Tüfteln für den großen Auftritt: Rund 20 Stunden Arbeit hat das junge Team des Männergesangvereins Iffezheim in seine Seifenkiste gesteckt. Lenken wird das Gefährt Yannick Erhard (Zweiter von links). | Foto: Collet

Fanfarenzug Iffezheim

Tollkühne Männer in ihren flitzenden Kisten

Anzeige

Mal ernsthaft, ein wenig Wagemut gehört schon dazu, mit einem selbst gebauten Gefährt von einer 2,50 Meter hohen Rampe zu starten und eine 90 Meter lange Strecke entlangzujagen. In Iffezheim wird genau das am Samstag um 13 Uhr beim Seifenkistenrennen passieren. Dann geht es für die Flitzer und ihre Piloten durch die Lindenstraße.

Rennen zum Fanfarenzug-Jubiläum

Das Rennen ist ein Programmpunkt des 50. Jubiläums des Fanfarenzugs. Man sei gerade dabei die Rampe – ganze 1,5 Tonnen schwer – aufzubauen, berichtet Roland Schmalz, Vorsitzender des Vereins. „14 oder 15 Teams sind es am Samstag“, sagt er. Für die Renner gibt es zwei Kategorien: In „Fast and Furious“ geht es um Schnelligkeit und bei „This Beauty is a Beast!“ gibt Originalität den Ausschlag.

Männergesangverein stellt zwei Teams

Und der Männergesangverein (MGV) ist mit zwei Boliden am Start, gebaut von einem Juniorenteam und einem Seniorenteam. Beim direkten Vergleich wird klar: Seifenkiste ist nicht gleich Seifenkiste. Im Hof von David Fritz arbeiten sieben junge Männer am aufgebockten Gefährt. „Ich habe schon mit meinem Vater vor Jahren versucht, eine Seifenkiste zu bauen“, sagt Fritz.

Seifenkisten-Konstruktion folgt einem Reglement

Den Versuch habe man zwar aufgegeben, allerdings sei die Grundplatte da gewesen, die man aufdimensioniert habe. „Wir haben nach der Singstunde zusammengessen und haben gesagt, wir machen das“, erklärt Marvin Wille über die Aktion. Aber eine komplette „Frei Schnauze“-Konstruktion ist die Seifenkiste nicht: Ein Reglement gibt Länge, Spurbreite, Lenkeinschlag, Maximalgewicht und Bodenfreiheit an.

Hobby-Tüftler haben sich von Lego inspirieren lassen

Auch für die Lenkung haben sich die Hobby-Tüftler eine originelle Lösung einfallen lassen. Inspiriert wurden sie dabei von Lego: Über Rollen werden Schnüre ins Fahrzeuginnere geleitet, die dann mit einer Lenkstange verbunden sind. Gebremst wird mit einem Bremshebel, der durch den Fahrzeugboden geführt und am Ende mit einem Stück eines Fahrradreifens beschlagen wurde. Rund 20 Stunden Arbeit und 220 Euro sind bereits in das Projekt geflossen.

Wasserrohre als Auspuffattrappen

Das Holz für die mittlerweile 30 Kilogramm schwere Seifenkiste stammt aus dem Baumarkt. „Wir wollen sie noch ein wenig schwerer machen“, sagen sie. Auf der Seite sind schon Rohrschellen montiert. Die Bastler wollen dort lackierte Wasserrohre als Auspuffattrappen montieren. Mattschwarz soll der Renner werden – mit Verzierungen drauf, versichern die Seifenkistenkonstrukteure. Kann es sein, dass das jüngere Team gegen das ältere Team antritt? „Spätestens im Finale“, geben sie sich siegessicher.

Der „Mercedes Sängerpfeil“ des MGV Iffezheim. | Foto: Collet

„Sängerpfeil“ hat einen Stahlrahmen

Ein paar Straßen weiter steht der „Mercedes Sängerpfeil“ – auch auf Böcken – in einer Garage. Silbern lackiert, mit Frontspoiler, Überrollbügel und einem Stahlrahmen ist das Gefährt rund 60 Kilogramm schwer. Es ist die andere Seifenkiste des MGV, der nur noch der letzte Schliff fehlt. Als Baumaterial diente unter anderem Abfallholz einer Firma, erklärt Alexander Merkel, der stellvertretende Vorsitzende des MGV. Gelenkt wird klassisch über einen Seilzug, die Bremse hat eine Federrückstellung.

Probefahrt hat das Gefährt schon hinter sich

Knapp 15 Stunden Arbeit pro Kopf wurden in die Seifenkiste investiert. Und während beim jungen Team der Fahrer mit Yannick Erhard schon feststeht, wird bei den Älteren der Fahrer noch in einem Wettkampf ermittelt. Auch eine Probefahrt hat das Gefährt schon hinter sich – die Kinderkrankheiten seien danach aber beseitigt worden, erklärt Merkel. Die Boxencrew stehe parat und eine kleine Showeinlage soll es auch noch geben. Na, dann kann der Tag des Seifenkistenrennens ja kommen.