tunnel Rastatt
Insgesamt vier Bohrgeräte hat die Bahn in Niederbühl im Einsatz. Sie machen bis Ende Juli sogenannte Erkundungsbohrungen. | Foto: Collet

Bahn nimmt Bodenproben

Niederbühl: Tunnelbohrer rollt erst im nächsten Jahr wieder

Eigentlich nimmt sich die blaue Maschine gegen die vielen riesigen Kräne fast schon zierlich aus. Doch dann legt das Gerät los: Es rummst und rattert, so dass der Boden vibriert. „Wir machen seit Mitte Mai weitere Erkundungsbohrungen“, brüllt Michael Breßmer gegen den Lärm an. Gemeinsam mit Projektleiter Jürgen Kölmel und Ingenieur Holger Müller führt der Pressesprecher der Deutschen Bahn über die Tunnelbaustelle in Niederbühl und informiert die Medien über den aktuellen Stand der Arbeiten.

Zehn Stunden am Tag läuft der Kernbohrer

„Bis Anfang Mai ist hier nicht so wahnsinnig viel passiert“, gibt Breßmer offen zu. Doch inzwischen ist wieder einiges los. Denn auch wenn der havarierte Tunnelbohrer „Wilhelmine“ nach wie vor einbetoniert im Boden steckt, gibt es einiges zu tun. Wie etwa die Erkundungsbohrungen: Auf 300 Meter hat die Bahn insgesamt 60 Bohrungen geplant – teils bis zu 25 Meter tief in die Erde. „Wir wollen so der Schadensursache ein Stück besser auf die Schliche kommen“, erklärt Projektingenieur Müller. Außerdem fließen die Erkenntnisse, die die Untersuchungen der Bodenproben liefern, direkt ins laufende Schlichterverfahren ein. Noch bis Ende Juli werden vier dieser Kernbohrmaschinen in Betrieb sein und ihre Bohrkrone in die Erde rammen – montags bis freitags zwischen 7 und 19 Uhr.

Niederbühler warten auf Brücke und Unterführung

Zumindest von den direkten Anwohnern, deren Häuser teils nur wenige Meter von einem Bohrpunkt entfernt stehen, verlangen diese Arbeiten nochmals ordentlich Geduld. Beschwerden seien bei ihm allerdings noch keine eingegangen, erklärt Ortsvorsteher Klaus Föry. „Ich rechne aber fest mit Reklamationen.“
Insgesamt sei es für die Niederbühler jedoch deutlich angenehmer mit der Tunnelbaustelle geworden. „Wir haben quasi kein LKW-Aufkommen mehr“, freut Föry sich. Aber es seien auch immer noch zentrale Fragen offen, wie etwa nach dem Zeitplan für die Brücke am Friedhof, die eine wichtige Verbindung für die Niederbühler ins Münchfeld, zum Wald und zum Reisigplatz darstellt. „Das könnte man doch jetzt mit Nachdruck angehen.“ Genauso herrsche noch Unklarheit rund um die Unterführung. „Ich höre immer die Antwort: ,Wir sind am Planen und Prüfen‘.“

Konkretes ist Mangelware

Ähnlich vage fällt nach wie vor die Antwort auf die Frage nach den Kosten der Havarie aus: „Wir haben die Schadenssumme noch nicht ermittelt. Und darauf kommen dann ja noch die Kosten für das weitere Vorgehen“, so Pressesprecher Breßmer. Fest steht lediglich, dass im September die Ergebnisse der Erkundungsbohrungen vorliegen sollen und – so alles gut läuft – zum Jahresende dann die Schlichtung erfolgen kann. Und erst dann wird es mit dem eigentlichen Tunnelbau weitergehen.
Wie Projektleiter Kölmel erklärt, halte die Bahn weiter daran fest, die nicht havarierte Röhre mit dem Tunnelbohrer fertigzustellen. „Augusta Sibylla“ befindet sich nach wie vor in einem Wartungsstopp und soll im nächsten Jahr die Rheintalbahn unterqueren. „Welche zusätzlichen Maßnahmen wir treffen, ist derzeit noch in der Planung“, so Kölmel.
Die Bahn tüftelt parallel weiter daran, wie die einbetonierte „Wilhelmine“ aus der Röhre geholt werden kann. „Eins ist sicher: Die Maschine wird nicht mehr zu nutzen sein. Die ist Schrott“, stellt der Projektleiter klar. Wie die havarierte Röhre fertiggestellt werden soll, ist derzeit noch offen.