Ein Zeugnis barocker Frömmigkeit: Die Eremitage im Garten des Rastatter Schlosses Favorite. | Foto: SSG

60 Monumente nehmen teil

Themenjahr „Todeshauch und Ewigkeit“ in den Schlössern und Gärten beginnt

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Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) stellen dieses Jahr ihre rund 60 Monumente unter der Überschrift „Unendlich schön. Todeshauch und Ewigkeit“ vor. Sonderführungen und Vorträge sowie Ausstellungen, Konzerte und Tanzvorführungen sollen Besucher verstehen lassen, wie im Südwesten die einstigen Herrscher versuchten, die Zeit zu überdauern.

Nach dem Tod nicht vergessen werden – ein nachvollziehbarer Wunsch. Kein Wunder also, dass Markgrafen und Fürsten danach strebten, in Erinnerung zu bleiben. Sie hinterließen der Nachwelt imposante Bauwerke und blühende Gärten. Der Vergänglichkeit zum Trotz. Und von unendlicher Schönheit, wie die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg meinen.

Der Verbund stellt 2020 unter die Überschrift  „Unendlich schön. Todeshauch und Ewigkeit“. Das Sonderprogramm soll dazu animieren, die Monumente des Landes zu besuchen und aus einem neuen Blickwinkel kennen zu lernen. Einige Höhepunkte aus dem Programm des Themenjahres in der Region:

Schloss Schwetzingen

Der Adel wollte ein vollkommenes Bild von sich vermitteln. Und das nicht erst nach dem Tod. So wurde sich gepudert und parfümiert. Dem Schönheitsideal des 18. Jahrhunderts widmen sich zwei Führungen durch das Schwetzinger Schloss: Um die „Sehnsucht nach Vollkommenheit“ geht es an fünf Terminen, das nächste Mal am Sonntag, 19. April, um 14.30 Uhr. Die Porträts „zeitloser Schönheiten“ stehen Ende des Jahres an zwei Sonntagen im Mittelpunkt.

Der Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten soll zeigen, wie vergänglich alles ist. | Foto: SSG

Weitere Programmpunkte: Bei einem Rundgang durch den Schlossgarten erfahren Besucher, welche „Steine für die Ewigkeit“ gedacht waren – am Sonntag, 5. April. An drei weiteren Sonntagen findet die Führung statt: Am 21. Juni, am 9. August und am 4. Oktober. In die Welt der Mythologie entführt „Monumente der Antike“ am Samstag, 9. Mai.

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Schloss Heidelberg

Friedrich V. und Elizabeth Stuart gelten als Traumpaar des 17. Jahrhunderts. Von ihrer Liebe erzählt noch heute das Elisabethentor, das der Kurfürst für seine Gemahlin in angeblich nur einer Nacht errichten ließ. Einen Einblick in das Leben der beiden erhalten die Teilnehmer der Führung „Das Schönste für die Teuerste“ am Freitag, 14. Februar.

Zeugnis großer Liebe: Das Elisabethentor im Heidelberger Schloss. | Foto: SSG

Zu welchen Mittelchen der Adel griff, wenn Schmerzen der Schönheit zusetzen, verrät eine weitere Führung durch das Heidelberger Schloss. Sie findet am Sonntag, 1. März, das erste Mal statt. Ein Denkmal setzten viele Dichter der Ruine am Neckar. Wer und wie – darum geht es bei der Führung „Ein Monument, dauerhafter als Stein“ am Sonntag, 22. März, und Sonntag, 21. Juni.

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Schloss Bruchsal

Wie reagieren, wenn das Hinterlassene zerstört wird? Am 1. März jährt sich der Bombenangriff auf Bruchsal zum 75. Mal. Das Schloss nimmt dies zum Anlass, von Zerstörung und Wiederaufbau zu erzählen. Eine Architektin und eine Konservatorin spannen um 15 Uhr den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis ins Jahr 2017 (Wiederholung am 4. Oktober).

Die Deckenmalereien in den Festsälen des Bruchsaler Schlosses verherrlichen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Hochstifts Speyer. | Foto: SSG

Außerdem zeigt um 17 Uhr das Deutsche-Musikautomaten-Museum – es befindet sich im Schloss – den Animationsfilm „Mathildes Reise“. Die Künstlerin Carmen Oberst verarbeitet darin die Erinnerungen ihrer Mutter an den Tag und die Zeit danach. Um 18 Uhr lädt die katholische Bezirkskantorei zu einem Friedenskonzert in die damals völlig zerstörte Hofkirche ein. Und ab 19.30 Uhr werden bis 22 Uhr alle 30 Minuten Bilder der Zerstörung und des Wiederaufbaus an die Schlossfassade projiziert. Als leise und nachdenkliche Mahnung, so die Veranstalter. Auch in den Monaten danach blickt Bruchsal immer wieder auf das Gestern und Heute.

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Schloss Favorite Rastatt

In Rastatt wird die Vergänglichkeit mit Hilfe von Porzellan thematisiert. Genauer: mit dessen Zerbrechlichkeit. Im Schloss Favorite befindet sich eine der bedeutendsten Porzellansammlungen des 18. Jahrhunderts. Wer für die fragilen Stücke einst eine Leidenschaft hegte, lernen die Teilnehmer der Führung „So zerbrechlich“. Sie findet am Sonntag, 15. März, statt, danach nochmals am 3. Mai und 8. November.

Durch die Jahrhunderte reisen diejenigen, die an der Führung durch das Schloss Favorite und seinen Garten am 4. Juli oder am 17. September teilnehmen. „Von Glanz und Vergänglichkeit“ hören Besucher am Sonntag, 19. Juli, sowie im August und Oktober. Die Führung durch Schloss und Eremitage soll ihnen Symbole erschließen, die auf die düsteren Seiten des Barock hinweisen.

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Grabkapelle Karlsruhe

Schön sein bis in alle Ewigkeit: Als Ludwig Wilhelm 1830 in jungen Jahren starb, ließen die trauernden Eltern, das badische Großherzogspaar, im Karlsruher Hardtwald eine Grabkapelle für ihren Sohn errichten. Sie gilt als architektonisches Kleinod, neben dem Prinzen liegen dort weitere Familienmitglieder in prächtigen Gräbern. Interessierte hören von April bis Oktober jeden zweiten und vierten Sonntag um 14.30 Uhr die Geschichte des Herrscherhauses und besuchen die Gruft.

Eine lebensgroße Figur aus weißem Carrara-Marmor erinnert in der Großherzoglichen Grabkapelle Karlsruhe an Prinz Ludwig Wilhelm. | Foto: SSG

Weitere Infos zum Programm des Themenjahres und Anmeldung unter Telefon (0 62 21) 6 58 88 15 und unter www.schloesser-und-gaerten.de.