Die Mondlandefähre Eagle bei ihrer Rückkehr zum Kommandomodul von Apollo 11.
Die Mondlandefähre Eagle bei ihrer Rückkehr zum Kommandomodul von Apollo 11. | Foto: Nasa

Kontra Mond-Leugner

Experte widerlegt in Rastatt Verschwörungs­theorien zur Mondlandung

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Und was ist, wenn alles nicht stimmt? Wenn kein Mensch je auf dem Mond war und am Wochenende nur eine riesige Inszenierung gefeiert wurde? Der Raumfahrtexperte Edgard Fuss befasste sich bei einem Vortrag in Rastatt mit den Thesen der Mondlandungs-Leugner – und widerlegte alles.

Und was ist, wenn alles nicht stimmt? Wenn kein Mensch je auf dem Mond war und am Wochenende nur eine riesige Inszenierung gefeiert wurde? Schon kurz nach der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 gab es erste Zweifler. Mit dem Internet verbreiteten sich krude Thesen immer rasanter: Völlig losgelöst von den Fakten schwebt die Verschwörungstheorie durch Raum und Zeit.

Wobei der Raumfahrtexperte Edgard Fuss schon dieses Wort nicht durchgehen lässt. „Eine Theorie muss wissenschaftlich begründet sein“, erklärt Fuss in einem Vortrag der Rastatter Volkshochschule. Die Landungsleugner seien eher frei von wissenschaftlicher Vorbelastung.

Moonhoaxe

Die zahlreichen Zuhörer nehmen das beruhigt zur Kenntnis. Es sind weitgehend Fans der Raumfahrt, die von der Automarke Neil Armstrongs bis zum Wunsch einzelner Astronauten nach einem zusätzlichen Fenster in der Raumkapsel alles wissen. Und das soll auch so bleiben, allen hartnäckigen Leugnern zum Trotz. Edgard Fuss enttäuscht sie nicht. Er zerpflückt jedes noch so kleine Detail der „Moonhoaxe“, wie er sie nennt. Scharlatane also. Schwindler.

Raumfähre aus Goldpapier

Da ist zum Beispiel die Mondlandefähre Eagle. Sie wird gern gezeigt mit glänzendem Goldpapier, wie man es als Geschenkverpackung kennt. Ein aus Folie gebasteltes Spielzeug soll den Mond erreicht haben? Edgard Fuss hat die Erklärung: An einer Stelle des Mondlandemoduls sei die Elektronik offen angebaut gewesen, diese habe man mit einer Art Rettungsdecke gegen die Sonnenstrahlung geschützt. Alles andere sei massiv. Nächste These: Die Schatten auf dem Mond gehen in unterschiedliche Richtungen, da müssten zwei Lichtquellen beteiligt gewesen sein. So etwas gehe nur im Fernsehstudio. Das widerlegt Edgard Fuss mit einem kleinen Sandkasten und einem Scheinwerfer. Tatsächlich – die Schatten gehen trotz einer Lichtquelle in unterschiedliche Richtungen. Mit einer zweiten Lichtquelle gibt es hingegen mehrere Schatten.

Ein kleiner Adler: Raumfahrtexperte Edgard Fuss mit einem Modell der Mondlandekapsel.
Ein kleiner Adler: Raumfahrtexperte Edgard Fuss mit
einem Modell der Mondlandekapsel.
| Foto: Janke

Armstrongs Fußabdruck

Dann der Fußabdruck von Armstrong. Er sehe ganz anders aus als die Sohle des Raumanzugs. Erklärung: Auf dem Mond mussten die Astronauten Überschuhe tragen, damit der Raumanzug nicht beschädigt wird. Und die Strahlung im Van-Allen-Gürtel um die Erde, der durchquert werden musste, die kein Mensch überleben würde? „Dieser wurde nur am Rand gestreift“, berichtet Edgard Fuss. Dass sich die Flagge auf dem Mond bewegt hat, obwohl es dort keine Atmosphäre gibt und damit kein Luftzug möglich ist, habe an der statischen Aufladung zwischen Flagge und Mondanzug gelegen.

Start ohne Rauch

Jetzt noch der Start der Landefähre vom Mond aus: Kein Rauch, kein Staub, es sieht aus, als ob man das Teil im Studio nach oben gezogen habe. Anders als von der Erde aus habe man dort keinen gewöhnlichen Treibstoff verwenden können, erklärt Fuss, sondern ein mit den Gasen Wasserstoff und Sauerstoff vergleichbares Gemisch. Das entwickle grundsätzlich keinen Rauch. Übrigens seien im Jahr 2012 von einer neuen Sonde die Landestellen auf dem Mond eindeutig ermittelt worden.

Die amerikanischen Flaggen dürften heute ganz weiß sein. Ich hoffe, dass Trump das noch erlebt.

Schließlich: Bei einer Geschwindigkeit von 39 000 Kilometer pro Stunde und einer Entfernung von 380 000 Kilometer hätte der Flug zum Mond nur zehn Stunden dauern dürfen und nicht drei Tage. Hier haben die Hoaxe die Gravitation der Erde nicht berücksichtigt: Das Raumschiff flog zwar so schnell aus der Umlaufbahn der Erde heraus, wurde dann aber immer langsamer wegen der weiterhin wirkenden Anziehungskraft der Erde, die später von der kleineren des Mondes überlagert wurde. Das Raumschiff wurde also zunächst langsamer bis auf rund 8 500 Kilometer pro Stunde und beschleunigte danach nochmals leicht.

Der Mann im Mond

Für reichlich perfide hält Fuss übrigens die These, der Astronaut Gus Grissom sei bewusst mit der bei einem Test ausgebrannten Apollo 1 umgebracht worden, weil er als Kritiker der Raumfahrt gegolten habe.
Wäre der Mondflug erfunden gewesen, dann hätten bis heute 400 000 Menschen, die mit dem Projekt befasst waren, dicht halten müssen, gibt Edgard Fuss zu bedenken. Ja, sowas glaubt allenfalls der Mann im Mond. Und den gibt’s nicht.