Umringt von Gratulanten war Toni Huber unmittelbar nach seiner Wahl zum Landrat. Der bisherige Bürgermeister von Weisenbach sieht sich gut gerüstet, die Verwaltung des Landkreises zu übernehmen. In die Gestaltung der Zukunft will er die Bürger einbinden. | Foto: Collet

Neuer Landrat

Toni Huber: „Ich weiß, was auf mich zukommt“

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Toni Huber ist Rastatts neuer Landrat. Zum 1. Mai wird aus dem Bürgermeister des beschaulichen Weisenbach im Murgtal der Chef des Landkreises. Statt für die 2.449 Menschen der Gemeinde Weisenbach, ist Huber künftig zuständig und verantwortlich für 229.000 Menschen von Au am Rhein bis Ottersweier und von Iffezheim bis Gernsbach. Ein großer Schritt für den Schultes, aber ein kleiner Schritt für den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Kreistag: Huber sitzt seit 25 Jahren im Kreistag, steht seit 14 Jahren an der Spitze der Mehrheitsfraktion und kennt das Geschäft der Landkreisverwaltung entsprechend. Was ihn umtreibt, was er plant und wie er denkt, verrät er am Tag nach der Wahl im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Roland Weisenburger.

Herr Huber, wie geht es Ihnen am Morgen nach der Wahl? Wie haben Sie geschlafen?

Huber: Ich will das nicht kleinreden, aber ich bin 25 Jahre in dem Geschäft. Ich weiß, was auf mich zu kommt. Die Nächte vor der Wahl habe ich deshalb auch sehr gut geschlafen. Am Abend nach der Wahl war ich aber tatsächlich ein wenig aufgewühlt. Ich hatte am Abend fast 400 Nachrichten auf dem Handy. Ich habe mich dran gemacht, sie zu lesen und auch zu beantworten. Dabei ist die Zeit vergangen und dann war ich doch zu aufgeregt und wach, um schnell und gut einzuschlafen.

Und die Weisenbacher? Wie schlafen die in dem Wissen, in wenigen Wochen ihren Bürgermeister zu verlieren?

Huber: Ich bin ja sehr offensiv mit meinen Plänen umgegangen, die Bürger wussten also schon seit August, was kommen konnte. Ich hatte in Besuchen und Begegnungen immer die gleiche Reaktion. Man freut sich sehr für mich persönlich, findet meinen Wechsel für Weisenbach aber schade. Das ist mir lieber so, als anders herum.

Ihr Wirkungskreis wird deutlich größer. Sie sind zugegebenermaßen ein Verwaltungsprofi. Aber der Schritt vom Weisenbacher Rathaus ins Rastatter Landratsamt ist dennoch ein sehr großer.

Huber: Aber letztlich geht es doch hier wie dort um Menschenführung. Weder ein Bürgermeister noch ein Landrat kann alles selber machen. Er muss ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern aufbauen. Ich habe in über 25 Jahren bewiesen, dass ich das kann.

Einer dieser Mitarbeiter ist Jörg Peter. Rastatts Erster Landesbeamter war gestern noch Ihr Konkurrent um den Chefsessel. Demnächst wird er Ihr Stellvertreter sein. Kann das funktionieren?

Huber: Jörg Peter war nicht mein Konkurrent, er war ein Mitbewerber. Wir sehen das beide sehr professionell. Wir hatten vor der Wahl und während der Wahl ein gutes Verhältnis und wir werden es auch in Zukunft haben.

Jürgen Bäuerle hinterlässt Ihnen ein bestelltes Feld, doch die Aufgaben und Herausforderungen gehen nicht aus. Diskutiert wird neben vielem eine Bahntrasse von Saarbrücken nach Rastatt und die Anbindung des Baden-Airparks.

Huber: Wir müssen deutlich mehr in die Schiene investieren. Da hat man in der Vergangenheit ja fast gar nichts mehr gemacht. Die Schweiz ist mit dem Ausbau der Rheintalstrecke fertig, wir planen das dritte Gleis bis 2045. Das ist eine Katastrophe. Für den Baden-Airpark erhoffe ich mir einen neuen Anstoß vom Mobilitätskonzept der Wirtschaftsregion. Ich denke, hier sollte man auch etwas größer denken und die Bahn nicht nur bis zum Airpark, sondern weiter bis Kehl führen. Wenn wir mehr Verkehr auf die Schiene bringen wollen, dann müssen wir auch mehr in die Schiene investieren. Das sind ganz dicke Bretter, die es hier zu bohren gilt. Aber wir müssen uns dran machen.

In den Vorstellungsrunden hat Ihr Mitbewerber, Karlsruhes Erster Landesbeamter Knut Bühler, die Zukunftsfähigkeit des Rastatt/Baden-Badener Klinikmodells angezweifelt. Wie sehen Sie das?

Huber: Unser Klinikum hat als rein kommunales Haus eine gute Entwicklung genommen. Wir müssen weiter an den Strukturen arbeiten. Das Defizit liegt nicht an uns, sondern an nicht kostendeckenden Entgeltsätzen der Krankenkassen und an der nicht ausreichenden Investitionsförderung des Landes.

Das Land sehen auch einige in der Pflicht, wenn es um die Folgekosten des PFC-Skandals geht.

Huber: Dass dieses Thema auf dem Rücken der Gebührenzahler ausgetragen wird, ist ungerecht. Die Wasserversorger haben zum Glück rechtzeitig investiert und unser Trinkwasser vor den Folgen der PFC-Eintragungen geschützt. Aber dass die Kosten dafür jetzt mit den Gebührenzahlern heim gehen, das ist nicht in Ordnung. Auch hier möchte ich mich beim Land um ein Umdenken bemühen.

Kontakt zu den Bürgern zu halten war für Sie als Weisenbacher Bürgermeister ja kein Problem. Aber wie wollen Sie das als Landrat bewerkstelligen?

Huber: Als meine Kandidatur bekannt wurde, hat mich jemand gefragt, ob ich nun Landtagsabgeordneter werden wolle. Und als ich sagte: nein, Landrat, hat er geantwortet: Was ist der Unterschied? Wir haben beim Bürgerkontakt also noch Luft nach oben. Ich möchte in die Gestaltung eines Zukunftsprogramms Landkreis 2030 die Bürger mit einbinden. Damit habe ich in Weisenbach gute Erfahrungen gemacht.