So soll es 2020 aussehen: Im rechten Gebäude und in der hinteren Front werden das Pflegestift, drei Gewerbeflächen und betreutes Wohnen untergebracht. | Foto: Simulation: WLH

Pflegestift auf dem Hatz-Areal

Wohngruppen sollen „Zuhause-Gefühl“ geben

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„Wie Zuhause“ sollen sich die Bewohner des neuen Pflegestifts auf dem Hatz-Areal fühlen, wenn sie in zwei Jahren einziehen können. Bereits vor zwei Wochen hatte das Deutsche Rote Kreuz Baden-Baden bekannt gegeben, dass sie Träger des auf dem ehemaligen Brauerei-Gelände geplanten Heims werden. Nun stellten Harald Kothe vom DRK sowie Projektentwickler Klaus-Peter Wesel die konkreten Pläne bei einem Vor-Ort-Termin vor.

DRK Baden-Baden wird Träger des geplanten Heims

Insgesamt werden 71 Plätze in dem neuen Pflegestift entstehen, die sich auf insgesamt fünf Wohngruppen verteilen. „Wir hätten gerne 90 Plätze angeboten“, so Kothe. Dies sei allerdings von der Stadt nicht genehmigt worden, wie Projektentwickler Wesel darlegte. Dies habe mit dem Gesamt-Pflegekonzept in der Stadt zu tun. Angesichts des rasant steigenden Pflegebedarfs bedauert das Rote Kreuz diese Entscheidung sehr: „Wir werden bis zum Jahr 2030 einen maximierten Pflegebedarf im Landkreis haben.“ Laut Kothe ist mit rund 2 000 Pflegebedürftigen mehr als jetzt zu rechnen – auch wenn diese nicht alle stationär versorgt werden müssten.

71 Plätze in fünf Wohngruppen sollen entstehen

Nun kommen also statt sechs fünf Wohngruppen. Dies sei die neue, gesetzlich vorgeschriebene Wohnform, die zudem Einzelzimmer für die Bewohner vorsehe, erklärte DRK-Mann Kothe. „Eben wie Zuhause.“ Den rund 20 Quadratmeter großen Schlafzimmern sind jeweils eigene Bäder angegliedert. Zudem gibt es, wegen der Trennung von reinen und unreinen Sachen einen Waschraum mit Waschmaschine und Trockner.
Gemeinsam nutzen die Wohngruppenmitglieder das Wohnzimmer sowie die Küche. Ein Aspekt, der Kothe besonders am Herzen liegt: „Wir wollen so die Düfte der Küche im Haus halten und die Bewohner zum Essen animieren.“ Denn alles, was die Senioren noch eigenständig erledigen können, sollen sie auch erledigen dürfen – beispielsweise kochen.

Freuen sich auf das, was da kommt: Projektentwickler Klaus-Peter Wesel, Harald Kothe vom Baden-Badener DRK-Kreisverband und Thomas Hatz, auf dessen Brauereigelände die neue Bebauung entsteht (von links). | Foto: Collet

In den Wohngruppen gibt es Alltagsbegleiter

So erhoffen sich die Betreiber auch, das Problem der Austrocknung alter Menschen in den Griff zu kriegen. „Fertiges Essen ist oft nicht salzig genug, es entsteht kein Durstgefühl, die Menschen trinken wenig und wenn das länger andauert zeigen sie irgendwann Alzheimer-Symptome“, weiß Kothe. Zum Kochen gezwungen werde aber niemand: In den Wohngruppen sind sogenannte Alltagsbegleiter beschäftigt, die Reinigungs- und Hauswirtschaftsarbeiten, aber auch Aufgaben von Pflegehilfskräften übernehmen.

Pflegestift wird rund 50 Mitarbeiter haben

Tagsüber unterstützen je zwei solcher Begleiter die Bewohner, abends einer und nachts ist dann die Nachtwache zuständig. DRK-Mann Kothe verspricht sich von den Alltagsbegleitern eine grundlegende Veränderung der Herangehensweise: „Wenn jetzt ein Bewohner an einer Reinigungskraft vorbei will, dann stört er sie bei der Arbeit. Künftig werden Gespräche entstehen und der Bewohner kann sogar mithelfen, wenn er möchte. Wie in einer echten Wohnung.“ Insgesamt werden etwa 50 Mitarbeiter in dem neuen Pflegestift beschäftigt sein, davon rund 15 examinierte Pflegekräfte. Die genaue Anzahl stehe erst dann fest, wenn der Pflegegrad der künftigen Bewohner bekannt ist.

Pflegeheim und Gewerbe im Erdgeschoss

Die Räume des Heims sollen sich einmal über die gesamte Länge des Areals erstrecken, also von der Kapellenstraße bis zur Rappenstraße. Der Haupteingang ist leicht versetzt zum Zebrastreifen vor der Schlossgalerie geplant. Im Erdgeschoss teilt sich das Pflegeheim den Platz mit drei Gewerbeeinheiten. Erstes und zweites Obergeschoss sind dann vier der fünf Wohngruppen vorbehalten. Im dritten und vierten Geschoss sind weitere 24 Einheiten für betreutes Wohnen vorgesehen, wie Projektentwickler Klaus-Peter Wesel erklärte. Hier können die Bewohner ihren Pflegedienst frei wählen. Außerdem sind 58 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen geplant. Sämtliche Neubauten werden auf einer zweigeschossigen Tiefgarage entstehen.

Komplettes Areal soll Ende 2020 fertig sein

Zwar hätten die archäologischen Funde zu einiger Zeitverzögerung geführt, räumt Wesel ein. Wenn die letzte Baugenehmigung vorliege, die den Gebäudekomplex betrifft, in dem auch das neue Pflegestift geplant ist, könnten die Bauarbeiten aber beginnen. „Wenn die Firmen verfügbar sind, wollen wir im November mit den Betonarbeiten beginnen.“ Erst soll die Umgebungsbebauung gesichert werden, bevor dann die Rohbauarbeiten starten, die wiederum mit dem Bau der Tiefgarage beginnen. Alle fünf Gebäude sollen parallel entstehen und Ende 2020 fertig sein. Das Rote Kreuz hofft darauf, bereits im Oktober oder November 2020 das Pflegeheim zu eröffnen.
Auch Thomas Hatz freut sich über das, was auf seinem alten Brauereigelände entsteht. „Das zeigt, dass das Aufhören hier die richtige Entscheidung war. Auch wenn mancher Rastatter das noch immer anders sieht.“