Vier Häuser wurden in Niederbühl evakuiert.
Vier Häuser wurden in Niederbühl evakuiert. | Foto: Collet

Bahn-Havarie bei Rastatt

Vier Häuser evakuiert

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Die Deutsche Bahn lässt die Stadt Rastatt und die Menschen der Region weiter im Ungewissen. Nur bruchstückhaft sickern wenige Informationen und viele Gerüchte durch, wie groß das Ausmaß des Schadens ist, der durch den abgesackten Boden bei Niederbühl verursacht wurde. Kontakt mit der Stadt Rastatt habe die Bahn bis Montagabend nicht aufgenommen, erklärt die Pressesprecherin des Rathauses, Heike Dießelberg, im BNN-Gespräch. Lediglich Kontakt mit dem Ortsvorsteher habe es gegeben.

Stadt war nicht informiert

Ohne Wissen der Stadt wurden in Niederbühl vier Häuser evakuiert, die in nächster Nähe zum abgesackten Gleis liegen. In original Bahnformulierung heißt das so: Am Sonntag „wurden die direkten Anwohner aus vier Häusern vorsorglich gebeten, aus Sicherheitsgründen die Häuser zu verlassen, um die schnellstmögliche Wiederherstellung der Strecke zu ermöglichen“. Warum die Strecke schlechter repariert werden kann, wenn Menschen in den Häusern wohnen, bleibt offen. Insofern liegt nahe, dass man sich auch um die Stabilität des Bodens in der Umgebung sorgt. „Als Stadt erwarten wir bald präzise Informationen“, so Dießelberg. Die Bahn selbst gab keine Auskünfte, sie verwies auf eine für Dienstag angesetzte Pressekonferenz. Mit bloßem Auge ist indes zu erkennen, dass die Gleise im Vergleich zum Wochenende bis gestern noch weiter abgesackt sind.

Provisorische Brücke gesperrt

Ebenfalls ohne Wissen der Stadt wurde die provisorische Fußgängerbrücke gesperrt, die über die Rheintalstrecke führt und Niederbühl mit der Mehrzweckhalle und der Siedlung verbindet. Dies hat zur Folge, dass Niederbühl wegen der Tunnelbaustelle nicht einmal mehr eine Fußwegverbindung in das Gebiet jenseits der Bahnlinie hat. Die in Sichtweite befindliche Mehrzweckhalle ist nur noch mit einem mehrere Kilometer langen Umweg über die Siedlung erreichbar.

Rastatt als ICE-Station

Unterdessen hat sich der Bahnhof Rastatt zur ICE-Station entwickelt: Die Fernzüge aus Hamburg und Berlin in Richtung Basel enden in Rastatt, von dort müssen die Reisenden mit Bussen – sie verkehren im Sechs-Minuten-Takt – nach Baden-Baden fahren, dann geht es mit einem bereitstehenden ICE weiter. Von Süd nach Nord läuft es genau umgekehrt. Wegen der niedrigen Bahnsteige und der fehlenden Aufzüge und Rolltreppen im Rastatter Bahnhof hagelte es bereits heftige Kritik. Die ICE sind auf derart veraltete Bahnsteige, wie es sie in Rastatt noch gibt, überhaupt nicht mehr vorbereitet, so dass sich beim Ein- und Aussteigen gefährliche Situationen ergeben. Behinderte und Eltern mit Kinderwagen schaffen den Weg vom ICE zum Bus über mehrere Treppen nur schwer. Außerdem ist am Rastatter Bahnhof nahezu nichts ausgeschildert, die Ansagen sind sehr spärlich und kaum Personal ist vor Ort. Daran soll sich nach Angaben von Heike Dießelberg jedoch etwas ändern, der Tiefbau stehe im Kontakt mit dem Bahnhofsmanagement in Karlsruhe. Zur gesperrten Brücke und zur Evakuierung in Niederbühl gab es allerdings auch von dort keine Auskünfte.

Das Einsteigen aus dem ICE gestaltet sich in Rastatt schwierig.
Das Einsteigen aus dem ICE gestaltet sich in Rastatt schwierig. | Foto: Wittig

Wie berichtet, ist am Samstag der Boden über der neu gebohrten Tunnelröhre abgesackt. In der Folge gaben die Gleise nach und konnten nicht mehr befahren werden. Unklar ist, ob damit die Tunnelbohrmaschine verschüttet wurde und ob die Arbeiten überhaupt weitergehen können. Als Grund für den Geländeeinbruch gab die Bahn einen Wassereintritt in die Tunnelröhre an. Mindestens bis Samstag, 26. August, ist der Bahnverkehr zwischen Rastatt und Baden-Baden unterbrochen. Die Rheintalstrecke zählt zu den wichtigsten und am meisten befahrenen Trassen in Deutschland, knapp 300 Züge passieren diese Stelle im Normalbetrieb pro Tag. Der zweite Tunnelbohrer hat die Murg unterquert und steht kurz vor der abgesackten Stelle. Die Arbeiten am Rastatter Tunnel wurden bis auf Weiteres eingestellt.