Welche Bäume halten künftigen Stürmen stand? Der naturnahe Mischwald wird wohl langfristig eine Alternative im Umbau solcher Wälder sein.
Welche Bäume halten künftigen Stürmen stand? Der naturnahe Mischwald wird wohl langfristig eine Alternative im Umbau solcher Wälder sein. | Foto: Klatt

Klimawandel

Maßnahmen im Wald: Fichten und Tannen unter besonderem Schutz

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Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, der spürbare und messbare Veränderungen für Jeden mit sich bringt. In loser Folge beleuchtet die BNN-Mitarbeiterin Patricia Klatt verschiedene Aspekte und Auswirkungen für Mittelbaden.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in den Wäldern im Landkreis Rastatt spürbar. Schon seit vielen Jahren beobachten die Forstleute hier die Folgen von steigenden Temperaturen, häufigeren und länger anhaltenden Dürreperioden, eine Zunahme von Stürmen und anderen Extremwetterlagen. Dazu kommen eine erhöhte Belastung durch Schadinsekten und eine Ausbreitung von Neophyten wie Spätblühender Traubenkirsche, Goldrute oder Kermesbeere.

Wasserknappheit für Waldbäume.

„Die Verlagerung der Niederschläge von der Vegetationsperiode im Frühjahr und Sommer in die Wintermonate hinein verschärft in den unteren Lagen zusätzlich die Wasserknappheit für die Waldbäume“, so Thomas Nissen, Amtsleiter des Forstamtes im Landratsamt.

Trockene Standorte

Der Landkreis Rastatt ist zu 52 Prozent mit Wald bedeckt, etwa zwei Drittel der Waldfläche von insgesamt 38.200 Hektar liegen im Schwarzwald und in der Vorbergzone, der Rest wächst in der Rheinebene. Die Bäume auf trockenen Standorten wie der Hardt leiden besonders unter den kontinuierlich ansteigenden Jahresmitteltemperaturen und Dürreperioden wie in diesem Jahr.

Käferbefall als Folge

Fichten, Kiefern, Douglasien, Buchen und Bergahorn zeigen vielerorts deutliche Dürreschäden, zahlreiche Bäume haben den Trockenstress nicht überstanden und werden aktuell vorzeitig geerntet. Die Schädlinge tun das Ihre dazu, denn „als weitere Folge der hohen Temperaturen und des Wassermangels kam es im Sommer 2018 zu der bekannten Massenvermehrung der Borkenkäfer, die vor allem die Fichte schädigen, aber auch Tannen sind erheblich betroffen. Als Folge des Borkenkäferbefalls wurden im Landkreis im Jahr 2018 rund 1 000 Lkw-Ladungen Fichtenholz (25 000 Festmeter) unplanmäßig und vorzeitig eingeschlagen“, so Nissen.

Mehr als 100 Millionen Festmeter Schadholz.

Der Klimawandel findet weltweit statt und die Auswirkungen sind für alle spürbar, ob direkt oder indirekt. So kam der Landkreis Rastatt 2018 zwar bei den Stürmen bislang mit einem blauen Auge davon, aber die Folgen von Sturmschäden in anderen Gebieten treffen auch die hiesigen Waldbesitzer. „Durch Sturm und Borkenkäfer sind in Mitteleuropa im Jahr 2018 mehr als 100 Millionen Festmeter Schadholz angefallen“, so Nissen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Das habe massive Störungen des Holzmarktes und einen Preisrückgang für Fichtenrundholz aus heimischen Wäldern um bis zu 50 Prozent zur Folge. Die meisten Forstbetriebe im Landkreis Rastatt hätten deshalb den regulären Einschlag von Fichten und Tannen vorerst eingestellt, lediglich Käferbäume würden noch aufgearbeitet.

Erfahrungen anderer Regionen

Eine weitere Herausforderung besteht auch darin, den Erfahrungsschatz aus anderen Klimaregionen in der hiesigen Forstwirtschaft sinnvoll nutzen zu können. Denn Bäume wachsen erfahrungsgemäß langsam, die Planungs- und Bewirtschaftungszeiträume umfassen ungefähr 80 bis 150 Jahre, und man muss also heute für eine ungewisse Zukunft planen und das prognostizierte Risiko für die Forstwirtschaft minimieren.

Naturnahe und gemischte Wälder.

„Die Forstleute im Landkreis Rastatt haben bereits vor mehr als 30 Jahren damit begonnen, standortsgerechte, naturnahe und gemischte Wälder aufzubauen“, erklärt Thomas Nissen. Gleichwohl muss auch er zugeben, dass es „die Alternative“ auch nicht gibt. Grundsätzlich geeignete Baumarten wie die Kastanie oder die Eiche haben ebenfalls ihre Probleme, so kommt die Kastanie mit kalkigen Böden nicht gut klar, das heißt, damit ist fast der gesamte Rheingraben suboptimal. Außerdem hat diese Baumart bereits jetzt mit eingeschleppten Krankheiten wie dem Kastanien-Rindenkrebs zu kämpfen.

Mischbestand im Wald

Und auch die Eiche hat ein riesiges Repertoire an Schadinsekten und zudem das Problem, dass sie den Rehen so gut schmeckt. „Gleichwohl stellen Mischbestände trotz der Unwägbarkeiten nach Ansicht der Forstleute im Landkreis Rastatt die beste Ausgangsbasis dar, um den Wald auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten“, bestätigt Thomas Nissen.

Die bisherige Hauptbaumart Fichte wird zugunsten von standortsgerechteren und stabileren Baumarten wie beispielsweise Buche und Tanne oder zugunsten von genügsamen Baumarten wie der Kiefer und der Traubeneiche zurückgedrängt. In der Rheinebene und Vorbergzone gewinnen Laubbäume an Bedeutung, die mit Trockenheit und Wärme besonders gut zurecht kommen wie Stieleiche, Roteiche, Hainbuche, Linde, Vogelkirsche, Edelkastanie und Nussbäume. In den Kulturflächen werden in begrenztem Umfang aber auch Hoffnungsträger wärmerer und entfernterer Regionen wie zum Beispiel Tulpenbaum, Platane oder Baumhasel versuchsweise angepflanzt. (Quelle: Thomas Nissen.)