Mit Biss: Gesunde Ernährung zählt zu den beliebtesten Vorsätzen für das neue Jahr. Oftmals wird das Vorhaben an ein intensiveres Sportprogramm gekoppelt.
Mit Biss: Gesunde Ernährung zählt zu den beliebtesten Vorsätzen für das neue Jahr. Oftmals wird das Vorhaben an ein intensiveres Sportprogramm gekoppelt. | Foto: dpa

Zum Jahreswechsel

Gute Vorsätze brauchen kleine Schritte

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Der Wunsch nach Veränderung begleitet viele Menschen beim Jahreswechsel: Weniger Stress, mehr Sport und zahlreiche weitere Vorsätze mit guter Intention, die 2019 endlich umgesetzt werden sollen. Doch über Nacht ist das selten zu bewältigen, sagt die Rastatter Fachtherapeutin Irina Ludwig. Zudem sei Silvester oftmals der falsche Zeitpunkt für kräftezehrende Vorhaben dieser Art.

„Menschen machen zum Jahreswechsel gerne eine Zäsur“, erklärt Ludwig, die im Raum108 in Rastatt Seminare und psychotherapeutische Angebote anbietet. „In dieser Jahreszeit beschäftigt man sich oft mit der Frage, wo man eigentlich herkommt.“ Die Frische des Neuanfangs bringe Optimierungsprozesse in Gang. „Dann nehmen sich die Menschen etwas vor.“ Nach dem Motto: Alles ist möglich.

Zur Optimierung

Es gehe darum, Gewohnheiten zu überprüfen und zu analysieren, was einem nicht gut tut, so Ludwig. „Diese Reflexion wohnt Menschen schon immer inne“, ergänzt die Expertin. Heutzutage würden solche Prozesse der Selbstoptimierung allerdings auch auf die Spitze getrieben. Das schaffe wiederum neuen Leistungsdruck.

Entscheidend ist die Dosis.

Gerade in Sozialen Medien würden Vorsätze zu Neujahr mit Vergleichen einhergehen. „Wir sind soziale Wesen und wollen wissen, welchen Platz wir in der Gesellschaft haben“, sagt Ludwig. Dafür schaue man nach rechts und links beziehungsweise auf das, was andere etwa online von sich preisgeben. „Entscheidend ist jedoch die Dosis.“

Offline-Sein als Wunsch

Einer bundesweiten Studie der DAK-Gesundheit zufolge will jeder Zweite zwischen 14 und 29 Jahren digitale Medien im neuen Jahr weniger nutzen. Offline-Zeit ohne Handy, Computer und Internet ist demnach ein Vorsatz, der immer häufiger getroffen wird.

Offline statt online: Weniger Konsum digitaler Medien steht 2019 auf der Liste vieler Jugendlicher.
Offline statt online: Weniger Konsum digitaler Medien steht 2019 auf der Liste vieler Jugendlicher. | Foto: dpa

Auf Platz Eins steht jedoch der Wunsch nach weniger Stress. Mehr Zeit mit der Familie und mit Freunden folgt dicht darauf. In der Liste tauchen erwartungsgemäß auch klassische Gesundheitsthemen auf: mehr Sport, gesündere Ernährung sowie das Aufhören mit Rauchen.

Zum Schluss fehlt die Energie

Um Vorsätze wirklich zu erreichen, rät Ludwig dazu, sich Schritt für Schritt an die Arbeit zu machen. „Man sollte sich zunächst einmal fragen, ob man sich diese Veränderung derzeit zumuten kann“, erklärt sie. Denn das Hauptproblem zum Jahreswechsel sei, dass die meisten Menschen ziemlich erschöpft sind. „Wir sind dann psychisch und körperlich gar nicht in der Lage dazu.“

Nicht, wenn die Batterie leer ist.

Das erfordert jedoch einen ehrlichen Blick in den Spiegel, so die Fachtherapeutin. „Ich sage nicht, dass es ein Fehler wäre, diese Zäsur zum Jahresende zu machen.“ Ob es jedoch sinnvoll ist, die Vorhaben an ein Datum festzuzurren, bezweifelt sie. „Man sollte damit nicht anfangen, wenn die Batterie eh leer ist.“

Vorsätze besprechen

Um sich zu verdeutlichen, was man Gutes behalten, verbessern oder Schlechtes ablegen möchte, helfe es, diese Dinge zu versinnbildlichen, so Ludwig – etwa durch eine Collage. Das sei wichtig, damit die Vorsätze nachhaltig wirken. Außerdem kann es helfen, mit anderen Personen darüber zu sprechen. „So merkt man, dass man mit den Veränderungsprozessen nicht alleine ist.“

Wie es richtig geht mit den Vorhaben zum neuen Jahr, kann Fachtherapeutin Irina Ludwig erklären.
Wie es richtig geht mit den Vorhaben zum neuen Jahr, kann Fachtherapeutin Irina Ludwig erklären. | Foto: Keller

Trotzdem sollte man weiter bei sich selbst bleiben, ohne sich zu vergleichen, betont Ludwig. „Manchmal ist es außerdem gut, das Jahr erstmal zu halbieren.“ Mit Hilfe von kleinen Schritten ließen sich Ziele viel eher erreichen. „Man sollte sich nicht überfordern.“

Handeln bei Rückfall

Drei bis vier Wochen dauere es, bis eine alte Gewohnheit langsam verschwindet und sich eine neue einstellen kann, sagt die Expertin. „Man sollte sich selbst einen Auftrag geben, wie man handeln möchte, wenn man rückfällig zu werden droht“, nennt Ludwig einen weiteren Tipp. „Für diese Momente muss man sich präparieren und neue Ideen schaffen.“

Dann spürt die Psyche, dass es ernst gemeint wird.

Man brauche neue Synapsen im Kopf, denn sonst greift die alte Suchtstruktur. „Wenn ich es über vier Wochen schaffe, jeden Tag diese neue Information einzuspeisen, dann spürt die Psyche, dass es ernst gemeint wird“, so die Gesundheitspraktikerin. Außerdem sei es wichtig, Handlungsvorhaben positiv zu formulieren. Sprich: Anstatt zu sagen, was man nicht mehr tut, sagt man sich, was man stattdessen tut, erklärt Ludwig. „Dadurch gibt der Mensch Aufmerksamkeit in das, was er vergrößern möchte.“

Freude am Prozess

Vorsätze seien nichts Schlechtes. „Mitte Februar wäre es aber vielleicht einfacher, sie umzusetzen“, sagt Ludwig. Denn: „Wir haben grundsätzlich Freude daran, dass wir unser Leben selbstwirksam bestimmen können.“