Kommentar
Der Tunnelbohrer „Wilhelmine“ findet unter Rastatt wohl ein Betongrab. | Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

„Wilhelmines“ Ende in Rastatt

Verhängnisvolles Betongrab

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Wie verzweifelt muss die Situation sein, wenn die beste Option ist, ein Wunderwerk der Technik im Wert von rund 20 Millionen Euro einzubetonieren? Zu dieser Maßnahme sieht sich die Deutsche Bahn gerade in Rastatt gezwungen.

Wie es mit dem Tunnelbau künftig weitergehen wird, hat für den Konzern nach offiziellen Angaben „Priorität drei“. Schnellstmöglich soll wieder der Personen- und vor allem der Güterverkehr über die Rheintalbahn im Barockresidenz-Stadtteil Niederbühl rollen, diesem europäischen Nadelöhr zwischen Rotterdam und Genua.

Die Umwege, welche die Güterzüge bis dahin fahren müssen, schränken auch den Regionalverkehr ein – in Baden-Württemberg ist etwa die Neckar-Alb-Bahn betroffen.

Betongrab für „Wilhelmine“

Die Fokussierung darauf, die Rheintalbahn wieder zu reparieren, bedeutet aber auch: Es ist völlig unklar, was unter Rastatt künftig passiert. Ist der alte Streckenverlauf überhaupt noch einzuhalten? Was passiert mit den Überresten von „Wilhelmine“? Hat das Dilemma auch Auswirkungen auf „Sibylla Augusta“ und die Weströhre? Wird eine neue Tunnelvortriebsmaschine von Herrenknecht – eine Maßanfertigung, deren Aufbau alleine mehrere Monate dauert – benötigt? Die Beantwortung dieser Fragen dürfte enorm viel Zeit kosten – und Geld.

Es kommen vermutlich zusätzliche Ausgaben in Millionenhöhe auf die Deutsche Bahn und die verantwortliche Tochter DB Netz zu. Da es sich um ein bundeseigenes Unternehmen handelt, werden unter Rastatt derzeit auch mehrere Millionen Euro an Steuergeldern einbetoniert. Ganz zu schweigen von den Konsequenzen für die Logistikunternehmen oder die Tausenden verlorenen Stunden der Reisenden und Pendler auf Ausweichrouten oder in Bussen zwischen Baden-Baden und Rastatt.

Katastrophe rund 60 Meter vor dem Ziel

Der Tunnel unter der Barockresidenz, zweitgrößter Bau des Projekts Karlsruhe – Basel, sollte mit dem neuartigen Eisring-Verfahren zu einem Prestigeobjekt der Ingenieurskunst bei der Bahn werden. Jetzt besteht die Gefahr, dass er zu einem Synonym mit dem gleichen Klang wie der „Flughafen BER“ in der Bundeshauptstadt wird.

Besonders tragisch: „Wilhelmine“ hatte ihr Ziel fast erreicht, auf der Internetseite des Großprojekts wird der Baufortschritt mit 98,6 Prozent angeben. In rund 56 Metern hätte sie das Tageslicht erblickt, nach vier Kilometern unter der badischen Erde.

So berichtete BNN.de zuletzt über die Rheintalbahn-Sperrung: