Handarbeit: Gemeinsam mit Zimmermann Felix Traub (oben) baut Kay Stülpnagel in seiner Tiny Houses Manufacture in Steinmauern Häuschen auf 16 bis 20 Quadratmetern. Ökologische Aspekte berücksichtigt er ebenso wie Platzspar-Gründe, etwa beim Möbelbau.
Handarbeit: Gemeinsam mit Zimmermann Felix Traub (oben) baut Kay Stülpnagel in seiner Tiny Houses Manufacture in Steinmauern Häuschen auf 16 bis 20 Quadratmetern. Ökologische Aspekte berücksichtigt er ebenso wie Platzspar-Gründe, etwa beim Möbelbau. | Foto: Collet

Mini-Häuser als Alternative

Tiny Houses aus Rastatt schaffen kompakten Wohnraum

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Schon Peter Lustig hat in der Kinderserie „Löwenzahn“ vor vielen Jahren bewiesen, dass es sich in einem ausgebauten blauen Bauwagen ganz gut aushalten lässt. In Zeiten von Wohnraummangel und steigenden Immobilienpreisen wirft ein Trend aus den USA die Frage auf, was man zum Leben wirklich braucht. Tiny Houses – übersetzt etwa Mini-Häuser – gelten für einige nicht nur als Lösung der Probleme, sondern symbolisieren ein Stück Freiheit.

Davon ist auch Kay Stülpnagel überzeugt. Der 23-jährige Jungunternehmer baut in Steinmauern mobile Häuschen auf 16 bis 20 Quadratmeter. Doch Stülpnagel will nicht nur praktische Häuser schaffen, er verfolgt auch einen architektonischen Anspruch. Moderner Komfort soll ebenfalls nicht fehlen.

Alles in Einem

Daher gründete er 2016 seine Firma KMS Tiny House Manufacture. „Ich habe meine eigenen Visionen und Ideen“, betont er. Vom Grundgerüst über die Möbel bis hin zur Elektrik und den Sanitäranlagen: „Wenn man Tiny Häuser baut, muss man mehr können als nur eine Sache“, sagt Stülpnagel. Alles Notwendige hat er sich selbst beigebracht. Seit einigen Monaten wird er lediglich von seinem ersten festen Mitarbeiter, einem Zimmermann, unterstützt.

Unsere Tiny Häuser gelten als Ladung.

Stülpnagels Bauwerke sind zwar mobil, aber nicht wie etwa ein Wohnwagen an Rädern montiert. Vielmehr seien sie dazu da, langfristig an einem Platz abgestellt zu werden. „Unsere Tiny Häuser gelten deshalb als Ladung“, erklärt er. Daher müssen sie straßenverehrstauglich sein: maximal vier Meter hoch und rund zweieinhalb Meter breit.

Die Innenausstattung vom Bett bis zur Küche schreinert Kay Stülpnagel selbst. Für Strom und Licht sorgt er ebenfalls..
Die Innenausstattung vom Bett bis zur Küche schreinert Kay Stülpnagel selbst. Für Strom und Licht sorgt er ebenfalls.. | Foto: Collet

Individualität beginnt bei 30.000 Euro

Jedes Mini-Haus ist individuell auf die Kunden angepasst, betont der Jungunternehmer. Zwischen 30.000 und 80.000 Euro kosten seine Modelle etwa, so Stülpnagel. Der ökologische Gedanke stehe ebenso im Fokus: Das meiste ist aus Holz, die Dämmung aus Schafswolle und im Bad steht schon mal eine Kompost-Toilette. „Von der Stange gibt es hier nichts.“

Die Kunden wollen ihr Häuschen zeitnah haben.

Die Vorplanungen seien daher intensiv und könnten bis zu zwei Monate dauern. Die Bauphase selbst sei meist in sechs bis acht Wochen abgeschlossen. „Die Kunden wollen ihr Häuschen zeitnah haben“, erzählt er. Bereits in der Schulzeit baute Stülpnagel im Alter von 17 Jahren seinen ersten Bauwagen aus. Über zwei Jahre lang hat er darin gelebt. Derzeit wohnt er zwar in einer üblichen Wohnung – doch sein Ziel ist es, langfristig wieder eines der kompakten Häuser zu beziehen.

Tiny Houses werden selten genehmigt

„Egal ob auf Rädern oder ohne, die kleinen Häuser sind genau wie große baurechtlich genehmigungspflichtig“, erklärt Lothar Köstel, Stellvertretender Amtsleiter für Baurecht im Landratsamt Rastatt. Dort seien bereits einige Anfragen für Tiny Houses angekommen, ein konkreter Antrag sogar eingereicht. Genehmigt wurde bisher jedoch noch nichts. In manche Bebauungspläne von Gemeinden etwa passen die Häuschen nicht rein, vermutet er. Außerorts sind diese grundsätzlich nicht zulässig. „Schließlich handelt es sich hierbei um dauerhaft genutzte Aufenthaltsräume“, fügt Köstel hinzu.

Mittlerweile zahlt man für eine Wohnung, die genauso groß ist, teilweise sogar mehr.

Innerorts gebe es jedoch Orte, an denen ein Mini-Haus baurechtlich durchzusetzen wäre. „Tiny Houses sind eine kostengünstige Art, um schnell an Wohnraum zu kommen“, sagt Köstel. „Aufgrund der steigenden Immobilienpreise wird der Trend sicher weiter zunehmen“, vermutet er. „Mittlerweile zahlt man für eine Wohnung, die genauso groß ist wie so ein Häuschen, teilweise sogar mehr.“

Anforderungen sind hoch

Stülpnagel ist sich ebenfalls sicher, mit seiner Idee einen Nerv getroffen zu haben: „Der Wohnungsmangel ist da. Immer öfter höre ich von der Not der Leute.“ Doch darüber hinaus äußern viele den Wunsch nach Minimalismus. Er vermutet: „Sie wollen zurück zu sich und zur Natur. Tiny Häuser sind ein Stück Freiheit.“ Doch um die Möglichkeit zu nutzen, sei zunächst die Politik gefordert: „Wir haben wahnsinnig hohe Anforderungen, damit die Tiny Houses überhaupt legal sind.“