Fast zwei Stunden lang gab Ministerin Eisenmann Einblicke in die baden-württembergische Bildung und beantwortete geduldig zahlreiche Fragen.
Fast zwei Stunden lang gab Ministerin Eisenmann Einblicke in die baden-württembergische Bildung und beantwortete geduldig zahlreiche Fragen. | Foto: Collet

Auftritt der Kultusministerin

Abschaffung der Grundschulempfehlung ein Fehler: Eisenmann spricht in Elchesheim-Illingen

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Dass die Bildungspolitik junge aber auch ältere Menschen beschäftigt, zeigte sich am Montagabend im Bürgerhaus in Elchesheim-Illingen: Viele Lehrer, Schüler, Eltern, aber auch andere Interessierte waren der Einladung des CDU-Gemeindeverbands zur Veranstaltung „Bildungspolitik aktuell“ mit Kultusministerin Susanne Eisenmann gefolgt.

Fast zwei Stunden lang gab die Ministerin Einblicke in die baden-württembergische Bildung und beantwortete geduldig zahlreiche Fragen. „Ich freue mich über jede inhaltliche Auseinandersetzung. Es wäre schlimmer, wenn sich niemand für Bildungsfragen interessieren würde“, sagte Eisemann nach der Begrüßung durch den Gemeindeverbands-Vorsitzenden Florian Kieser.

„Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung war ein Fehler“

Zum Vortrag gehörte auch ein schneller Ritt durch das weite Feld der Bildungspolitik: Von der frühkindlichen Förderung über ein Bekenntnis zur korrekten Rechtschreibung von klein auf („Schreiben nach Gehör halte ich für grundlegend falsch“) kam sie schnell zu einem Thema, das sie zuletzt selbst offensiv angegangen war: die Grundschulempfehlung.

Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung war ein Fehler, da bleibe ich dabei“, sagte Eisenmann und bekam für diese Aussage viel Applaus.

Nicht weniger Zustimmung äußerte das Publikum, als sie bekräftigte, die Haupt- und Werkrealschulen stärken zu wollen, und dass berufliche und akademische Ausbildung gleichwertig sein sollten („Wir haben viele, die Häuser planen, aber zu wenige, die sie bauen“).

Digitalisierung neben dem Lehrermangel eine große Herausforderung

Zum Thema Lehrermangel gestand Eisenmann ein, dass man in Deutschland über Jahre falsch berechnet, etwa große Pensionierungswellen nicht eingeplant habe. Eine große Herausforderung der kommenden Jahre sei außerdem die Digitalisierung an den Schulen, „aber mit Digitalem alleine verbessert sich nichts“. Vielmehr müsse ein Mehrwert vorhanden sein, neue Möglichkeiten müssten mit etablierten Methoden Hand in Hand gehen.

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Ministerin glänzt mit empathischen Antworten

Im Anschluss an den Vortrag wurde Eisenmann intensiv befragt: Wieso gibt es für meinen Sohn keine Oberstufe an der Gemeinschaftsschule? Warum sind Kitas in Baden-Württemberg nicht für alle kostenlos? Wie kann man den Beruf des Lehrers attraktiver machen? Das und vieles mehr wollte das Publikum von Eisenmann wissen. Für ihre ausführlichen, oft auch empathischen Antworten erntete die Ministerin viel zustimmendes Nicken und Beifall.

„Sie haben mich mit Ihrem Vortrag wirklich beeindruckt“, meinte eine Frau, die sich zugleich wünschte, dass Lehrer nicht von allen Seiten angegriffen werden. „Null Komma null Toleranz bei verbaler und körperlicher Gewalt im Klassenzimmer“, lautete die beklatschte Antwort von Eisenmann.

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Kurze Antworten sorgen aber auch für Kritik

Hier und da wurde aber auch mit Unverständnis oder Kopfschütteln reagiert. „Manche Argumente waren schwach“, meinte etwa Anja Ihle, Grundschulreferendarin in Au am Rhein. Auf ihre Frage, warum der Schulversuch „Grundschule ohne Noten“ nicht verlängert wurde, hatte Eisenmann schlicht geantwortet, dass sie diesen nicht für sinnvoll erachte. „Ich hatte mir da schon etwas mehr erwartet“, betonte Ihle.