Zu Ehren des Kanzlers der Versöhnung schlägt der Sprecher der Freien Wähler den hinteren Marktplatz als Willy-Brandt-Platz vor.
Zu Ehren des Kanzlers der Versöhnung schlägt der Sprecher der Freien Wähler den hinteren Marktplatz als Willy-Brandt-Platz vor. | Foto: Weisenburger

Willy-Brandt-Platz als Idee

Wird die Rastatter Hindenburgbrücke nach einer Frau benannt?

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Eine völlig neue Wendung scheint Rastatts Dauerstreit um die Umbenennung der Hindenburgbrücke zu nehmen. Nach wie vor sträubt sich das bürgerliche Lager im Gemeinderat, den Murgübergang zu Ehren von Bundeskanzler Willy Brandt umzubenennen. Doch die Begründung hat sich stark verändert.

Statt einer mageren Brücke könnte bald schon der hintere Marktplatz den Namen des SPD-Granden tragen. Heißt die frisch renovierte Obere Kaiserstraße also bald Willy-Brandt-Platz? „Ich denke, der große Willy Brandt hat mehr verdient als nur eine kleine Brücke“, macht sich überraschend Herbert Köllner, Sprecher der Freien Wähler für den Kanzler der Ostverträge stark.

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Köllner hält die Hindenburg-Brücke für zu unbedeutend um das Andenken Brandts zu würdigen. Er schlägt vor, die zu großen Teilen als Parkplatz genutzte Obere Kaiserstraße zwischen Stadtkirche und Toilettenhäuschen nach dem Friedensnobelpreisträger zu benennen.

Kaufmann will Brandt in Rastatt ehren

Die SPD hat bereits vor Monaten gefordert, den Namen des Reichspräsidenten Hindenburg, der Adolf Hitler ins Amt brachte, von der Brücke zu tilgen. Gunter Kaufmann, selbst Urgestein der Rastatter SPD, hält Hindenburg für unwürdig. „Der hätte 1918 vor Gericht gestellt werden müssen. Er war verantwortlich für die Dolchstoßlegende, mit der die Schuld an der Niederlage im Ersten Weltkrieg den Sozialdemokraten zugewiesen wurde.“

Die Begeisterung für Willy Brandt brachte 1972 tausende Rastatter auf den Marktplatz. Heute streitet man in der Festungsstadt, ob man eine Murgbrücke oder doch lieber den hinteren Teil des Marktplatzes nach dem Vater der Aussöhnung mit dem Osten benennen will.
Die Begeisterung für Willy Brandt brachte 1972 tausende Rastatter auf den Marktplatz. Heute streitet man in der Festungsstadt, ob man eine Murgbrücke oder doch lieber den hinteren Teil des Marktplatzes nach dem Vater der Aussöhnung mit dem Osten benennen will. | Foto: Simon

Für Kaufmann, der nach eigenen Angaben zu jenen Sozialdemokraten gehört, die wegen des Wirkens und der Person von Willy Brandt in die SPD eingetreten sind, ist es höchste Zeit, den Friedensnobelpreisträger auch in der Stadt der Badischen Revolution zu ehren.

Joachim Fischer, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat, könnte sich auch mit einem Willy-Brandt-Platz hinter St. Alexander anfreunden.

Lenhard von der CDU schlägt Frau als Namensgeberin vor

Aber bei der Sprecherin der CDU-Fraktion, Brigitta Lenhard, trifft die Idee auf wenig Gegenliebe. Sie will weder die Hindenburgbrücke, noch den Platz hinter der Kirche nach dem Sozialdemokraten benennen.

„Wir werden für den neugestalteten Bereich an der Oberen Kaiserstraße den Namen Badner-Platz vorschlagen. Ich finde, das hat deutlich mehr mit der Rastatter Historie zu tun“, so Lenhard. Sie kenne Willy Brandt nicht und halte es auch für unpassend, Plätze nach Menschen zu benennen. „Man weiß dann ja nie, ob man die Plätze im Licht der Historie nicht doch irgendwann mal umbenennen muss.“

Die Hindenburgbrücke wolle sie viel lieber nach einer weiblichen Friedensnobelpreisträgerin benennen und für Willy Brandt werde man sicherlich auch irgendwann eine Straße finden. „Wir haben in Rastatt eine so rege Bautätigkeit, da wird sich irgendwann eine Gelegenheit bieten.“ Eine Entscheidung in der Sache fällt möglicherweise in der Gemeinderatssitzung am Montag.