Elmar Frittel
Selbst Bass spielen klappt wieder: Aus der Musik schöpft Frittel viel Kraft. Dass er tatsächlich selbst wieder Musik machen könnte, haben seine Ärzte nicht zu hoffen gewagt. | Foto: Gangl

Rastatter Brandopfer Frittel

„Warum daran kaputt gehen?“

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„Wenn Du was willst, schaffst Du es!“, so das Lebensmotto von Elmar Frittel aus Plittersdorf, der eine Gasexplosion überlebte und nach unzähligen Operationen und mit unbeschreiblicher Energie den Weg zurück ins Leben gefunden hat. „Lebe Dein Leben – Jetzt erst recht!“, lautet der Titel eines Motivationsfilms, den der 54-Jährige in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BG) Ludwigshafen produziert hat.

Der „große Knall“ veränderte sein Leben

Der Plittersdorfer Frittel ist nicht nur als Gitarrist in der Region bekannt. Er trat gemeinsam mit Gerald Sänger als Gitarrenduo Saitensprung auf, produzierte verschiedene CDs unter anderem „Schmetterling“, war Gitarrenlehrer an der Musikschule Gernsbach, komponierte unzählige Songs, schrieb Bücher zur Gitarrenschule und gründete vor mehr als zehn Jahren seine eigene Tauchschule. Kurz nach dem Tsunami im Jahr 2004, den er hautnah in Thailand miterlebte, hatte er mit einer Spendenaktion für die Opfer der Flutkatastrophe auf der thailändischen Insel Kho Pi auf sich aufmerksam gemacht.

Ich lag als Mumie im Bett

Doch wenn auch sein Leben viele Facetten hat und Elmar Frittel zahlreiche Erfolge feiern durfte, so musste er sich einige Male immer wieder selbst motivieren und Stärke zeigen, um überleben zu können. Am 30. November 2012 kam der „große Knall“, wie Frittel sich an die Gasexplosion beim Bau seines Tonstudios erinnert. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er mit schwersten Brandverletzungen in die BG Ludwigshafen geflogen, wo er 13 Tage auf der Intensivstation für Brandopfer lag, danach vier Monate in einer sterilen Kammer, wo ihn die Ärzte mit einer Lappenplastik behandelten. Besuchen durften ihn nur seine Familienangehörigen.

Er wollte wieder Gitarre spielen…

„Ich lag als Mumie im Bett und habe an einer Hand mehr als 200 Klammern gehabt“, erinnert sich Frittel. Schmerzen habe er nur bei Verbandwechsel gehabt und er erkannte, „da ist ein Problem, das muss ich in den Griff kriegen“. Als er das erste Mal seine „Stahlhand“ sah, wurde ihm die Situation richtig bewusst, doch er wollte wieder Gitarre spielen. Während das Ärzteteam glücklich darüber war, dass sie die Hände erhalten konnten – das erste Mal überhaupt, dass eine solche Rekonstruktion gelungen war, wollte Elmar Frittel mehr, verlor nicht den Glauben und begann seinen Kampf. Von Zuhause ließ er sich Arm- und Fußhanteln bringen, denn Sport war ihm schon immer wichtig.

…und schaffte es

Nach dem Krankenhausaufenthalt kam er für sechs Wochen in eine Rehaklinik, doch seine Gitarre musste mit. Dort übte er so gut es mit seinen Händen ging das erste Liedchen ein – „Happy Birthday“ für den dortigen völlig überraschten Klinikleiter. „Ich habe gelernt, es wird nicht mehr so sein wie vorher, eben anders, und das ist heute noch so“, bemerkt Frittel, der in den vergangenen Jahren unzählige Operationen über sich ergehen lassen musste. „Ich habe das Licht schon mehrmals gesehen“, sagt er und lächelt. Für viele ist seine Rückkehr zum fast normalen Leben ein Wunder, insbesondere da über das Thema Brandverletzungen und die Nachbehandlung von Brandnarben immer noch zu wenig bekannt ist.

Du bist ein Hingucker, da muss man durch

Heute werden Elmar Frittel und seine Physiotherapeutin Julia Kleebach des Öfteren zu Fachvorträgen eingeladen, in denen sie darüber berichten, wie ein Leben mit Brandnarben möglich ist und warum Brandnarben viel Bewegung benötigen, um nicht hart zu werden. „Du bist ein Hingucker, da muss man durch. Nur warum dran kaputt gehen?“, fragt Frittel und offenbart damit seine Einstellung zum Leben. Diese positive Grundhaltung motivierte ihn immer wieder. Heute spielt er Gitarre, hat Gitarrenschulbücher geschrieben, zwei CDs für Kinder zum Gitarrenlernen veröffentlicht und den Motivationsfilm mit seiner eigenen Filmmusik als Therapiemittel für Brandopfer herausgebracht. „Es liegt an dir, wie du dein Leben gestaltest“, sagt Elmar Frittel, für den die Natur eine Tankstelle ist und der Heilung durch Musik erfährt.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.elmar-frittel.de.

Von Anne-Rose Gangl