Als schöne Überraschung ist es gedacht, wenn Hunde zu Weihnachten verschenkt werden. Doch für Tier und Halter können unbedachte Kaufentscheidungen Folgen haben. | Foto: dpa

Experten warnen

Warum sich Tiere nicht als Weihnachtsgeschenk eignen

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Experten raten von Tieren als Weihnachtsgeschenk ab. Die Beschenkten sind mit Haltung und Kosten oft überfordert. Das bekommen die Tierheime spätestens im Frühjahr zu spüren – dann stehen überforderte Halter vor der Türe.

Leider kann die Katze wegen einer Allergie der Besitzerin nicht im Haushalt bleiben. Plötzlich ist der Hund verhaltensauffällig geworden. Was Mitarbeiter in Tierheimen ab Januar zu hören bekommen, ist oft nicht die Wahrheit. Sie wissen: Da ist jemand mit seinem Weihnachtsgeschenk überfordert.

Hunde, Katzen oder Kaninchen sollen für die Liebsten ein schönes Weihnachtsgeschenk sein – doch an die folgende Pflege und anfallenden Kosten denken viele Menschen nicht. „Das gehört zu den größten Problemen bei uns“, sagt Stefan Hitzler. Der Vorsitzende des Landestierschutzverbands Baden-Württemberg spricht von einem bekannten Phänomen, das vor allem bei den Kleintieren zugenommen habe.

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Kaninchen als „Durchlauferhitzer“

„Viele denken sich bei einem Kaninchen: Es ist flauschig, rennt herum“, sagt Hitzler. Tatsächlich aber sei das kleine Tier ein „Durchlauferhitzer“: „Es frisst und kotet.“ Der Stall muss jeden Tag sauber gemacht werden. Manche Besitzer vernachlässigen das und hinterlassen das Kaninchen im verdreckten Stall. Die dann fälligen Tierarztbesuche treiben die Kosten in die Höhe. „Das ist zu 90 Prozent der Verlauf“, sagt Hitzler. Auch der Fortpflanzungstrieb der Kaninchen würde oft unterschätzt werden. „Dann kommen die Besitzer mal mit zehn Kaninchen zum Tierheim.“

Es gibt viele Fälle, in denen Tiere zu Weihnachten verschenkt werden: Eine Katze für die einsame Oma oder ein Hund für den fünfjährigen Sohn, der lernen soll, Verantwortung zu übernehmen. „Meist sind die Tiere unterm Weihnachtsbaum für Kinder gedacht. Es wird aber nicht bedacht, dass Kinder alleine mit der Versorgung überfordert sind. Die Eltern müssen mithelfen.“

„Spätestens da landen sie im Tierheim“

Viele Menschen würden sich auch zu wenig über die Verhaltensweisen der Tiere informieren. Das sei vor allem bei Hamstern ein großes Problem, sagt Hitzler. „Was soll ein Fünfjähriger mit einem nachtaktiven Tier?“ Auch bisherige Tierhalter können überrascht werden. „Wer einen Golden Retriever hatte, kennt ihn als Familienhund. Ein Border Collie ist die gleiche Tierart, aber eine andere Rasse. Lässt man den sechs, sieben Stunden lang alleine, zerlegt er die Wohnung.“ Manche Neu-Besitzer von Katzen wunderten sich auch über Sofa-Fetzen, wenn sie von der Arbeit heim kommen.

Unzufriedene Tierbesitzer würden oft noch bis Ostern oder Pfingsten, bis zur „Hauptreisewelle“, durchhalten. „Spätestens da landen sie im Tierheim“, sagt Hitzler.

Pro und Contra: Gehören Tiere an Weihnachten unter den Tannenbaum?

„Die Feiertage sind der schlimmste Termin, um ein Tier zu sich zu holen“, betont Sibylle Fritz vom Tierheim Rastatt. „Es braucht Ruhe, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.“ Die hohe Aufmerksamkeit der Hausbewohner und Besucher sei da „eine Katastrophe“.

Vor allem unüberlegt angeschaffte Kleintiere würden ab Januar im Tierheim Rastatt abgegeben werden. „Menschen stellen fest, dass sie sich mit der Haltung übernommen haben.“

Experten raten zu anderen Geschenken

Fritz führt das auch darauf zurück, dass die Tiere oft in Handlungen oder bei Züchtern gekauft werden. Dort falle die Beratung kürzer aus als im Tierheim. Wie groß ist die Wohnung? Lässt der Beruf die Haltung eines Tieres zeitlich überhaupt zu? Zuletzt, so Fritz, habe ein Mann in einem Beratungsgespräch erkannt, dass es nicht die richtige Zeit für einen Hund sei. „Er hat gesehen, dass er in seiner jetzigen Lebenssituation überfordert ist.“

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Eine verantwortliche Prüfung der Situation hält auch Yvonne Würz von der Tierrechtsorganisation Peta für wichtig. „Man kann die Tiere nicht einfach wie einen ungewünschten Pullover umtauschen“, sagt sie. „Deshalb sind Tiere als Weihnachtsgeschenk absolut ungeeignet.“ Anstatt jemanden zum Feiertag zu überraschen, solle man mit der Familie absprechen, ob die Pflege des Tieres überhaupt gewährleistet werden kann. Als Weihnachtsgeschenk könne auch ein Buch dienen, das dem Beschenkten den Umgang mit dem Tier näherbringt.

Hitzler vom Landestierschutzverband rät ebenfalls, das Geschenk anders zu verpacken: „Ich schenke dir, dass wir ein Vierteljahr lang ins Tierheim gehen, mit einem Hund Gassi gehen oder Katzen streicheln.“ Wer über den Zeitraum am Tier interessiert bleibt, der komme als Halter in Frage. „Wem schon das Tierheim zu weit weg ist, für den ist das Tier nicht das richtige.“