste ist nicht weit vom Niederbühler Feuerwehrhaus am Kanaldamm entfernt. „Normalerweise stehen die Autos schon hier bis an die Einmündung“, ist Marco Lorch, stellvertretender Kommandant der Kernstadt II, überrascht. Heute kommt das zehn Meter lange Drehleiterfahrzeug mit seinem 14 Meter Wenderadius ausnahmsweise bequem um die Ecke. Doch schon kurz vor der Hildastraße stockt es dann tatsächlich. Auf beiden Straßenseiten parken Autos. Im Schneckentempo lenkt Gesamtkommandant René Hundert das Auto durch die Engstelle. Rechts und links ist gerade mal eine Handbreit Platz. „Da fahre ich mit Schrittgeschwindigkeit. Auch im Einsatz“, sagt Hundert schulterzuckend.

Brandschutzzone und Co
Damit die Feuerwehr ungehindert zu ihren Einsatzorten kommen und dort auch effektiv arbeiten kann, gibt es Brandschutzzonen und Feuerwehrzufahrten. Während erstere garantieren, dass genug Fläche da ist, um etwa eine Drehleiter aufzustellen, sollen letztere dafür sorgen, dass die Löschfahrzeuge überhaupt am Einsatzort ankommen. Beide sind mit eigenen Schildern ausgewiesen. Manchmal weist auch nur ein Halteverbotsschild auf die Zufahrten hin. In jedem Fall dürfen hier laut Straßenverkehrsordnung keine Autos geparkt werden.
Auch Kreuzungen müssen großzügig freigehalten werden und zwar fünf Meter bis zur Einmündung. Sonst kommen lange Fahrzeuge nicht um die Kurve. Manchmal sind die entsprechenden Flächen durch Schraffur gekennzeichnet. Was viele nicht wissen: In Spielstraßen darf nicht geparkt werden. Lediglich auf ausgewiesenen Flächen dürfen Autos stehen. Grundsätzlich ruft die Feuerwehr dazu auf, eingezeichnete Flächen zu achten und nicht darüber hinauszuragen. (hu)

 

Kurz darauf das nächste Nadelöhr: In der Einmündung der Hans-Thoma-Straße steht ein grüner Opel auf der schraffierten Fläche. „Diesmal passt das noch so gerade. Aber wären wir von der anderen Seite gekommen, hätten wir keine Chance gehabt“, sind sich Hundert und Lorch einig. Sie kennen solche Situationen zur genüge. Erst kürzlich steckte die Drehleiter bei einem Kaminbrand gleich drei Mal fest. „Die Kollegen in Steinmauern haben am Ende 15 Minuten auf uns gewartet, weil wir einmal komplett außenrum fahren mussten.“ Und das nur, weil die meisten Menschen ihr Auto direkt vor der Haustür abstellen wollen – Kreuzungsbereich hin, schraffierte Fläche und Halteverbot her.

Warten heißt es jetzt für Fahrzeugführer Marco Lorch. Ein Kleinwagen versperrt ihm den Weg von der Florastraße in die Nelkenstraße. Die Hausbewohner beobachten die Szene mit Interesse. | Foto: Collet

Endstation Grünewaldstraße

Endgültig Endstation ist dann beim Abbiegen von der Grünewaldstraße in die Kirchstraße: Hier steht ein SUV mitten in der Einmündung. Während das etwas kleinere Löschfahrzeug noch mit Hängen und Würgen durchpasst, ist für die große Drehleiter nun wirklich Schicht im Schacht. Würde es am anderen Ende der Straße tatsächlich brennen, hätten die Feuerwehrleute keine Chance durchzukommen. Denn falsch geparkte Autos im Einsatz einfach so beschädigen ist nicht erlaubt. „Du stehst mit einem Fuß im Grab und mit dem anderen im Gefängnis“, zitiert Wehrmann Lorch ein geflügeltes Wort der Fahrzeugführer.
„Gut, dass ihr das macht“, ruft ein Autofahrer und erzählt, an dieser Stelle sei immer alles zugeparkt. Und da kommt tatsächlich auch der SUV-Besitzer um die Ecke und klimpert mit den Autoschlüsseln. Klar, sei ihm bewusst, dass er dort nicht optimal stehe. „Aber es war ja keine Sirene an“, sagt der Mann völlig ungerührt. Außerdem sei der nächste Parkplatz erst am Ende der Straße frei gewesen.

Auch die Innenstadt ist zugeparkt

Die Bequemlichkeit der Autofahrer ist auch in der Kernstadt allgegenwärtig. An der T-Kreuzung von Flora- und Nelkenstraße steht mitten im Kreuzungsbereich ein Kleinwagen. Im Wohnhaus werden die Bemühungen der Feuerwehr, dennoch um die Kurve zu kommen, entspannt beobachtet. Irgendwann ruft eine Frau aus einem Fenster: „Ist der im Weg? Dann fahre ich ihn weg.“ Kaum hat sie das getan und noch bevor sich das Drehleiterfahrzeug in Bewegung setzen kann, will schon der Nächste dort parken.

Auch ein Smart kann Rettungswege versperren. Bei der Einfahrt in den Ludwig-Sallinger-Weg ist Millimeterarbeit gefragt. | Foto: Collet

Das Haus in der Spielstraße wäre abgebrannt

In der Rheinau sieht es nicht besser aus. Ein Smart parkt die Zufahrt in den Ludwig-Sallinger-Weg zu. Ohne Einweiser geht hier nichts mehr. Während Lorch zentimeterweise rangiert, macht Hundert den Einweiser. Es dauert mehrere Minuten, bis das Auto endlich durch die Spielstraße fahren kann. Diesmal ist es nur eine Kontrollfahrt, und so wundert es nicht, dass Kommandant Hundert sogar noch ein gewisses Verständnis für die Parker aufbringen kann. „Jeder hat doch sein eigenes Leben. Es denkt doch keiner daran, dass gleich die Feuerwehr kommen könnte. Schließlich wollte man doch ,nur mal kurz‘ halten.“