Ausgerichtet: Da das Kellertheater frei buchbar ist, bringt die Württembergische Landesbühne Esslingen ihren Veranstaltungstechniker Frank Andree selbst mit. Er nutzt für die Schauspiel-Aufführung bereits vorhandene Scheinwerfer.
Ausgerichtet: Da das Kellertheater frei buchbar ist, bringt die Württembergische Landesbühne Esslingen ihren Veranstaltungstechniker Frank Andree selbst mit. Er nutzt für die Schauspiel-Aufführung bereits vorhandene Scheinwerfer. | Foto: Keller

Hinter den Kulissen

Vorhang auf für Gäste unterm Gewölbe im Kellertheater Rastatt

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Sie sind klein, groß, altehrwürdig oder modern. Manche mögen es eher laut, bei den anderen werden leisere Töne angeschlagen: Die Konzerthäuser, Hallen und Theater in der Region locken jährlich Tausende Besucher an. In der BNN-Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und beleuchten, wer den Künstlern die Bühne bereitet: dieses Mal im Kellertheater in Rastatt.

Mit einem mittlerweile nicht mehr ganz so heißen Kaffee in der Hand lässt sich Frank Andree auf seinen Stuhl fallen. Der stressige Teil ist vorerst erledigt. Wirklich Pause hat er während der Vorstellung aber nicht. Schließlich bringt der Veranstaltungstechniker Licht und Ton zum richtigen Zeitpunkt auf die Bühne – damit „Hörbe und sein Freund Zwottel“ im Rastatter Kellertheater die Kinder zum Lachen bringen.

Gastspiele im Programm

Die „Lesekiste“ der Württembergischen Landesbühne Esslingen gehört zum Kinderprogramm der Stadtbibliothek am Freitagnachmittag. Gastspiele wie diese sind auf der Bühne im Gewölbekeller nicht selten: „Das Kellertheater ist eine Bühne, die nicht nur von der Bibliothek genutzt wird“, erklärt Birgit Stellmach, Organisatorin des Kinderprogramms. Auch das Theater Esprit nutzt die Bühne im Kulturforum als regelmäßigen Auftrittsort. Die Stadt verwaltet die sonstige Nutzung.

Bibliothek fördert Kultur für Kinder

„Unser Angebot sehe ich als Beitrag zur Kinderkultur“, sagt Stellmach. Zum Zwei-Mann-Schauspiel aus Esslingen steigen über 50 Kinder die Stufen hinunter. „Mama, wann kommt er?“, ruft ein junger Zuschauer von der vordersten in die hinterste Reihe. „Zwei Minuten“, lautet die Antwort. Der Junge setzt sich hin, springt gleich darauf wieder auf den Stuhl: „Mama, wann?“ Schon ist es nur noch eine Minute. „Mama, jetzt?“, fragt er wenige Sekunden später erneut.

Ich mache von A bis Z alles.

Auf diesen Moment, auf den der kleine Junge wartet, hat Andree bereits eineinhalb Stunden zuvor hingearbeitet: Er positioniert das ausklappbare Bühnenbild, welches er selbst geschreinert hat, richtet die überschaubaren Scheinwerfer aus, testet die Musik und überprüft das Gesamtbild. „Ich mache von A bis Z alles“, sagt er.

Im Gewölbe hallt Gegrunze

Das Kellertheater sei technisch ganz gut ausgestattet, aber er benutzt lieber seine eigene Tonanlage. Daneben liegt ein zerknicktes Textheft: „Das brauche ich mittlerweile nicht mehr“, erzählt Andree. Die ganze Woche reist er mit den beiden Schauspielern der „Lesekiste“ Paulina Pawlik und Matthias Happach von Spielort zu Spielort. Plötzlich hallt Gegrunze durch den Keller. „Ganz schön laut hier im Gewölbe“, ist er selbst etwas vom Soundcheck überrascht.

Paulina Pawlik und Matthias Happach von der Württembergischen Landesbühne Esslingen richten sich ein.
Paulina Pawlik und Matthias Happach von der Württembergischen Landesbühne Esslingen richten sich ein. | Foto: Keller

„Das Bühnenbild passt farblich toll hier rein“, betont Happach – später „Hörbe“. Der junge Schauspieler der Landesbühne Esslingen ist zum ersten Mal im Kellertheater. Bis er mit seiner Kollegin aus dem roten Vorhang schlüpft, heißt es Warten und Ausruhen.

Jeder Stuhl muss passen

„Die Vorstellung ist mittlerweile Routine“, erzählt er. Im Hintergrund beginnt seine Schauspielkollegin mit Stimmübungen und begutachtet den Aufbau. Andree rückt noch einige Stühle der ersten Reihe zurecht, damit keins der Kinder neben dem Bühnenbild vorbei schielen kann.

Beteiligte sprechen sich ab

Das Trio legt genau fest, wer wo vor die Zuschauer tritt. Pawlik und Happach richten detailliert die Requisiten aus, drehen einen Krug nach rechts, den Topf nach links, bevor sie in Richtung Garderobe verschwinden. Gemeinsam mit Stellmach von der Bibliothek bespricht Andree abschließend das Organisatorische: Einlass, Begrüßung, Anweisungen, Lichter aus und los geht’s.

Das Kellertheater

Mit der Neueröffnung des Kulturforums Rastatt mit der Stadtbibliothek, dem Jugendtreff und der Musikschule im Jahr 1984 gingen auch die Türen zum Kellertheater auf. Rund 88 Sitzplätze bietet das Theater. Etwa 300 Veranstaltungen finden hier jährlihc statt. Zu Beginn bespielte die Metro Theatergruppe unter Harald Hemprich den Keller. Lange Jahre war das Theater Spielstätte des Schlosstheaters Rastatt unter Edzard Schoppmann. Heute führt die Theatergruppe Esprit dort ihre Stücke auf. Besonders genutzt wird das Forum aber von der Musikschule und der Stadtbibliothek. Die Bühne steht darüber hinaus auch Gästen und Künstlern offen.